Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 1 (10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I Oktober 1938 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Seite 7 Dr. iur. Hugo Hoff mann«Ä&L Versicherungen aller Art die ins Meer hinausfuhren,- bei dem einen rettete der Kapitän sich selbst, aber nichi sein Schiff, beim aridem sich und das Schiff. Abraham sprach zu Mosche: Ich bin größer als du, denn ich gab den Wanderern Speis und Trank. Darauf Mosche: Du speistest Götzendiener, ich aber Gläubige, du tatest es im bewohnten Land, wo alles in Fülle zur Hand ist, ich . aber in der Wüste. Jizchak sprach zu Mosche: Ich bin größer als du, denn ich streckte meinen Hals hin auf dem Altar und sah die Gegenwart Gottes; Mosche erwiderte ihm: Du sähest Gottes Gegenwart, und deine Augen wurden trübe davon,- ich sprach mit ihm von Angesicht zu Angesicht und meine Augen wurden nicht trübe. Jaakow sprach zu Mosche.- Ich bin größer als du, denn ich begegnete dem Engel und besiegle ihn,- darauf Mosche-. Du begegnetest dem Engel in deinem eigenen Bezirk, ich aber stieg empor zu ihnen in ihren Bereich, und sie hatten Furcht vor mir." - Der Midrasch spielt hier auf die Legende an, daß Mosche die Tora! aus dem Himmel herabholte trotz dem Widerstand der Engel, j die sie für sich behalten und nicht den Menschen lassen wollten. Abgesehen von der bereits angegebenen Tendenz des Ganzen ist das Einzelne bemerkenswert. Das legendäre Zwiegespräch — man beachte wiederum, wie hier alle mit allen in einer steten Gegenwart leben - wird wiedergegeben, damit man aus dem, was dem Einzelnen nachträglich vorgeworfen wird, so weil es möglich ist, für sich selbst eine Lehre zieht. Ordnung im Wünschen Der Segen beginnt mit dem Worte (32, 2) „ER kam vom Sinai her".. Man dürfte sofort fragen: das hat doch mit dem Segen, den Mosche spendet, nichts zu tun? Unser Lehrer Mosche begann nicht mit den Bedürfnissen Israels, sondern mit dem Preis Gottes, danach erst' sprach er von Israel und schloß dann wieder mit dem Preis Gottes (32, 26) „Keiner ist .wie der Gott Jeschuruns". So auch Dawid, er begann mit dem Preis Gottes (Ps. 149, i) „singet IHM einen neuen Sang", dann erst (V. 4) „Huld zeigt ER seinem Volke", und er schließt dann wieder mit dem Preis Gottes (V. 6) „Gottes i Hochruhm ist in ihren Kehlen". Desgleichen Schlomo in seinem Gebet zur Einweihung des Tempels. Er begann (1. Kge. 8, 23) „Wahrer des Bundes und der Liebe Deinen Knechten, die mit ihrem ganzen Herzen vor Dir wandeln"; dann (V. 37) spricht er erst von Israel, „wenn Hunger im Lande sein wird", und er schließt (2. Chr. 6, 41) „auf Du zu Deiner Walstatt". So taten auch unsere Weisen, als sie das Gebet der achtzehn Lobpreisungen ordneten,- sie begannen mit „mächtiger, erhabener Gott, Du lösets die Gefesselten, heilig bist Du und erhaben Dein Name", dann erst ließen sie die/ eigenen Bedürfnisse beten und zum Schluß „wir bekennen vor Dir". - Das ist niqht nur eine Sache der Stiführung, dahinter birgt sich mehr. Birgt sich der Hinweis darauf, daß man, auch im Gebet, sich nicnt in den Mittelpunkt stellen darf, daß das Allgemeine die Hauptsache ist und der Einzelne nur in seiner Beziehung auf das Allgemeine ein Recht hat. Es ist eine Anleitung zur Bescheidenheit und eine Belehrung, sich nicht allzu wichtig zu nehmen. Die Gemeinde - das Erbe In der Ueberleitung zum Segen steht der Satz (V. 4) „Tora hat uns Mosche geboten, Erbgut ist die Gemeinde Jaakows". Es isl nützlich darauf hinzuweisen, daß man nicht das Recht hat, zu übersetzen, wie es oft geschah, „sie (die Tora) ist das Erbgut der Gemeinde". Das hebräische Wort heißt morascha nur wenn die verbundene Form gestanden hätte, die entweder moraschat oder moreschet heißen müßte - sie ist nicht belegt -, hätte man so übersetzen dürfen. Da aber morascha in der unverbundenen Form steht, ist der Sinn: die Gemeinde als. solche ist das ewige Erbe. Welch fruchtbarer, heute wieder lebendige Gedanke! Der Ausschließlichkeit, die in dem Worte unter Umständen gefunden werden könnte, setzt der Midrasch die folgende Bemerkung: „Rabbi Meir sagte: Woher weiß ich, daß der Heide, der sich mit der Tora beschäftigt, dem Hohepriester gleich an Wert ist? Es heißt (3. M. 18, 5): „Beobachtet meine Gesetze und Vorschriften, nach denen der Mensch tun soll, daß er durch sie lebe". „Es heißt nicht, daß Priester oder Lewiten oder Israeliten durch sie leben, sondern der Mensch, jeder Mensch. Tora und Priesierrum in ihrer Unbedingiheit Zu dem gleichen Satz lautet eine Bemerkung.- „Drei Dinge sind unter Bedingung gegeben worden. Erez Israel, das Heiligtum auf Zion, das Königtum des Hauses Dawid,- aber die Tora und der Bund mit Aharon sind nicht unter Bedingung gegeben. Erez Israel - denn es heißt (5. M. 11, 77) „Hütet euch, daß ihr nicht abfallt und fremden Göttern dienet . . . sonst wird sein Zorn wider euch entbrennen, und ihr werdet rasch verschwinden von dem guten Lande, das ER euch gibt." Das Heiligtum - denn es heißt (1. Kge. 9, 6. 8) „werdet ihr euch aber abwenden von mir, ihr und eure Kinder und meine Gebote und Satzungen, die ich euch vorgelegt habe, nicht wahren . so will ich dieses Haus aus meinem Angesicht jagen . . . und zuoberst wird es dies Haus sein, jeder der daran vorbeigehen wird,, wird erstarren und zischen". Das Königtum des Hauses Dawid - denn so heißt es (Ps. 89, 31, 33) „wenn seine Söhne meine Lehre verlassen werden und nicht in meinen Vorschriften wandeln werden . . . so will ich mit der Rute ahnden ihren Abfall". Woher aber weiß man, daß die Tora nicht unter Bedingung gegeben ist? Denn es heißt (5. M. 38, 4) „Tora hat uns Mosche geboten", schlechthin, ohne Zusatz. Und der Bund mit Aharon — denn es heißt (4. M. 18, 19) „alle Hebegaben der Weihegaben, gebe ich dir als ewige Festsetzung, ein ewiger Bund des Salzes. „Wer Unseren Kunden und Freunden alle guten Wünsche zu den Feiertagen. DIE ANZEIGEN-VERWALTUNG mit der Tora sich befaßt, erwirbt das Erbe Jaakows, denn es heißt „Erbgut ist die Gemeinde Jaakows". — „Das Ganze ist gesagt, um zu unterstreichen, daß Tora und Priesierrum, auch in allem Abfall nicht verloren gehen und in jeglichem Geschlecht wieder aufleben können, weil sie nicht wie die andern drei von äußeren politischen Dingen abhängen, sondern innerlich begründet sind. Letzter, höchster Liebesdienst Auf den Segen folgt der Abschnitt, der von Mosches Hinscheiden berichtet. In ihm steht der Satz : Wajikbor oto, wir übersetzen : man begrub ihn ,- das Subjekt fehlt, es ist nicht gesagt, wer ihn begrub. Die Legende bemächtigte sich dessen und ließ Gott selbst ihm diesen Liebesdienst erweisen. Und nun taucht eine Frage auf : „Wodurch erwarb Mosche sich das Verdienst, daß der Heilige, gelobt sei er, sich mit seiner Grablegung - befaßte?" Man möchte meinen, nun käme als Antwort der Hinweis auf all das, was Mosche als Gesetzgeber und als Volksgründer für Israel getan hat, aber nein: „In der Stunde, da ganz Israel mit der Beute beschäftigt war, durchmaß er die Stadt nach allen Richtungen drei Tage und drei Nächte, um den Sarg mit den Gebeinen Josefs zu finden, und als er ihn durch ein Wurtder endlich geborgen hatte, lud er ihn sich auf die Schulter und trug ihn, und Israel folgte ihm nach, beladen mit ihrem Silber und ihrem Gold. Da sprach zu ihm der Heilige, gelobt sei er : Wenn es in deinen Augen eine geringfügige Sache ist, daß du Liebe erwiesen hast, in meinen Augen ist es groß, daß du nicht auf Silber und Gold geachtet hast, und darum werde ich einst in meiner Herrlichkeit selbst hinuntersteigen und an dir Liebe üben, wenn du einst abscheidest von der Welt." - Dankbare Pietät und Liebe sind die wirklichen und schützenden Begleiter eines Auszuges, Hab und Gut stehen erst in. zweiter Linie. Die modernen LUNCHEON- und DINNER-SETS DAVID <& MOBYER GOETHE-STRASSE 20