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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 587

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
Date
1924-01-01
Page
587 (sequence 13)
Language
German
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Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek usw. 5«7 Es geschah dann während seiner letzten Gymnasialzeit, daß der bekannte Orientalist und berühmte Reisende Hermann Vambery von seiner Reise in Mittelasien zurückgekehrte und sich gleich darauf an der Budapester Universität habilitierte. Goldziher meldete sich bald als Schüler bei ihm an, um türkisch und persisch unter seiner Leitung zu studieren. Diese Studien legten den Grund zu seiner Wahl der Orientalistik als Lebensberuf. Gleichzeitig genoß er den Unterricht des großen Gelehrten und Vorsitzenden des Rabbinats der Pester Gemeinde, J. L. Brill, durch dessen ungewöhnliche Kenntnisse in allen Zweigen der alten und modernen jüdischen Wissenschaft er bedeutende Förderung erhalten hat. Nachdem er Ostern 1867 das Zeugnis der Reife erlangt hatte, brachte er noch zwei Semester an der heimischen Universität zu, wo er philosophische, philologische und hauptsächlich die orientalistischen Kollegien bei Vambery hörte. Eine entscheidende Wendung in seinem Studiengang trat bald dadurch ein, daß der damalige Kultusminister, Baron Joseph von Eötvös, der als Staatsmann und ideal gesinnter Mensch sich allgemeiner Achtung und großer Beliebtheit erfreute, auf ihn aufmerksam wurde und ihm ein mehrjähriges Staatsstipendium zum Besuch ausländischer Universitäten verlieh, zu dem Zwecke, sich für eine Professur der orientalischen Wissenschaften an der Budapester Universität vorzubereiten. Goldzihers Schritte lenkten sich zunächst nach Berlin, zu Rödiger, Dieterici und Wetzstein, dann zu Fleischer nach Leipzig, wo er von Michaelis 1869 bis Ostern 1871 zu Füßen des großen Altmeisters der semitischen Philologie saß. Charakteristisch für die Stellung Goldzihers in Fleischers Kollegium ist der interessante Zug, daß er von seinen Kommilitonen „der kleine Scheich" genannt wurde, im Gegensatz zu Fleischer, der der große Scheich" hieß. Während seines Berliner Aufenthaltes fand er eine Heimat im Hause des Professor Abraham Berliner, dessen reichhaltige Bibliothek sein Interesse für jüdische Literatur in hohem Maße gesteigert hat. Bald trat er in persönliche Beziehung zu Abraham Geiger, H. Steinthal und M. Steinschneider, von denen er mannigfache Belehrung und Anregung erhielt. Nachdem Goldziher im Dezember 1870 in Leipzig promoviert hatte, brachte er den größten Teil des Jahres 1871 in Leiden zu, wo er in den reichen arabischen handschriftlichen Schätzen der Warnerschen Sammlung Materialien für seine späteren Arbeiten sammelte und im Verkehr mit Dozy, de Goeze, Abraham Kuenen u. a. in verschiedene orientalistische und bibelwissenschaftliche Gebiete eingeführt wurde. Es dauerte nicht lange, und Goldziher wurde vonseiten des ungarischen Kultusministeriums eingeladen, nach Budapest zurückzukehren, wo er sich im Dezember 1871 an der Universität für semitische Philo-!ogie habilitierte. Zu gleicher Zeit wurde er beauftragt, an der Protestantischen Theologischen Hochschule Vorträge über Hebräische Sprache und Bibel zu halten. 1873 unternahm er im Auftrage der ungarischen Regierung eine Studienreise nach Syrien, Palästina und Ägypten, wo er in einem regen Verkehr mit hervorragenden muslimischen Gelehrten,

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