Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Berliner Maler, Bildhauer und Zeichner herumgesandt werden mit der Bitte, den Typus des so Dargestellten anzugeben. Die Antwort sämtlicher Berliner Künstler lautete einstimmig: „Porträt Ludwig Jahns aus seinen mittleren Jahren." Nur einer hatte hinter sein Votum ein Fragezeichen gemacht und hinzugefügt: „Vielleicht doch ein semitischer Typus." Und wer war dieser eine? Adolph Menzel. Während der „Aera Magnus-Wertheim" war, wie bereits oben ausgesührt wurde, die Verwaltungstätigkeit der jüdischen Gemeinde nach außenhin, namentlich durch den Neubau der großen Synagoge in der Oranienburger Straße, stark angewachsen. Auch die Finanzverwaltung entwickelte sich in geradezu vorbildlicher Weise, und hierbei muß wiederum vornehmlich des geschickten Gemeinde- Sekretärs Wertheim gedacht werden. Die direkte Besteuerung der Gemeindemitglieder konnte sich, dank der Erträgnisse des damaligen bedeutenden Stiftungvermögens, in sehr mäßigen Grenzen halten. Die Anteilscheine des für den Synagogen-Neubau erforderlichen Kapitals wurden mühelos untergebracht. Allein das innere Gemeindeleben stockte gänzlich. Für die Erfüllung der idealen Aufgaben in einer Gemeinde von der Bedeutung der Berliner zeigte die damalige Verwaltung leider wenig oder, sagen wir es rund heraus, gar keinen Sinn. Für die Eingliederung des jüdischen Religionsunterrichtes in den ordentlichen Lehrplan der öffentlichen mittleren und höheren Schulen geschah so gut wie nichts. Das hat sich dann glücklicherweise gründlich geändert. Aber die Tatsache bleibt bestehen: die damalige jüdische Schuljugend in den genannten Unterrichtsanstalten wuchs fast ohne jeden Religionsunterricht auf. Die bitteren Folgen sind leider nicht ausgeblieben. Vielleicht als der bezeichnendste Beweis für den Mangel an idealem Sinn der damaligen Gemeindeverwaltung darf jener Beschluß des Repräsentanten-Kollegiums angesehen werden, der ein Schenkungs-Angebot der Bibliothek des verstorbenen vr. Leopold Zunz, das