Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 6 (3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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Seite 23 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 6 März 1938 Der Jugendliche, und seine Entscheidung Der jüdische Jugendliche von heute steht beieits in frühem Älter in der Entscheidung. Entscheidungen lassen sich aber nur auf Grund von Erfahrung und Erkenntnisfähigkeit fällen. Beides fehlt dem Jugendlichen von etwa 14 bis 16 Jahren. Gilt es, ihm nun die Entscheidung abzunehmen und tun welchen Preis? Das Elternhaus ist gezwungen, dies aus wirtschaftlichen Gründen oft zu tun. Auch unterliegt der Jugendliche oft zu leicht der Furcht vor der Entscheidung; er will nur zufassen. Der Bund aber verlangt eine Entscheidung, heute eine besonders unbequeme. Er versucht, dem irrenden Jugendlichen zu einer zielbewußten Entscheidung zu verhelfen. Darin liegt ein entscheidender Wert für eine echte Bewegung, die sich nicht nach Konjunktur und Krise ausrichtet, Dieser Weg ist immer noch vielen jungen Menschen möglich, es sei denn, sie versperrten sich von vornherein den Bünden gegenüber. Jugendpflege und Jugendbewegung Friedländer bringt am Schluß seines Artikels den Gegenvorschlag der Verstärkung der jugendpflegerischen Tätigkeit, die das „bündische Erbe" antreten soll. Bund und Jugendpflege waren stets zwei ganz verschiedene Größen. Die Jugendpflege kann niemals ein vollwertiger Ersatz für die Jugendbewegung sein. Seit jeher gibt es eine Schicht von bündisch Nicht-Erfaßbaren, von denen ein Teil den jüdischen Instanzen zur Last fällt. Die Bünde haben niemals die Notwendigkeit der jugendpflegerischen Arbeit bestritten, aber sie wollen den jungen Menschen nicht durch eine Instanz in seiner Freizeit betreuen, sondern ihm mit ihrer ganzen Lebensweise ein Vorbild geben. Hier gehl es um anderes als in der Jugendpflege, und hier haben die Bünde noch immer eine schwere, aber doch lohnende Arbeit zu leisten. Man sollte nicht vergessen, daß trotz der ungünstigen Verhältnisse, die unser Leben einengen, die Bünde entschlossen sind, nicht „das Ende zu drängen", sondern auch weiter dem jüdischen Jugendlichen einen festen Halt und eine , kjare Zielrichtung zu geben. Helmut Jacobus Klaus Oliven »«•j-H Sprachkurse des Betar Iwrith für A*n f änger : Donnerstags von 20 - 21 Uhr, Jugendheim, Eschersheimer Landstraße 65. Leiter: Lehrer Jacob H e i m a n n. Beginn: 3. März. Englisch für Anfänger: Donnerstags von 21 — 22.30/Uhr, Jugendheim..Beginn: 3. März. Anmeldung: Jugendheim, Zimmer 6. M i s d a r : Am 19. März 1938, 20 Uhr, findet ein öffentlicher Misdar unseres Quen statt. Ort: Aula des Philanihro- SPORTHEMD1M OBIRHEMOIN NACHTHEMDIN SCHLAFANZÜGE An die Kinder und Jugendlichen der Westendsynagoge! Wir wollen dieses Jahr die Purim-Feier unserer Synagoge so gestalten, wie Ihr es schon von anderen Feiern in früheren Jahren gewohnt seid; wir wollen uns freuen dadurch, daß wir anderen Freude bereiten. Gerada zu Purim ist es der rechte Zeitpunkt, andere zu erfreuen, da für diesen Tag geboten ist: „lischloach monaus", Geschenke zu machen. Während wir früher nur Obst brachten, damit es anderen Kindern weiter geschenkt werde, wollen wir zu diesem Purim-Tag alles das bringen, womit wir glauben, andere erfreuen zu können. Ihr selbst könnt am leichtesten ausfindig machen, was das sein kann, wenn Ihr Euch nur recht überlegt, worüber Ihr Euch am meisten freut: irgend ein Kleidungsstück, Spielzeug oder sonst etwas. Nun müßt Ihr mich in einem richtig verstehen: es kommt wirklich nicht darauf an, daß Ihr Euren Eltern recht große Unkosten bereitet; auf der anderen Seite sollt Ihr natürlich arideren nichts schenken wollen, was Ihr selbst nicht mehr ge-' brauchen könnt. Ihr werdet mit Euren Ellern zusammen schön die rechte Mitte finden; — Am Mittwoch, 16. März, V71li Uhrversammeln wir uns dann mit unseren Gaben im Trausaal um die Geschenke im Feierzuge in die Synagoge zum Beginn des Gottesdienstes zu tragen: Kommt und helft erfreuen! Rabbiner Dr. Heinrich Lemle. Immer nur ZEIL 9 Tel. 27641 Der jüdische Sport in Frankfurt Beispielhafte Gemeinschaiisleisiung Die Sportschau des „Schild" Frankfurt im Saalbau war wieder ein Meisterstück organisatorischer und sporitechnischer Leistung. Vor 1600 Zuschauern wurden in drei Stunden 24 Darbietungen aus nicht weniger als 12 verschiedenen Sportgebieten in Schau- und Spitzenleistungen gezeigt! Alles mußte eine bühnengemäße Form erhalten, und diese schwere Aufgabe wurde mit großem Geschick bewältigt. Schlag auf Schlag und ganz exakt kam jede Vorführung. Zur Eröffnung sprach ein Aktiver einen Prolog von Alfred Auerbach, der die aktuelle Bedeutung des Sports für die jüdische Jugend kennzeichnete. An der Schwebekante zeigten erst die Kleinsten, wie man ihnen Gewandtheit anerzieht. Jungen stellen Leiterpyramiden; Geistesgegenwart wurde im Springen vom Federbrett offenbar. Mädchen vereinten am Barren gute Haltung mit solidem Turnen,• Damen machten schwierige Uebungen an Hochbarren und Pferd. Die guten Leistungen der Aktiven am Hochreck überraschten. Bei der Vielfalt der turnerischen Ausbildung in einem Großverein wie dem „Schild" gehört auch die Gymnastik zu den wichtigen Aufgaben. Mit einfachsten Stabübungen beginnend, über die schwierige Ballgymnastik hinweg, führten die Darbietungen zur exakten und formschönen Sprunggymnasiik, zur tänzerischen Gymnastik („Schiffsjungen") und zu vollendeter Körperbeherrschung als Akrobatik. Im Einradfahren, Dreier-Kunstfahren, Damenreigen und Sechser-Kunstreigen wurde Mannschafts¬ und Gemeinschaftsgeist deutlich. Die Darstellung des Rasensports und der Leichtathletik zeigte originelle Form: nach Ideen von Maler H. Lismann wurden lebende Bilder aus Kampfsituationen gestellt, die in der Harmonie ihrer Komposition fesselten. Acht Fechter und Fechterinnen warben in ihrem schmucken Dreß für ihren Sport. Die Wintersportler zeigten Trockenski-Vorführungen. Im Boxen gab es einen spannenden Schaukampf des Frankfurter Reichsmeisters Langmann mit dem westdeutschen Meister Waldhorn (Dortmund). Der Grundgedanke des Judo wurde durch Verteidigungsgriffe klargemacht; schließlich führten der Reichsmeister Grünewald und sein unbesiegter Rivale Gutheim einen finessereichen Schaukampf vor. Die Kapelle Horwilz- Eger begleitete trefflich alle Darbietungen. Der schönste Eindruck von dieser mustergültigen Sportschau war die Anonymität der „Akteure". Niemand trat mit seinem Namen hervor, alles galt der* Gemeinschaftsleistung, die für den jüdischen Sport werben sollte. L. W-s.