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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 203 (sequence 13)
Language
German
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203 Auch im Norden Europas ist am Anfang des vorigen Jahrhunderts am jüdisch-musikalischen Himmel ein Stern ausgegangen, den ebenfalls die gütige Vorsehung mit herrlichen musikalischen Gaben ausgezeichnet hat und dem es ebenfalls beschicken war, auf synagogal-gesanglichem Gebiete Unsterbliches zu leisten. Dieser musikalische Stern hieß: Louis Lewandowski. Louis Lewandowski erblickte am 3. April 1821 in Wreschen das Licht der Welt. Seine Eltern, beide alten Rabbiner- und Gelehrten-Familien entstammend, gehörten zwar dem Kaufmannsstande an, nichts destoweniger fanden in ihrem Hause Wissenschaft und Gesang eine Pflegestätte. Der Vater Lewandowski's bekleidete in Wreschen, wie Oberkantor Joses Singer zu berichten wußte, das Amt eines gerichtlichen Translateurs für die hebräische, deutsche und polnische Sprache *). Mit dem berühmten Rabbi Akiba Eger pflegte er regen schriftlichen Verkehr in talmudischen Fragen. Den ersten Unterricht genoß der kleine Louis bei seinem Vater und mit seinem 6. Lebensjahre konnte er bereits mit dem Studium der Mischna beginnen, welchem er bis zu seiner Bar Mizwa eifrig oblag. Nicht allein die Wissenschaft, sondern auch der synagogale Gesang fand im Elternhaus Lewandowski's eine treue Pstege. Sein Vater nämlich bekleidete nach der einstigen ehrwürdigen Sitte das Ehrenamt eines Vorbeters für die an hohen Feiertagen, ebenso für »HTi hu und Dtta bei welcher heiligen Handlung er von seinen fünf Söhnen, darunter dem kleinen Louis als Hilfssänger unterstützt wurde. Beim Einstudieren der Gesänge griff auch oft die Mutter Lewandowski's ein, und bekundete feines Verständnis für den Synagogengesang. Nicht allein das Singen, oder wie der technische Ausdruck bei den damaligen Chasanim hieß, „zuhalten" bei seinem Vater, sondern auch die Konzerte der aus drei Mann bestehenden Ortskapelle, oder die Melodien des Leiermanns waren geeignet, das Herz des kleinen y Siehe Singer über Lewandowski, österr. ungarische Kankorenzeitung, II. Serie 1886, Nr. 16.

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