Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Breslauer Erinnerungen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 15)
- Language
- German
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— 67 Aus dem Hannoverschen stammte Jacob Freu- Lenthal, ein Vertreter echter niederdeutscher Geistesart. Er hielt sich abseits von dem studentischen Leben und Treiben, vertiefte sich von Anfang an in seine weitausgespannten Studien, hatte wenig Umgang mit seinen Seminarkollegen, war dagegen ein Lieblingsschüler des großen Philologen Jacob Bernays und es schien schon damals fast so gut wie ausgemacht zu sein, daß Freudenthal für eine andere als die rabbinische Laufbahn bestimmt sein mochte. Er ist ja auch, wie bekannt, zunächst Docent am Seminar geworden und hat später als ordentlicher Professor der spekulativen Philosophie an der Breslauer Universität bis zum Ende seines Lebens (1907) gewirkt. Hier soll kein Urteil über die großen Leistungen Freudenthals als Aristoteliker und Spinoza-Forscher abgegeben, sondern nur einiges zur Veranschaulichung seiner Persönlichkeit angeführt werden. Neben ihm sei Hermann Cohens (1842—1918) gedacht, der, wie Isaak M. I o st und Chajim Steinthal, aus dem Anhaltischen stammte. Welche Bedeutung er späterhin als schöpferischer Philosoph und als Verfechter des Judentums erlangt hat, darüber bedarf es für die Leser dieses Jahrbuchs keines weiteren erläuternden Wortes. Aus dem nordwestlichen Deutschland kam der bildschöne Güdemann.der später berühmte Wiener Oberrabbiner (gest. 1918). Auch Heinemann Vogel st ein (1839—3 911) verdient hier genannt zu werden. Er wußte das ernste Gebühren eines Zöglings des Fränckelschen Seminars mit dem heiteren studentischen Treiben eines Mitgliedes der Burschenschaft Arminia auf das glücklichste zu vereinigen. Ein jüdischer Armine werden die heutigen Leser kopfschüttelnd fragen? Ja. in jenen Jahrzehnten war der deutsche Antisemitismus nämlich noch nicht erfunden. Vogelstein war ein Mensch von unerschöpflicher Herzensgüte und hat als vorbildlicher Seelsorger seines Amtes in Stettin gewaltet, wo sein Name noch heute in Ehren gehalten wird. Am Schluß, aber nicht an letzter Stelle, sei des in Oberschlesien gebürtigen Philipp Bloch (gest. 1923 in Berlin) gedacht. Er war, was man einen feinen Kopf zu nennen pflegt. Geistig vielseitig 5*