Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 585 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101211-3109735--7380-3109779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek usw. 585 Wort Gottes von Jerusalem", eine reale und überzeugende Kraft für ihn. Darum war Palästina für ihn, wie für jeden religiös oder romantisch veranlagten Juden, mit der Religion und mit der Zukunft des Judentums aufs engste verknüpft. Und wenn er auch dem politischen und nationalen Gedanken des Zionismus fern stand, so hatte doch die Schaffung eines Zentrums für die jüdische Wissenschaft, sowie für die Wissenschaften des Orients in Jerusalem eine außerordentliche Anziehungskraft für ihn, wie überhaupt jede geistige und kulturelle Arbeit, die durch den Zionismus gefördert wurde. So mag es denn der Lohn dieses großen Mannes und bedeutenden jüdischen Gelehrten sein, daß seine Sammlung gerade in der zukünftigen Universität in Jerusalem ihre Heimatstätte finden wird. IL Der Gelehrte. Eine biographische Skizze. Über Goldzihers Persönlichkeit und wissenschaftliche Bedeutung ist kurz nach seinem Ableben in verschiedenen Tageszeitungen und Fachzeitschriften von Schülern, Freunden und Fachgelehrten viel geschrieben worden, und es soll in naher Zukunft in einem in Vorbereitung begriffenen biographischen Werke noch verschiedenes Neues hinzukommen, worin seine außerordentlich vielseitige wissenschaftliche Tätigkeit in gebührender Weise gewürdigt werden dürfte. Es erscheint jedoch von Interesse, im Anschluß an die obigen Ausführungen einige kurze biographische Mitteilungen mehr persönlicher Natur über Goldziher zu geben, von denen manche noch unbekannt sein dürften, weil sie zum Teil auf seine eigenhändigen Aufzeichnungen zurückgehen. Diese Aufzeichnungen hat er mir zugehen lassen, als vor Ii Jahren von jüdischer Seite eine kurze Biographie Goldzihers gewünscht wurde, die für ein größeres Werk über berühmte jüdische Männer bestimmt war, dessen Veröffentlichung jedoch infolge des Weltkrieges unterblieben ist. In seinem Schreiben vom 30. Mai 1913 betonte er seinen Wunsch, daß gerade seine jüdische Erziehung und seine Liebe für das Studium und die Lehren des Judentums sowie für die jüdischen Tradition in das richtige Licht gestellt würden, schon weil er in gewissen Budapester Kreisen von den ,,Säulen des Judentums mit allen Kräften aus dem Judentum ausgeschaltet" wurde. Ignaz (Isaak Jehuda) Goldziher, am 22. Juni 1850 in Stuhlweißenburg (Szekesfah^var) Ungarn, geboren, entstammte ^iner angesehenen Familie, die ihre Herkunft, wie er mir wiederholt gesagt hat, von den jüdischen Exulanten aus Spanien herleitete und in der Hamburger Judenschaft eine sehr prominente Stellung einnahm. (Vgl. die Memoiren der Glückel von Hameln und dazu David Kaufmann, S. 30.) Der Begründer der ungarischen Linie der Familie war Moses Goldziher, der 1730 von Hamburg auswanderte und sich in Kitsee (Köpes6ny, Wieselburger Komitat) niederließ. Sein Urenkel Vitus Goldziher siedelte 1842