Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 4 (1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 Januar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 7 Gl-. A-A ■ ^% I Ä_______— IXä *___ Austunrung aller Qlaitrarbeiten wie: iaS6l cl wI6IT16mS l\3f1ll " Repa™««6»! ™* Fensterscheiben, Verkittungen, Instand- Pec*»neigraben«tr io t.2Q141 * *" * ' 1377 setzung von Glasdachern, Einrahmungen, Autosrh-Mben. Das Schriftwort Zur Erlösung aus Aegypten von Max Dienemann Der innere Zusammenhang jüdischen Erlebens In der Deutung der Alten spielt der Vers, mit dem die kommende Erlösung angekündigt wird (2. M. 12,2) „dieser Monat soll euch sein das Hatipt aller Monate" eine grosse Rolle. In schier unerschöpflicher Fülle streuen sie ihre Bemerkungen zu ihm hin und spinnen ihn nach allen Richtungen aus. „Das ist's, was geschrieben steht (Ps. 144,15) „selig das Volk, dessen Gott ER ist"; als der Heilige, gelobt sei er, seine Welt erwählte, setzte er in ihr den Ablauf der Monate und Jahre fest. Und als er Jaakow und seine Söhne erwählte, setzte er in ihr den Monat der Erlösung fest, in dem Israel aus Aegypten erlöst wurde, v.nd in dem es einstens erlöst werden wird, denn es heißt (Micha 7,15) „wie in den Tagen, da du aus Aegypten zogst, lass ich es Wunder schauen". In dem gleichen Monat ist Jizchak gebo- .ren worden, in ihm ward er auf den Altar gebunden, in ihm empfing Jaakow den Segen, in ihm deutete er Israel an, dass er ihnen der Anfang der Hilfe sein werde." — Was bedeutet diese Einweisung aller möglichen Ereignisse, deren Zeitpunkt sonst nirgends erwähnt ist, in denselben Monat? Damit soll der innere Zusammenhang allen Geschehens im jüdischen Schicksal zum Ausdruck kommen, dass alle Ereignisse auf einander bezogen werden müssen, auch wenn sie scheinbar ausser jedem Zusammenhang mit einander stehen. Dieser Gedanke kommt noch einmal zur Geltung in einer Bemerkung zu dem Wort (2 M. 12,42) „eine Nacht der Wahrung". „Warum nennt er sie eine Nacht der Wahrung? In ihr hat er Grosses getan an den Bewährten, wie er einst an Israel in Aegypten tat; in ihr hat er den Chiskijahu errettet, in ihr hat er Chanaja und seine Genossen errettet, in ihr hat er Daniel aus der Löwengrube errettet, und in ihr werden einst sich Elijahu und der Messias offenbaren, denn so heisst es (Jeschaj. 21,12) „Der Wächter spricht: kommt Morgen und auch Nacht"." — Hier ist der innere Zusammenhang noch bis zu den Tagen des Messias ausgedehnt. Die Unmittelbarkeit der Rettung durch G.tt Der Vers wird weiterhin in Verbindung gebracht mit dem Wort aus Micha (6,4) „ich sandte vor dir her Mosche, Aharon und Mirjam". „Das ist's, was geschrieben steht (Ps. 43,S) „schicke Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie mich leiten", damit sind Mosche und Aharon gemeint, denn es heisst (5: M. 33,8) „und über Levi sprach er: deine Wahrheit- und Lichtspender gehören deinem frommen Mannt" und ferner heisst es vom Priester (Maleachi 2,6) „Lehre der Wahrheit ist in seinem Munde". In dem Satze „ich sandte vor dir her Mosche und Aharon" ist ausgedrückt, dass Gott nicht selbst Israel erlösen wollte. Da aber sprach Mosche zu dem Heiligen, gelobt sei er: Wer bin ich? Hast Du so den Vätern die Zusicherung geformt, dass Du ihre Kinder durch einen Menschen herausführen wirst? „Wer bin ich, dass ich gehen soll und herausführen soll die Kinder Israel?" (2. M. 3. 11) Bin ich der, von dem geschrieben steht (1. M. 15,14) ich werde richten? Hast Du nicht zu Jaakow gesprochen (1. M. 46,4) „ich werde^mit dir nach Aegypten hinuntergehen und dich auch wieder von dort heraufführen", und jetzt erteilst Du mir diesen Auftrag! Antwortete ihm der Heilige, gelobt sei er: bei deinem Leben, ich werde hinabsteigen und sie erretten. Aber geht ihr zuerst und tut meinen Kindern kund,, dass ich sie erlösen werde, dann werde ich sie erretten." — Hier wird mit der Ankündigung des Erlösungsmonates die Unmittelbarkeit des göttlichen Eingreifens betont und dadurch im Grundsatz der Gedanke begründet, dass die Erlösung nie aus Menschenhand kommen kann, auch nicht im mittelbaren Wirken Gottes, dass immer ER selbst der Wirkende und Rettende ist. Gott der Strafende, Gott der Heilbringer Eine andere Deutung zu demselben Verse. „Gottes Art ist nicht wie des Menschen Art". Menschen-Art ist so: Zwei stehen vor dem König, einer ist der Ankläger, einer der Verteidiger, der Ankläger kann nicht zugleich Verteidiger, und der Verteidiger nicht zugleich Ankläger sein. Anders der Heilige, gelobt sei er, er ist zugleich Ankläger und Verteidiger. Sein Mund sprach (Jeschaj. 1,4) „wehe du sündiges Volk", und sein Mund sprach (Jeschaj. 26,2) „öffnet die Tore, dass einziehe das bewährte Volk", sein Mund sprach (Jesch. 1,4) „du sündenbeschwertes Volk", und sein Mund sprach (Jesch. 60,21) „dein Volk, alle sind sie Bewährte". Sein Mund sprach (Jesch. 1,4) „verderbende Söhne", und sein Mund sprach wiederum (Jesch. 54, 13) „alle deine Kinder sind Lehrlinge Gottes". Sein Mund sprach (Jesch. 1,4) „Samen von Uebeltätern seid ihr", und sein Mund war's, der sprach (Jesch. 61,9) „und bei den Völkern wird bekannt ihr Same". Sein Mund sprach (Jesch. 1,15) „auch wenn ihr Gebete häufet, ich höre es nicht", und derselbe Mund sprach (Jesch. 65,24) „und es wird sein, ehe sie noch rufen, antworte ich". Sein Mund sprach (Jesch. 1,14) „eure Neumonde und Feste hasst meine Seele", und derselbe Mund sprach (Jesch. 66, 23) „und es wird sein, Neumond um Neumond und Sabbat um Sabbat kommt alles Fleisch, sich hinzuwerfen vor meinem Antlitz". Warum aber sagt er: eure Neumonde? Ist es denn nicht Gottes Gebot, den Neumond zu weihen? Weil die Monate Geschenke an Israel sind, denn es heisst ja (in unserm Verse) „dieser Monat soll euch sein"." — In dieser Gegenüberstellung von Bibelveisen wird der Gedanke durchgeführt, dass Gott nicht auf immer zürnt, dass sein Wort der Strafe nicht in die Un- Rabbiner Dr. Leo Baeck Dr. Michael Traub, Berlin sprechen Montag, den 17. Januar 1938, abends 20.30 Uhr, in der Westend-Synagoge Freiherr^vom Steinstrasse In der Stunde der Entscheidung— Die Zukunft Erez Israels Musikalische Umrahmung durch Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency und des Keren Hajessod das Kulturbundorchester Frankfurter Zionistische Vereinigung