Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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195 sehr bald zu den Honoratioren der jüdischen Gemeinde Breslaus zählten, so war es immerhin ein Vorzug, mit Wolf Schiff bekannt zu sein, der ein Schwiegersohn des Rabbi Akiba Eger zu Posen war, also zu den ersten Judenfamilien des Landes gehörte. Und unsere Beziehungen knüpften sich sehr rasch und fest, dank der harmlosen Kinderspiele der Gasse und der Rosinenspenden Onkel Wolfs. Noch fester wurden sie, als mein Bruder Josef nach seiner Barmizwah in das Spezereigeschäft als Lehrling eintrat, dessen Chef er später wurde, als er die zweite Tochter des Hauses heiratete und mit dessen ältestem Sohn Carl das Geschäft weiterführte, als Onkel Wolf Schiff sich zur Ruhe setzte. Ich erinnere mich genau des alten freundlichen Mannes, der stets ein gutes, witziges Wort für uns in Bereitschaft hatte, das er obendrein aus den Schätzen seines Ladens noch versüßte. . Josef hob das Geschäft durch Fleiß und Gewissenhaftigkeit und gab ihm bald einen großkaufmännischen Charakter. Meine Brüder sind alle bereits zu ihren Vätern versammelt, Gott segne ihr Angedenken, wir können in Stolz und Wehmut der Trefflichen gedenken, meine lieben Kinder, alle gereichten sie der Familie zur Ehre. ' Der erste starke Eindruck, den ich in diesem Kreise empfing, war Josefs Hochzeit. Bis dahin zog das Leben, wie ein Traum an mir vorüber. Still und innig, wie das Dasein in dem wohleingehegten Frieden eines reichen, vornehmen Judenhauses in damaliger Zeit, Die Zeitläufte waren ruhigere geworden. Ueberall blühte und gedieh Handel und Gewerbe: das kam auch den Juden zu Gute, die man in Frieden ließ, wenn Strömungen allgemeinen Wohlstandes den Neid auf die Begünstigteren niederhielten. Und besonders in Schlesien und dem Herzogtum Posen ließ man den Juden einen sehr weiten Spielraum, weil ihre Intelligenz und ihre Tüchtigkeit ganz neue Erwerbsquellen erschlossen, und breite Bevölkerungsschichten des geschäftlichen Segens teilhaftig wurden. Aber je mehr sie nach außen sich betätigten, desto abgeschlossener lebten sie nach innen, und ihr Familienleben bildete eine feste Burg des Glaubens der Väter und der Sorgsamkeit und Treue der Verwandtschaft. Ich weiß nicht, warum ich nicht das Wort: „Mischpoche" hierhersetze. Es hat später einen etwas komischen Beigeschmack erhalten; und 13*