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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-04-01 · 7 (4.1938) · p. Seite 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
7 (4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 7 April 1938 ^SOFIE ROSSBACH früher Leiterin bei Gerstel KAJ5ER5TR. 25 (Laden) zeigt die neue Kollektion für Frühjahr und Sommer Damenhüteu. Kleider^ lür Sport, Nachmittag und Abend J DAS SCHRIFTWORT Seele und Leib Von Max Dienemann Wenn die biblischen Vorschriften über den Aussätzigen dem Verständnis näher gebracht werden sollen, können die alten Erklärer in der Herstellung eines Zusammenhanges zwischen dieser Erkrankung und sittlichen Mängeln sich nicht genug tun. Ist aber das Thema einmal angeschlagen, so wird, es auch weiter geführt und im Großen ein , Zusammenhang zwischen Schicksal und eigener Tat begründet. Das geschieht z. B. in einer groß angelegten und weithin abschweifenden Bemerkung zu dem Bibelvers (3. M. 14, 2) „dies sei die Weisung von dem Aussätzigen". Unieinheit der Seele macht den Leib krank. Das Wort wird in Verbindung gebracht mit den Versen aus den Sprüchen (6, 16—19) „Sechs sind es, die ER haßt, sieben sind seiner Seele ein Greuel: hochfahrende Augen, Lügenzunge, Hände, die unschuldig Blut vergießen, ein Herz, das Unheilpläne schmiedet, Füße, die eilends zulaufen zum Bösen, wer Lügen einbläst als Truges Zeuge und wer Hader entfacht zwischen Brüdern". Dazu sagt Rabbi Jochanan: und sie alle werden mit Aussatz gestraft. Woher weiß man das bei der Sünde der hochfahre n d en Augen? Von den Töchtern Zions. Von ihnen heißt es (Jeschaj. 3, 16) „weil hochmütig sind die Töchter Zions und einhergehen .mit gerecktem Hals und geschminkten Augen, einhergehen trippelnden Ganges und mit ihren Füßen klirren, wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions vergrinden". Sie gingen einher und reckten sich hoch auf und streckten den Hals empor, und jegliche legte ihren Schmuck an und reckte den Hals, um ihren Schmuck zu zeigen, sie schminkten die Augen mit Schminke und roter Farbe. Trippelnd gingen sie einher, wenn eine groß gewachsen war, so holte sie sich zwei Kurzgewachsene heran, eine rechts, eine links, damit sie noch größer aussehe, und war eine kleinen Wuchses, so holte sie sich zwei heran, die noch kleiner waren, und sie legte sich unter ihre Füße dicke Rindenschuhe, damit sie groß erscheine. Und was heißt das, sie klirrten mit den Füßen? Sie machten sich ein Drachenbild an ihre Schuhe,- andere sagen, sie nahmen sich den Kropf eines Hahnes, füllten ihn mit Balsam und legten ihn in den Schuh unter die Ferse, und wenn eine eine Gruppe Jünglinge sah, so trat sie fest darauf auf, und der Geruch strömte aus und verbreitete sich wie das Gift einer Natter (das Wort Natter und das Wort klirren haben im Hebräischen den gleichen Stamm CCJ? )• Der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Jeschaj a, was tun die da hier? sie sollen in die Verbannung gehen. Jeschaj a sagte zu ihnen: kehret um von eurem Wandel, ehe die Feinde über euch kommen. Sie sagten, und wenn schon die Feinde über uns kommen, was können sie uns anhaben? So heißt' es dann auch (Jesch. 5, 19) „sie sprechen, er mag's schnell bringen und beschleunigen sein Werk, damit wir's. sehen". Ein Fürst wird mich sehen und mich zu sich nehmen, ein Präfekt wird mich sehen und zu sich nehmen, ein Hauptmann wird mich sehen und mich zu sich in den Wagen nehmen (Jeschaj. 5, 19) „es nahe doch und komme der Ratschlag des Heiligen Israels, daß wir's erfahren", d. h., daß wir erfahren, wessen Rat bestehen bleibt, unser oder seiner. Als die Sünden groß wurden, kamen die Feinde, sie aber schmückten sich und traten ihnen entgegen wie Dirnen, Fürsten kamen und nahmen sie zu sich, Präfekten nahmen sie zu sich, Hauptleute hoben sie in ihren Wagen, da sprach der Heilige, gelobt sei er, soll mein Ratschluß nicht bestehen sondern ihrer? Was tat er? Er vergrindete den Scheitel der Töchter Zions. Rabbi Eleasar sagte, er schlug sie mit Aussatz, Rabbi Jose ben Chanlna sagte, er ließ auf ihrem Haupt ganze Familien von Ungeziefer entstehen, Rabbi Chi ja ber Abba Versicherungen sind Ver4rauehssache! HANS GRÜNE BAUM VERSICHERUNGEN ALLER ABT HOHENZCLLFRN-STSA^E 12 TEL 3H136-70361 sagte, er machte sie zu gefesselten Sklavinnen. - Alle drei benutzten zu ihrer Auslegung die Aehnlichkeit der Worte, Jeschajahu sagte: wessipach, Aussatz heißt ssapachat, Familie mischpacha, Magd schifcha, alles lautlich zusammenklingend. — Woher weiß man, daß Lügenzunge Aussatz bringt? Von Mirjam, so heißt es (4. M. 12, 1) „Mirjam redete wider Mosche" und sofort darauf (V. 10) „Mirjam ward aussätzig". Woher von den Händen, die unschuldig Blut vergießen? Von Joab, so heißt es (1. Kg. 2, 32) „ER vergalt ihm seine Blutschuld auf sein Haupt" und ferner (2. Schmuel 3, 29) „nicht möge ausgehen im Hause Joabs, was an Fluß leidet und Aussatz". Woher von dem Herz, das Unheilpläne'schmiedet? Von Usija, der für sich das Hohepriesteramt erbeuten wollte und von dem es dann heißt (2 Kap. 15, 5) „ER schlug den König, und er wurde aussätzig, bis er starb". Von den Füßen, die zum Bösen zulaufen und dem, der Lügen einbläst, weiß man's von Gechazi, dem Diener Elischas, der dem syrischen Feldherrn nachrannte und ihm vorlog, daß Elischa für seinen Rat nachträglich einen Lohn erbitte (2. Kg. 5); von ihm heißt es (5, 27) „der Aussatz Naemanns hafte nunmehr an dir". Und was das Entstehen von Hader zwischen Brüdern anlangt, so ist der Beweis erbracht am Beispiel Pharaos, der durch sein Verhalten Hader anfachte zwischen Abraham und Sara, und alsbald heißt es (1. M. 12, 17) „ER schlug den Pharao mit schweren Schlägen", womit gemeint ist, daß er aussätzig wurde. - So in seinem Zusammenhang das ganze Midraschstück. Sinn und Gedankengang sind klar.- sittliche Mängel sind der Grund jener grauenhaften Erkrankung des Leibes. Leben und Gesundheit sind von der Reinheit der Seele abhängig. Dem gleichen Gedankengang ist die folgende Legende gewidmet. Wie erringt man Leben? Ein Krämer zog umher in den Städten nahe Sepphoris und rief aus : wer will eine Medizin kaufen, die Leben verbürgt? Alle horchten auf. Rabbi Janai saß in seinem Gemach und lernte, er hörte den Ausrufer und sprach zu ihm: komm her und verkaufe mir. Der erwiderte: du und deinesgleichen bedürfen meiner Medizin nicht. Der Rabbi ließ ihn nun erst recht zu sich kommen, da nahm jener das Buch der Preisungen heraus und zeigte ihm den Vers (34, 13) „wer ist der Mann, der Leben begehrt? . . . wahre deine Zunge vor dem Bösen und deine Lippen vor Truges Rede". Rabbi Janai fuhr seinerseits fort und .sagte : auch Schelomo hat das Gleiche verkündet'und gesagt (Spr. 21, 23) „wer Mund und Zunge wahrt, der wahrt vor Nöten seine Seele". Und er sagte ferner: mein Lebtag las ich den Vers und wußte nicht wohin er zielt, bis dieser Krämer mir kundtat, daß er zu dem Vers : wer ist der Mann, der Leben begehrt? innerlich gehört. Darum warnte Mosche Israel ünd sprach zu ihm : „dies ist die Weisung des Aussätzigen, d. h. die Weisung dessen, der üble Nachrede aufbringt". Neben Goit kein Raum. Eine noch schärfere Wendung wird diesem Gedanken von Rabbi Chisda gegeben. Er sagte : es heißt (Ps. 121, 5) „wer insgeheim seinen Genossen beredet,' ihn tilge ich aus,- wer hochfahrender Augen ist und geschwollenen Herzens, ihn ertrag ich nicht". Lies nicht aussau „ihn" sondern ittau „mit ihm" kann ich nicht bleiben. Der Heilige, gelobt sei er, sagt: wer Verleumdung erzählt, ich und er körinen nicht zusammen in der Welt sein". - Das ist nun die schärfste Aussage : für den Verleumder ist neben Gott kein Platz auf der Welt. Während doch sonst jedes Verbrechen durch Buße getilgt werden kann und Gottes Gnade keine Grenzen kennt, ist hier gleichsam der Gnade und der Verzeihung eine Grenze gesetzt. Die üble Nachrede wird zur unsühnbaren Sünde, außerhalb des Bereiches der Wiedergutmachung gestellt. Wie müssen die gelitten haben, die diese Sünde aus der Unendlichkeit des göttlichen Erbarmens herausnahmen und sie mit der schrecklichsten unheilbaren Krankheit in Verbindung brachten!

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