Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 11 (8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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No. 11 August 1.937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 Sofie Rossbach Sommerschluss-Verkauf I ■ W rVUOOUQUl ■ Damenhüte - Damenkieider KAISERSTRASSE 25 (Laden) gefunden haben, das alte Amsterdam zu besuchen, vor Rembrandts : Haus, vor Spinozas Denkmal zu verweilen, den Judenmarkt zu | sehen oder die portugiesische Synagoge zu besichtigen und '.mögen sich dabei noch einmal die Geschichte des Landes vergegenwärtigt haben, das vor über vier Jahrhunderten in edler, humaner und religiöser Toleranz unseren vertriebenen Glaubensgenossen eine Zufluchtsstätte geboten hat und dem sie — wie erst kürzlich die eindrucksvolle Huldigung jüdischer Kinder für die geliebte Königin wieder bewies — in unwandelbarer Treue sich verbunden fühlen. Fragt man nach den praktischen Ergebnissen der Amsterdamer Konferenz, so könnte man die Resolutionen nennen, die zum Schluss gefasst wurden: eine entschiedene Erklärung gegen die Gottlosenbewegung, eine Neutralitätserklärung gegenüber dem Zionismus, die Einführung einer „Teruma", einer freiwilligen Steuer zur ideellen und materiellen Förderungdes religiösen Liberalismus in allen Ländern. Aber der beste Gewinn lag für die Teilnehmer doch wohl, wie zumeist bei Konferenzen, in dem persönlichen Sichbegegnen. War auch das greise Haupt der World Union, Claude Monte fiore (London), nicht erschienen (ein Schreiben von ihm wurde von der Ehrensekretärin Jackenkleider — Blusen nur gute Qualitäten zu sehr billigen Preisen des Verbandes Lily Montagu verlesen), so sah und sprach man doch viele Gesinnungsgenossen aus Deutschland, Holland, England und Amerika .— auch Frankreich, Schweden, selbst Indien war vertreten. Aber auch der religiöse Liberalismus erhält durch diese Begegnung einiger seiner führenden Persönlichkeiten neue Impulse, neue Kraft und neue Zuversicht. Das gilt vor allem für die um ihr Daseinsrecht ringenden Gemeinden in Holland. Denn der Liberalismus ist nicht, wie man da und dort lesen konnte, reumütig auf dem Wege orthodox zu werden. Die Abschaffung der Orgel in Zürich, der Beschluß der amerikanischen Rabbiner ^- das wurde auf der Konferenz von kompetenten Beurteilern klargestellt — hat mit einem Rückgang der liberalen Bewegung nichts zu tun. Die Bewegung wäre nicht liberal, wenn sie „orthodox" auf jeder ihrer früheren Ansichten und Reformen bestände. Sie bleibt nicht stehn, sie schreitet weiter — sie wäre sonst keine Bewegung. Nur in ihrer grundsätzlichen Haltung gegenüber Religion und Leben bleibt sie immer die gleiche: die berechtigten Forderungen beider wieder und wieder mit einander in Einklang zu bringen. Rabbiner Dr. G. Salzberger Das Schriftwort Das Vogelnest von Max Dienemann Das biblische Oesetz und sein möglicher Sinn Im 5. M. 22,6 steht das folgende Gesetz: „Wenn sich dir ein Vogelnest auf dem Wege trifft, an allerhand Gehölz oder auf der Erde, mit Küchlein oder Eiern, die Mutter auf den Küchlein oder auf den Eiern lagernd, nimm nicht die Mutter samt den Jungen. Freischicken, frei, sollst du die Mutter, und die Jungen magst du dir nehmen, auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebest." So das biblische Gesetz. Sein Sinn ist klar und eindeutig, eine Mässregel des Tierschutzes, ausgehend von dem Gefühl, daß es eine Grausamkeit wäre, Mutter und Kind für sich zu nehmen, wenn man schon das Recht des Menschen, über das Tier zu verfügen, für sich in Anspruch nimmt. Daß man die Mutter freischicken soll Und nicht etwa sie nehmen darf und die Kücken frei lassen soll, ergibt sich aus der Erwägung, daß Eier und Kücken ohne die Mutter verkümmern würden, und daß durch die Freilassung der Mutter die Fortpflanzung und Erhaltung der Art rascher gewährleistet ist. Was aber sagt die alte Deutung zu dem ganzen Gefüge des Gesetzes? Nicht auf Lohn achten! „Das ist's, was geschrieben steht (Spr. Salomos 5,6) „daß du nicht abwägest den Pfad des Lebens, es schweifen ihre Gleise und du merkst es nicht/' Was bedeutet das „daß du nicht abwägest den Pfad des Lebens"? Es sagte?'Rabbi Abba bar Kahana, der Heilige, gelobt sei er, sprach, du sollst nicht die Gebote der Tora in ihrem Gewicht gegeneinander abwägen, du sollst nicht sprechen, weil dieses Gebot gross ist, tue ich es, und weil jenes ohne grosse Bedeutung ist, tue ich es nicht; was tat darum der Heilige, gelobt sei er? Er offenbarte den Menschen nicht den Lohn, der mit den einzelnen Geboten verknüpft ist, damit sie alle Geboteßn ihrer Fülle beachten, darum heisst es ,;es"schweifen ihre Gleise und du merkst es nicht". Wem gleicht das Ganze? Einem, der sich Arbeiter gedungen hat und sie in seinen Garten führte, aber ihnen nichts sagte über den Lohn, der für die einzelnen Arbeiten in dem Garten ausgesetzt ist, damit sie nicht die gering-entlohnten Arbeiten beiseite liessen und sich nur den hochwertigen zuwendeten. Am Abend rief er jeden Einzelnen und sprach zu ihm: unter welchem Baumhast du gearbeitet? Antwortete der eine: unter diesem hier; er erwiderte, das ist ein. Pfefferstrauch, er hat den Wert eines Guldens. Er ruft den Nächsten und fragt ihn, unter welchem Baum hast jdn gearbeitet? Der antwortet, unter diesem hier; er erwidert, das ist eine weisse Blume, sie ist einen halben Gulden wert. Beim Nächsten aber sagt er, das war ein Oelbaum, er ist 200 Gulden wert. Die Arbeiter sagen jetzt: warum hast du uns nicht gesagt, welches die wertvolleren Bäume sind, damit wir unter ihnen arbeiten? Der Be-. sitzef erwidert, hätte ich's euch gesagt, wäre da mein ganzer Garten bearbeitet worden? So hat auch der Heilige, gelobt sei er, nicht den mit den Geboten verknüpften Lohn offenbart, ausser bei zweien, dem allerschwerst zu erfüllenden und dem allerleichtst zu erfüllenden. Die Ehrung von Vater und Mutter ist das allerschwerste, ihr Lohn langes Leben, so heißt es (2. M. 20,12) „ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst Das allerleichteste ist die Freischickung der Mutter aus dem Vogelnest, ihr Lohn ist auch: langes Leben, denn so heisst es: (5. M. 22,7) „freischicken sollst du die Mutter, damit es dir wohlergehe und du lange lebest"." Das Schwerste — die Eltern zu ehren Diese Deutung bedarf ihrerseits einer Erklärung. Es ist einer der bekanntesten und entschiedensten Sätze der jüdischen Ethik, daß man nicht von der Rücksicht auf Lohn oder Strafe sein Tun bewegen lassen darf. Eigentlich dürfte also das ganze Gleichnis garnicht herangezogen werden; es ist gewissermassen ein Zugeständnis an die irrtümliche Denkweise der Dursehschnittsmenschen, dass der Gedanke an Lohn überhaupt hineingezogen wi'■••!: und die Konzession wird nur deshalb gemacht, um umso fester das Bewusstsein von der gleichen seelischen Wirkung der einzelnen religiösen Handlungen zu begründen; das wird dann in der Feststellung ausgedrückt, dass dem leichtesten wie dem schwersten Gebot der gleiche Lohn winkt. Das Auffallende dabei ist, dass das Gebot der Elternverehrung als das schwerst zu erfüllende bezeichnet wird. Man würde denken, dass es, weil es ein: Selbstverständliches umschreibt, etwas was, auch ohne Gebot, aus dem Gefühl herauswächst, das leichteste wäre; aber nein! Man muss daraus entnehmen, daß man die Pflichten dev Elternverehrung als so umfassend, so unüberschaubar erachtet, dass man meint, ein Mensch könne eigentlich nur schwer der Pflicht in vollstem Umfang gerecht werden. Die Ausstrahlungen der biblischen Worte „Es heisst ,,freischicken, frei sollst dii". Warum das gleiche Wort zweimal? Um dich zu belehren, dass, wenn Gelegenheit ist, das gleiche Gebot mehrfach zu erfüllen, du nicht sagen darfst, ich habein Bezug auf dies Gebot meine Pflicht bereits erfüllt, Versicherungen sind Ver-lrauenssoche! HANS GRÜNE BAUM VERSICHERUNGEN ALLER ABT HOHENZOLLERN-STBASSE 12 ' TEL.3»l38u.7036l