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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-10-01 · 1 (10.1938) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
17 (1938)
Issue
1 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Nr. 1 Oktober 1938 PHOTO-KOPIEN von Urkunden und Dokumenten, Familienu. nach neu iden und Dokumenten, ■■ r 11 mm ********* W% ■^%r?!?£Tn r. E H R c N r E L u 104 des Rabbi Jehuda an ihre Bedeutung verloren hatte und während der folgenden Jahrhunderte der Drangsale immer schwieriger wurde, fand unter dem letzten bekannten Patriarchen Hillel II., der zur Zeit des Kaisers Konstantius in der Mitte des vierten nachchristlichen Jahrhunderts lebte, ihr Ende. Es war ein bewundernswerter Akt der Selbstverleugnung, daß dieser Patriarch das bis dahin in seiner Familie wie ein kostbarer Schatz bewahrte Geheimnis der Kalenderbestimmung (Sod ha-Ibbur), das die Autorität des Pairiarchenhauses mit begründete, in gefahrvoller Zeit preisgab. Aber er stellte durch diese Tat das jüdische Jahr mit seinen Neumonden und Festen, seinen Zyklen und Verschiebungen auf die unerschütterliche wissenschaftliche Grundlage, die es seit jener Zeit jedem Wissenden ermöglicht, den Ablauf der jüdischen Jahre selbst zu errechnen. « Nach der Bekanntgabe des Kalenders wußte man freilich, welcher Tag der richtige Neumonds- und Festtag war und hätte den zweiten und achten Tag Pessach, den zweiten Tag Schabuot, den zweiten Tag Sukkol und den zweiten Tag Schemini Azeret (jetzt Simchat Thora) nicht zu begehen brauchen. Aber das Gewissen der frommen Nachkommen lehnte sich dagegen auf, klüger zu sein, als die Airvorderen waren, und die Pietät und das Herkommen erwiesen sich als stärker denn die Wissenschaft. DAS SCHRIFTWORT Und nun noch ein kurzes Wort über die Umrechnung - einer jüdischen Jahreszahl in die entsprechende bürgerliche Jahreszahl und umgekehrt. Nach der Annahme unserer Weisen waren von der Schöpfung der Welt bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung 3760 bis. 3761 Jahre verflossen. Demnach muß von jeder jüdischen Jahreszahl 3760 (für die drei letzten jüdischen Monate vom 1. Tischri ab bis zu jenem Tag im Kislew oder Tebet, der dem 1. Januar entspricht, 3761) abgezogen werden, wenn man das bürgerliche Jahr gewinnen will. So zählen wir in diesem Jahr nach jüdischer Zeitrechnung 5698; ziehen wir 3760 hiervon ab, so bekommen wir das bürgerliche Jahr 1938. Und umgekehrt. Eine leichtere Umrechnung ist aber folgende: Beim jüdischen Jahr wird in der Regel in Büchern, Briefen, Urkunden etc. die Angäbe der Tausende, die sich von selbst verstehen, weggelassen. Man schreibt dann: „Bischnat niSTin pBb das heißt: im Jahre 698 nach der kleinen Jahreszahl. Zählt man zu dieser jüdischen Jahreszahl 240 hinzu, so erhält man das bürgerliche Jahr 938, zusammen mit den Tausenden 1938, wobei aber wieder darauf zu achten ist, daß . dies nur von den Monaten nach dem 1. Januar gilt, während für die letzten jüdischen Monate (meist Tischri, Marcheschwan und Kislew) nur 239 hinzugezählt werden darf. Die Zahl 240 wird dadurch gewonnen, daß man von dem Jahr 0 der christlichen Zeitrechnung ausgeht. Ohne die Tausende waren damals 760 Jahre verflossen. Zählt man zu diesen 240 hinzu, so kommt man auf die Zahl 1000.- Da aber die Tausende bei jeder Rechnung nach der kleinen Jahreszahl wegfallen, so ergibt sich das Jahr 0. Also hat man jeweils 240 zu der laufenden jüdischen Jahreszahl mit Wegfall der Tausende hinzuzuzählen, um die bürgerliche Jahreszahl (wieder ohne die Tausende) zu gewinnen. Zu Mosches Segen , von Max Dienemann Das fünfte Buch schließt mit dem Abschnitt ab, der nicht in die Reihe der wöchenil. sabbatl. Vorlesungen einbezogen ist, der an Simchat Tora vorgelesen wird, dem Segen Mosches. Er beginnt mit dem Worte (33, 1): „Dies ist der Segen, mit dem Mosche, der Mann Gottes, die Kinder Israel vor seinem Tode segnete". Dieser Satz unterliegt mannigfacher Auslegung. Keine Rede ohne Tröstung „Weil Mosche zuerst harte Worte zu Israel sprach, darum beschließt er sie mit Worten des Trostes. Harte Worte - (5. B. M. 24, 28) „vom Hunger ausgemergelt und verzehrt von Glut und giftiger Seuche ... die Kinder draußen raffte das Schwert"; (9, 7) widerspenstig wart ihr wider IHN". Und von ihm haben alle Künder gelernt, sie begannen mit harten Worten und dann redeten sie Trostworte zu Israel." - Es gehört in der Tat zu den Eigentümlichkeiten der biblischen Strafrede, daß sie in einem Trost ausklingt. Weil nämlich in der Idee alles von des Menschen Tat abhängt und also die Umkehr die Drohung zunichte zu machen die Kraft hat. So bleibt die Hoffnung auch im Schlimmsten. -Die Beherrschung des Textes Das Wort für Segen, beracha, kann man im unpunktierien Text auch lesen berecha, was bedeutet: der Teich, jegliche Wasseransammlung. Daxauf aufbauend die Bemerkung: „lies nicht: dies ist der Segen, lies: dies ist der Teich! wie das Wasser im Teich die Unreinen reinigt, so hat Mosche die - durch Sünde - Entfernten wieder Gott nahe gebracht." Hier ist nichts zur Erklärung des Sachlichen hinzuzufügen,- es ist nur wieder einmal darauf aufmerksam zu machen, mit welcher Souveränität der Bibeltext behandelt wird, wenn dem Erklärer daran liegt, eine bestimmte Wahrheit fest ins Herz zu senken. . Reparaturen in eig. Werkstätte I Marken>Uhren In groBer Auswahl l | Af TEL-25325 151 ßiebergasse.^ Mosches Einzigkeit „Oft haben die Früheren Segen gespendet, jeder in seinem Geschlecht, aber keiner war so gewaltig wie der Mosches. Noach segnete seine Söhne, aber es war Streit und Trennüng in seinem Segen; nur die einen wurden gesegnet - (1. M. 9, 26. 27) „Gepriesen sei ER, der Gott Sems, ausbreite Gott den Japhet" - der andere wurde verflucht - (V. 25) „verflucht sei Kenaan". Jizchak segnete Jaakow, aber dadurch entstand Zank, denn Esau war eifersüchtig auf Jaakow. Unser Vater Jaakow segnete die Stämme, aber in seinem Segen war Tadel, denn er wies Reuben zurecht wegen seiner Tat und'Schimon und Levi (1. M. 49, 4-6) „wie Wasser, ausgeleert, wahrtest du den Vorzug nicht, denn ,du bestiegest des Vaters Lager,- des Raubes Gerät ihr Trachten, in ihren Kreis komme meine Seele nicht, und zu ihrer Schar geselle sich nicht mein Trachten". Der Sinn ist klar. Bei diesem Segen Mosches ist zum erstenmal keine Einschränkung und keine Ausnahme, darum ist er der wertvollste Segen. Dasselbe wird von einem anderen Gesichtspunkte her erneut begründet, denn es liegt in der Logik der Gedanken, daß Mosche, dem Träger des Volkes, Geltung über alle andern hinaus, selbst über die Väter zuerkannt wird. Beidemal ist der äußere Anknüpfungspunkt der Vers aus den Sprüchen (31, 29) „viel Töchter haben wakker sich erwiesen, du aber übertriffst sie alle", wobei „Töchter" im Sinne von „Kinder=Menschen" genommen wird. Da-' mit ist Mosche gemeint, der über alle Menschen hinausragte. Adam, der erste Mensch, sprach zu ihm: Ich bin größer als du, denn ich ward unmittelbar im Ebenbilde Gottes erschaffen,- Mosche erwiderte ihm darauf: Diese Ehre ward dir aber wieder genommen, denn so steht geschrieben (Ps. 49. 13) „Adam, im Glänze bleibt er nicht", aber von dem Glanz, der mir verliehen ward, steht geschrieben (5. M. 34, 7) „das Auge war nicht trübe geworden und die Frische nicht geschwunden". Noach sprach zu Mosche: Ich bin größer als du, denn ich ward der, der aus dem Geschlecht der Flut als einziger .Rettung fand. Mosche erwiderte ihm: Du hat dich selbst errettet, jedoch du hattest nicht Kraft in dir, dein Geschlecht zu retten, aber ich stand für Israel ein, bis (2. M. 32, 14) „ER sich bedachte ob des Unheils, das er geredet hätte, seinem Volke zu tun"; wir sind zu vergleichen zwei Schiffen,

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