Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Breslauer Erinnerungen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 16)
- Language
- German
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— 68 — angeregt, liebte er es, eigene Wege zu gehen. Einer leisen Skepsis nicht unzugänglich, hat er sich schließlich doch mit seinen Amtspflichten des Predigers einer gemäßigt liberalen Gemeinde in Posen abzufinden gewußt. Damals trieb er mit Vorliebe rein philosophische Studien und es möge mir verstattet sein, zu sagen, daß ich mit ihm hinter die Denkgeheimnisse eines Cartesius und Spinoza zu kommen, eifrig bemüht war. Geistige Erholung suchte und fand er vor den 64 Feldern des königlichen Spieles, in dem er es zu einer hohen Meisterschaft gebracht hatte. Sie alle sind bereits in jenes Land hinübergegangen, von dessen Bezirk kein Wanderer wiederkehrt. Nur einer erfreut sich noch des rosigen Lichtes, Michael Holzman. In ungeschwächter geistiger Frische, auch körperlich rüstig, genießt er nach einem reichgesegneten, arbeitsvollen Leben sein wohlverdientes otinrn cum dignitate. Was er für die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Berlin geleistet hat, ist mit unverwelklichen schriftzeichen auf den Tafeln der Geschichte dieser Gemeinde eingegraben. Michael Holzman ist sich sein ganzes Leben lang als ein, man möchte sagen, leidenschaftlicher Verfechter dessen treu geblieben, was er als recht erkannt hatte. Auch in seinem Ruhestande ist er unermüdlich tätig. Möge ihm diese seltene Gabe des Geschickes noch lange vergönnt sein! * *