Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Lewandowski für Musik höher schlagen zu machen, und er verzichtete oft, sobald er die Wreschner Stadtmusikanten hörte, auf Speise und Trank. So schwanden unter Talmudlernen, „Zuhalten" und Vorsingen in vornehmen Häusern die holden Tage und Jahre der Jugendzeit Lewandowski's dahin. Allein, nicht lange sollte er sich der elterlichen Erziehung erfreuen. Seine Mutter starb plötzlich und hinterließ eine Schar unversorgter Kinder. Der Vater hatte nicht das Glück, mit irdischen Gütern gesegnet zu sein, und so beschlossen die Kinder nach dem Tode ihrer Mutter, den heimatlichen Herd zu verlassen und draußen im Leben Unterkunft zu suchen. Als der kaum 12 jährige Louis von seinem Vater Abschied nahm, händigte er ihm 12 Silbergroschen ein, sprach über ihn den Priestersegen und fügte noch die Worte hinzu: „O, mögest du Gunst uud Wohlgefallen finden in den Augen Gottes und der Menschen." Mit diesen Worten nahm der Vater von seinem Sohne Abschied und der kleine Louis lenkte "seine Schritte nach der Metropole seines Heimatlandes, nach Berlin. Der Wunsch seines Vaters ging in Erfüllung. Lewandowski wurde hier von einem guten Genius geleitet, der ihn im Gewoge der Residenz die richtigen Wege führte, und von ihm die Gefahren des großstädtischen Lebens abwendete. Lewandowski besuchte hier das Gymnasium und übte in der freien Zeit Geige und Klavier. Seine glockenreine und seelenvolle Sopranstimme verschaffte ihm Aufnahme als „Singerl" bei dem Kantor Ascher Lion. Lewandowski entzückte die Hörer mit seinen Soli und lenkte die Aufmerksamkeit vieler Mitglieder auf sich. Es dauerte nicht lange und viele Synagogenbesucher wievr.Baruch Auerbach, Beschütz, Ziethen und Löwenstein nahmen sich des kleinen Louis an und sorgten für seinen Unterhalt. Dr. Löwenstein, bei dem der Bruder Lewandowski's Hauslehrer war, gestattete ihm, auf seinem Klavier zu üben. In seiner Wohnung aber machte Lewandowski seine Studien auf einem Kinderklavier. Der bekannte Hebraist, Salomon Pleßner, bei dem der Knabe Louis hebräischen Unterricht genoß, erzählte dem Philanthropen Alexander Mendelssohn,