Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 6 (3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 22 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 6 März 1938 Glaserei Clemens Kahn i»kus<iMk»«f. tn t- «fMni ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Wechneigrabcnstr. 10 T. 20141 Gegr. 1877 Austümrung aller Glaserarbeiten wie: Reparaturen von Fensterscheiben. Verkittuugen, Instandsetzung von Glasdächern, Einrahmungen, Autoschelben. Sterbefälle: Lina Goldschmidt geb. Leiser, Breitegasse 29, 48 J. - Julie Ettlinger geb. Gutmann, Eschersheimerlandslrasse 140, 62 J. - Hugo Schiff, Hainerhof la, 44 J. - Julius Kann, Mittelweg 16, 78 J. - Helene Zernes geb. Wersansky, Rechneigrabenstrasse 18, 67 J. - Jette Stein geb. Trank, Schwindstrasse 22 , 79 J. - Willi Lob, Berlin, 45 J. - lulius Leopold Sündermann,' Freiherr vom Steinstrasse 29, 67 J. - Mathilde Bravmann geb. Fleischmann, Bruchsal, 59 J. - Hulda Gans geb. Spiegel, Hermes weg 14, 64 J. - Rudolf Pieck, Bad Soden, 33 J. - Josef Oppenheimer, Unterer Atzemer 7, 65 J. - Clothilde Op penheimei geb. Grünsfelder, Ffm.-Höchst, 70 J. - Rachel Heu mann geb. Steppel, Ostendstrasse 33, 63 J. - Paula Rothschild geb. Stein, Reichensachsen, 51 J. - Hermann Strauß, Niersteinerstraße 11, 81 J. — Ida Mayer geb. Salomon, Zeil 92, 79 J. - Zeno Vogel, Offenbach, 50 J. - Isaak Strauß, Corneliusstrasse 22, 90 J. — Max Heinrich Schlesinger, Musikantenweg 35, 61 J. - David Baum, Theobald Chrisistrasse 27, 67 J. - Moses Pappenheimer, Bergerstrasse 86, 75 J. - SPORT-HESS Am Schauspielhaus 2-4, Tel. 29335 SPORT-ARTIKEL SPORT -KLEIDUNG Auswandererbedarf MOSKITONETZE etc. Ende des redaktionellen Teils Abgeschlossen am 25. Februar 1938. Die nächste Nummer erscheint am 8. April 1938. Annahmeschluß für redaktionelle Beiträge und Anzeigen 1. April 1938. Geschäftliche Mitteilungen Jubiläum der Konzertdirektion-Koch Am 8. März besteht die Konzertdirektion Hermann Koch, Frankfurt a. Mv 25 Jahre; zugleich feiert ihr Leiter den 60. Geburtstag. Zahlreichen Künstlern, die heute zu den hervorragenden im In- und Ausland zählen, hat die Konzerldirektiön Koch den Weg bahnen helfen,- zu erwähnen sind: Joseph Schwarz, Alexander Kipnis, Wilhelm Guttmann, Paula Lindberg (Salomon), Josef Schmidt, Carl Flesch, Arthur Schnabel, Ludwig Rottenberg, Manfred Lewandowski, Selma Kurz, Ottilie Metzger-Lallermann, Irene Triesch, Tilla Durieux, Max Pallenberg, Fritzi Massary, Dela Lipinskaja, Lilly Flohr, TaK jana Barbakoff, Geschwister Wiesenthal, die „Habima", ferner Ludwig Fulda, Ludwig Hardt u. a. m. Geschäftsjubiläum Die bekannte Firma des Malermeisters Gustav Fries em, Baudekorationsgeschäft in Frankfurt am Main, Bäckerweg 28, besteht am 1. März 25 Jahre. (S. auch Anzeigenteil). Jugend und Gemeinde Das Ende der Bünde ' Eine Erwiderung In der Zeitschrift „Der Morgen" gab unlängst Günter Friedländer in einem Aufsatz „Das Ende der Bünde" eine Analyse der bündischen Situation. Er kam zu dem Ergebnis, daß das Ende der Bünde gekommen sei und einerseits die Jugendpflege und die Schulen, andererseits die Sportorganisationen berufen seien, das Erbe der jüdischen Jugendbewegung anzutreten. In der genannten Zeitschrift. erfolgte eine Aussprache über dieses Thema. Aus Kreisen der Frankfurter zionistischen Jugend gehen uns folgende Ausführungen zu, denen wir als Diskussionsbeitrag Raum geben. Ideal und Wirklichkeit Der Verfasser des Aufsatzes „Das Ende der Bünde" klagt die jüdische Jugendbewegung und ihre Entwicklung an, um aus dieser Anklage und seinem Beweis ihres Versagens den Untergang der Bünde zu proklamieren. Es ist zu fragen, ob die Anklage zutrifft und das Urteil berechtigt erscheint. Friedländer vergleicht die deutsche und die jüdische Jugendbewegung und stellt bei beiden die gleichen " Erscheinungen däs Niederganges fest. Die deutsche Jugendbewegung, die sich als Selbstzweck betrachtete, war zum Scheitern verurteilt in dem Augenblick, da sie sich mit der Wirklichkeit zu konfrontieren hatte. Inwieweit traf dieses auch für die jüdische Jugendbewegung zu? Die zionistische Jugendbewegung war nicht nur nicht gezwungen, ihre Ideologie einer Revision zu unterziehen, sondern, war im Gegenteil in der Lage, ihre Tore weit zu öffnen für alle, die bereit waren, aus den Ereignissen zu lernen und den Willen hatten, sich aktiv in die Bewegung einzuordnen, die glaubt, objektiv und subjektiv die richtige Lösung für die Not der jüdischen Jugendlichen zu geben. Die zionistische Jugendbewegung scheiterte nicht.an der Diskrepanz zwischen „Ideal und Wirklichkeit", sondern sie gelangte im Gegenteil zu Krankenversicherungen ■sowie V^slcberupgen j^er Art empfiehlt yoiteilhaft Max Mansbach B üderGrimmsr 7 Telefon 47277 ' ihrer vollen Entfaltung, als sich ihr die Möglichkeit bot, ihre Vorstellungen weitgehend in die Tat umzusetzen. Bewährung Wie sah nun die Bewährung der Richtungen innerhalb der jüdischen Jugendbewegung in der Praxis aus? Der Versuch einer Lösung wurde von einem Kreis Jugendlicher unternommen, der die nunmehr verlorenen Bindungen an die Heimat und ihren Kulturkreis über die Zeit hinweg „bewahren" wollte. So verständlich dieses Beginnen auch erscheinen mochte, so unmöglich blieb es doch, den Menschen eine Richtung zu geben. Es liegt uns fern, diesen Versuch nachträglich zum Tode zu verurteilen. Friedländer, aber scheint der Versuchung nicht immer entgangen zu sein, von dem auch innerlich notwendigen Ende eines Bundes auf das Ende der Bünde zu schließen. Betrachten wir nun die zionistische Jugendbewegung. Sie hielt der Spannung zwischen der Reinhaltung des Inhalts und dem. Wirken im Alltag stand. Wir wollen hier nicht, die Einrichtungen und Institutionen aufzählen, die in gemeinsamer Arbeit von den Bünden aufgebaut wurden. Man ist heute geneigt, diese Dinge als Selbstverständlichkeit anzusehen, und vergißt, unter welchen Schwierigkeiten sie in täglicher Kleinarbeit geschaffen wurden! Sei es nun die Jugendalijah oder Mittleren-Hachscharah, sei es die Jugend-Alijahschule oder das Beth*Sefer Iwri Lanoar,- sie alle bilden Realitäten,, über die man sich nicht hinwegsetzen kann. Aber nicht nur organisatorisch ist viel erreicht worden, sondern auch auf geistigem Gebiet. Vor allem die Bünde waren es, die dem Jugendlichen, der aus der Schulbildung herausgerissen wurde, in die Berufsausbildung kam und auch von dem mit schweren Sorgen belasteten Elternhaus meist keine Anregungen erhielt, geistige Werte vermittelt haben und ihn zum Nachdenken und zur Beschäftigung mit kulturellen Dingen anhielten. Dennoch sind die Bünde niemals zu einem Zweckverband zur Erlangung von Zertifikaten herabgesunken, ebensowenig wie ihre Bildungsarbeit zum. Selbstzweck wurde. All dies geschah nur im Hinblick, auf die Erfüllung ihrer Weltanschauung, deren Bestandfeile die oben erwähnten Bereiche ausmachten.