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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-03-01 · 6 (3.1938) · p. Seite 24

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
6 (3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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Seite 24 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 6 März 1938 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN iniHtiiiinimnfiHUimiininimBBiaaiiTuuiiiiiunniiiiLtiiEiiHinrimiiiini ÜÜ»ZEIL85 2H£ Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer. Frankfurt a. M„ Schumannstr. 9 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN 5üH£ZEIL SS"«"* Vor der Schulentlassung Die Monate vor der Schulentlassung sind — oder sollten es sein — auch heute für Eltern und Kinder eine Zeit ernstester Besinnung. Aber Jn einer Zeit, in der die meisten von uns selbst irgendwie „vor der Schulentlassung" stehen, in einem Zeitpunkt, da wir selbst nicht wissen, wohin das Leben uns verschlagen, was es mit uns vorhaben wird, ist die Gefahr sehr groß, daß manche Eltern diesen Entscheidungen nicht die rechte Wichtigkeit beimessen. Gewiß, die Ausbildungsmöglichkeiten sind für unsere Kinder auf ein Minimum beschränkt, handwerkliche Lehrstellen gibt es nur vereinzelt, die Lehrwerkstätten können nur eine begrenzte Zahl von Jugendlichen aufnehmen, und die geringen Ausbildungsmöglichkeiten setzen auch finanziell leistungsfähige Eltern voraus. Bestimmt werden heute alle Eltern mehr denn je geneigt sein, die letzten Reserven für die Ausbildung der Kinder zu opfern, weil wir ihnen neben der guten Kinderstube nichts als eine "zum Teil auf charakterlicher Schulung, zum Teil auf guter fachlicher Ausbildung beruhende Lebenstüchtigkeit in die Welt mitgeben können. Aber selbst die größte wirtschaftliche Kraflansirengung - die Ausbildung in fremden Sprachen sollte auf keinen Fall versäumt werden — wird vielfach die fachliche Erlernung eines Berufes nicht ermöglichen. Das gilt besonders für unsere Mädchen, bei denen zwischen Schulentlassung und der eigentlichen Berufsausbildung vielfach Jahre liegen, die auszufüllen und nützlich zu verwerten die nächste und dringendste Sorge der Eltern sein muß. Die Gefahr ist außerordentlich groß, daß die Eltern, die heute so erfüllt sind mit ihren eigenen Sorgen, ihre Tochter, teils um selbst etwas entlastet zu sein, teils aus einer falschen Sentimentalität, oft aber auch, weil sie sich zu keinem Entschluß aufraffen können, im eigenen Haushalt beschäftigen wollen. Gewiß, man hat die besten Vorsätze, das Mädchen zu Hause richtig anzuleiten, ihm eine geordnete Beschäftigung zu geben. Aber wieviele Mütter haben heute zunächst einmal die Nerven, die Tochter richtig und ruhig zu unterweisen, wie es nötig ist, immer und immer wieder die Handgriffe zu zeigen und zu erklären. Erfahrungsgemäß ist es doch so, daß die Hausfrauen für fremde Mädchen viel mehr Geduld aufbringen als für die Töchter, und daß diese viel leichter und viel lieber in einem fremden Haushalt lernen: Und dann: man weiß, wie es in der Praxis geht. In den ersten Wochen nach der Schulentlassung sieht die Mutter noch strenge auf die Einhaltung des gegebenen Slunden- «lanes: die Sprach-, die Handarbeitsstunden werden pünktch genommen. Aber schon nach kurzer Zeit erlahmt die Spannkraft, um so mehr, je schwierigere Probleme, an die Eltern herantreten. Und was einigermaßen harmonisch begonnen hat, wird bald zu einer Quelle des Mißvergnügens, ohne daß die Mutter die erhoffte Entlastung findet, ohne daß - aber auch die Tochter die notwendigen Kenntnisse im Haushalt erwirbt und an straffe disziplinierte Arbelt gewöhn! wird. In den meisten Fällen wird daher die Anlernung der Tochter im eigenen Haushalt zu einer Enttäuschung für alle Beteiligten. Wird also für ein Mädchen die hauswirtschaftliche Ausbildung als notwendiger und richtiger Bildungsweg erkannt und kann es aus irgend einem Grunde nicht in einer unserer ausgezeichneten Haushaltungsschulen unterkommen, so wähle man nicht den eigenen Haushalt, sondern suche es in einem fremden Hause unterzubringen. Daß eine sorgfältige Auswahl getroffen werden muß,. ist selbstverständlich. Denn unsere Mädchen haben ja neben der fachlichen Ausbildung auch die charakterliche Erziehung, die menschliche Führung nötig, die ihnen der bestgeleitete „Bund" allein nach der Schulentlassung nicht .vermitteln kann. Hier erwächst den jüdischen Hausfrauen eine außerordentliche Verpflichtung. Sie dürfen sich nicht weigern, jene 14- und 15-jährigen Mädchen aufzunehmen, weil sie sich dieser Mühe nicht unterziehen wollen. Gewiß, die ersten Wochen erfordern unendlich viel Geduld und Nervenkraft, physische und psychische. Anspannung. Die Mädchen werden ihnen zunächst nur geringe Hilfe leisten. Aber das Bewußtsein, daß die Hausfrauen die wichtigste soziale Arbeit leisten, die heute einer Einzelpersönlichkeit möglich ist, wird sie über die ersten beschwerlichen Wochen hinüberbringen und dann wird die Hausfrau auch Entlastung durch das Mädchen finden.. Wenn jede Hausfrau bedenken wollte, daß sie ja für die eigene Tochter dasselbe Opfer verlangen könnte oder verlangen wird, dann sollte ihr der Entschluß nicht so bitter werden. Ein „Töchter aus tausch" dürfte überhaupt nicht so schwer zu organisieren sein. Wenn aber die Unterweisung der Tochter dennoch im eigenen Haushalt stattfinden muß, so suche man wenigstens die geschilderten Klippen zu umschiffen. Ein fest umrissener Arbeitsplan, in den die Freistunden und Gelegenheiten zur Fortbildung sinnvoll eingebaut werden, eine straffe energische Anleitung durch die Mutter (aber auch die allmähliche Lösung vom Gangelbande * ist ins Programm einzubeziehen!)r die Schaffung einer Atmosphäre im Haushalt, die frei von jener Abbruchsstimmung, wie sie leider heute in so vielen Familien zu finden ist, all das muß die Mutter als Lehrmeisterin ihrer Tochter beachten, soll das Experiment glücken. Wir sind ja selbst alle wieder „Lernende" geworden, ob wir nun während der Hausarbeit oder gemeinsam bei Tisch Sprachstudien machen, oder uns sonst auf bisher Ungewohntes ein- oder umstellen müssen. Vielleicht wird überhaupt dieses „Wieder in die Schule gehen" ein günstiger Boden sein, um jene mit der Schulentlassung zusammenhängenden Probleme zu lösen, die menschliche Aufgeschlossenheit und soziales Verständnis erfordern.' Dr. Henny Stahl Damen-Blusen Damen-Pullover Damen-Handschuhe Damen-Strümpfe Damen-Wäsche r Frühjahrs-Neuheiten Frankfurt a. M. / An dm MaitihaOai Reinackstr. 3 Hanauar Landatr.87 Herren-Pullover Herren-Hemden Krawatten / Socken Kinder-Pullover Kinder-Kleidchen

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