Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 586 (sequence 12)
- Language
- German
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586 A. S. Yahuda: mit seinem Sohn Adolf, dem Vater Ignaz* nach Stuhlweißenburg über. Trotzdem sie alle dem Kaufmannstand angehörten, war in der Familie die Liebe für das Studium des jüdischen Schrifttums immer lebendig. So erhielt z. B. Vitus Goldziher 1817 die Morenuwürde aus der Hand des Rabbi Hirsch Braudo, des berühmten Verfassers des Kommentars Erez Zebl und Toame Zebijja zu Eben-Haezer. Der Vater Ignaz Goldzihers studierte in Preßburg 3 Jahre in der Lehrhalle (Jeschlba) des Rabbi Moses Sofer, der als Chatham-Sofer heute noch sehr bekannt ist, und erhielt von ihm bei seiner Entlassung den Titel eines Chaber, der damals unverheirateten Personen nur selten verliehen wurde. Auch Isaak Berger, der Vater der Mutter Ignaz Goldzihers (Katarina Berger), war ein angesehener Thalmudgelehrter. Diese Tradition betätigte sich auch in der Erziehung Ignaz Goldzihers: seit frühester Kindheit hat ihn sein Vater unter großen Opfern in den biblischen und thalmudischen Disziplinen durch eigens hierzu ins Haus berufene jüdische Gelehrte unterrichten lassen. Von diesen pflegte Goldziher mit dauernder Dankbarkeit seinen Lehrer Moses Wolf Freudenberg aus Varpalota zu erwähnen, der während seiner Gymnasialzeit sein Mentor in der Wissenschaft des Judentums war und dem er außer seiner Kenntnis in Bibel und Thalmud auch seine Bekanntschaft mit den auserlesensten Werken der jüdischen Literatur und Philosophie verdankte. Obwohl Goldziher schon als ganz junger Schüler sein Interesse in viel höherem Maße der Bibel zuwandte, zeigte er auch für den Thalmud und die Dezisorenliteratur große Neigung, und als sein Bar-mizwah-Fest herannahte, war er schon als guter und gewandter Thalmud jünger in der Gemeinde bekannt und verfaßte damals eine kleine Schrift „Slchat-Izchak" (Das Gebet Isaks; vgl. Raschi zu Genesis 24> 63), über die Bedeutung des Gebets. Als Lebenswahlspruch wählte er bei vollendetem dreizehnten Lebensjahre die Worte des Propheten Micha 6, 8: ,,Gesagt hat Er dir, o Mensch, was gut ist; und was fordert denn Gott von dir? Nur Rechtes tun, Edelmütiges lieben, und demütiges, keusches Wandeln vor deinem Gott", Worte, die für Goldzihers Leben und Charakter bestimmend waren und die er bis zu seinem Lebensende befolgt hat. Seine Barmizwah-Feier gestaltete sich für ihn auch unter anderem dadurch sehr denkwürdig, daß er auf Aufforderung des Ortsrabbiners in der Synagoge am Sabbathtage, den 3. Juli 1863, über den von ihm angenommenen Lebenswahlspruch als Text vor versammelter Gemeinde ex-tempore eine Predigt gehalten hat. Noch bis in die letzten Jahre seines Lebens pflegte er mit freudiger Erregung von seinem halachischen Vortrag zu sprechen, den er am Nachmittag desselben Tages vor den gelehrten Mitgliedern der Gemeinde hielt, und von dem tiefen religiösen und moralischen Eindruck, den die ganze Feier bei ihm hinterlasseri hatte. Seine Gymnasialstudien begann er am Gymnasium des Cisterzienserordens in seiner Vaterstadt, das er von 1859 bis 1865 besuchte und zu dessen Lieblingsschülern er stets gehört hatte. Michaelis 1865 verzogen seine Eltern nach Budapest, wo er dann die beiden letzten Gymnasialklassen beendete.