Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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202 ist nun verstummt. Sie war das Echo einer inneren Stimme, eines Seelengesanges, einer Herzensmelodie, seiner eigenartigen Persönlichkeit. Was Sulzer im Reiche der Töne geformt, gedichtet und umgestaltet hat, das bleibt, das klingt und singt und dringt durch das Abend- und Morgenland, durch die alte und die neue Welt zu seinem ewigen Nachruhme und zur Ehre des Judentums. Nach diesen Worten Jellineks setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung. Die Orden und das Monument Sulzers, Schir Zion, wurden ans einem Sammetkissen gleich hinter dem Galawagen getragen. Auf dem Zentralsriedhof angelangt, rezitierte Oberkautor Josef Goldstein das tomim" und Prediger Dr. Güdemann hielt dann einen Nachruf, anknüpfend an das Bibelwort: „Auf daß du davon erzählest vor den Ohren deines Sohnes und deiner Enkel!" „Große Männer und große Ereignisse," führte der Redner aus, „erweisen eben ihre ewige Bedeutung dadurch, daß man von ihnen erzählt bis in die spätesten Zeiten. Einen Sulzer hat es vor ihm nicht gegeben und wird es nach ihm nicht geben. Denn ihm war es Vorbehalten, der jüdischen Volksseele ihr Geheimnis abzulauschen und den gemeinsamen Herzensausdruck zu finden. Nun ruht deine Hand, aber deine Harfe klingt fort. Wie du in begeistertem und begeisterndem Gesänge die Wundertaten Gottes vor den entzückten Ohren deiner Generation erzählt und verherrlicht hast, so wird man von dir erzählen bis in die fernsten Zeiten als von dem gottbegnadeten einzigen Zionssänger." Nach diesen Worten Güdemanns wurde Sulzer in der Ehrenreihe zur ewigen Ruhe gebettet. Sein Nachfolger Josef Singer ehrte sich selber, wenn er schrieb: „Wenn die Geschichte des Judentums einstens, in späteren Tagen, all' die Namen ihrer verdienstvollen Glaubensmitglieder verzeichnet, so wird in goldenen Lettern auch hell und rein erstrahlen der Name „Salomon Sulzer." -r-