Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-08-01 · 11 (8.1937) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
11 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094450--5797-3100620
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. AI August 1937 QOMMER-SCHlUSS- Beg'»nn Hermanns & Froitzheim Das Fachkundige Spezialgeschäft Berger Strafe - Zeil, Ecke Hasengasse Brückenstra&e sondern so oft die Gelegenheit sieh bietet, ist immer neuer Anlass, es zu üben." * . : Damit soll aus dem Bezirk des Religiösen das Rechnerische ausgeschaltetet werden. Man kann religiöses Leben nicht in Einzelhandlungen und Einzelaufgaben erledigen, die man sozusagen pensummässig abwickelt, Religion ist ein Quellendes, ein ewig •neu zu Gebärendes. So wenig wie man sich etwa einer Hilfeleistung an einem Armen mit der Begründung entziehen kann, man habe gestern schon einmal das Gebot der Zedakah erfüllt, so wenig kann man im ganzen Bezirk des Religiösen auf ein einmal erlebtes Gefühl oder auf eine einmal bereits getane Tat sich berufen; jede Minute lässt Gefühl und Tat sich erneuern. „Es heisst „freischicken, frei, sollst du"; die Gelehrten sagten, wenn du das Gebot des Freilassens der Vogelmutter befolgen wirst, wirst du auch gewürdigt werden, das Gebot des Freischickens eines Kneebtes zu erfüllen, denn so heisst es (5. M. 15,13) „freisehicken in die Freiheit sollst du ihn von dir; und wenn du ihn in die Freiheit freischickst von dir, nicht leer schick' ihn frei; aufladen, aufladen sollst du ihm von deinen Schafen, deiner Scheuer und deiner Kelter"." Das will heissen, du wirst so wohlhabend werden, dass du leicht und ohne Beschwer wirst Dienerschaft halten und sie beschenken können. Die Deutung beruht hier darauf, dass beidemal das Wort pi^ttf gebraucht .wird. Aber in Wahrheit liegt das Schwergewicht nicht auf dem. gleichen Wort, sondern auf das Wort der Freiheit und des Schickens in "die Freiheit stützt sich der Gedanke, dass Freiheit und Freisein für Tier und Mensch das Lebenselement schlechthin, das Ziel der Mühe und des Sorgens.ist. Auf diesem Gleichklang der Worte und des mit ihm mitschwingenden Freiheitsgedankens stützt sich auch die folgende Deutung. „Es heisst „freisehicken, frei, sollst du die Mutter", wenn du dieses Gebot befolgst, beschleunigst du das Kommen des Messias, auch bei ihm ist das Wort f\bl2/ gebraucht, Jesehajahu 32,7 beginnt die Schilderung der messianischen Zeit mit den Worten, „dann wird als der Bewährung Tat: Friede, als der Bewährung Dienst: Ruhe und Sicherheit für Weltzeit" und schliesst mit den Worten ,',heil euch, die ihr sät an allen Wassern, frei schickt ihr den Fuss des Ochsen und des Esels". Rabbi. Tanchuma sagte, wenn du dieses Gebot befolgt hast, beschleunigst du Elijahu des Propheten Kommen, auch da ist das Wort nbtT 'gebraucht: (Maleachi 3,23) siehe ich schicke euch den Elijahu den Künder" er wird kommen und euch trösten, denn: „er wird zurückführen das Herz der Väter zu den Kindern"." Hier tritt zu der Verheissung der Freiheit noch die Verheissung der messianischen Zeit, und die BarmV herzigkeit am Tier wird als Voraussetzung ihres Kommens genannt. Nicht das Gebot erzwingen! / „Es heisst, wenn sich dir ein Vogelnest auf dem Wege t r i f f t; einer stieg in die Bäume hinauf, um nach dem Vogelnest zu suchen, er schickte die Mutter frei, und doch fiel er hinab und starb. Du sollst eben nicht auf die hohen Bäume steigen, um das Gebot und seine Erfüllung zu suchen." ■ Will heissen, daß Frömmigkeit nicht darin besteht, nach Gelegenheiten zu einer frommen Handlung krampfhaft zu suchen, sondern der jeweiligen Gelegenheit zur Tat zu gehorchen. Eliselia ben Abujas Irrtum . ■ ' „ Das Gebot von der Freischickung der Vogel-Mutter soll der Ausgangspunkt zu Elischa ben Abujas Abfall gewesen sein, daß er ein „Acher" d. h; ein Anderer, ein Fremder wurde. Man erzählt: „Einmal sah er einen, der am Schabbat vom Baum ein Vogelnest holte, die Mutter nicht freiließ und heil hinunterstieg: Nach Schabbat-Ausgang sah er einen vom Baum ein Vogelnest holen, der ließ die Mutter frei und doch biss ihn eine Schlange und er starb. Da fragte er sich, wo bleibt dessen Wohlergehen, wo seiner Tage Dauer und Länge? So wurde er abtrünnig." . Hier wird die Gefahr angedeutet, die jede solche Lohnverheissung begleitet. Menschliches Urteil will dann Gottes Gerechtigkeit kritisieren und korrigieren. Keine Ueberbetonung! Das Gelrot des Freilassens der Vogelmutter spielte in der Herausstellung von Gottes Wesen und. Wirken eine Rolle. Es heisst Mischna Megilla 4,9 „wer als Vorbeter das Gebet mit den Worten einleitet: über <fts Vogelnest erstreckt sich dein Erbarmen und über Gutes wird dein Name genannt, den soll man nicht weiter vorbeten lassen". Hier ist eine Episode ausden Geisteskämpfen der Gemeinde Israel mit dem frühen Christentum, als. dieses sich noch nicht vom Judentum abgespalten hatte und in Gebetsgemeinschaft mit ihm lebte. Man wollte der Ueberbetonung, der Alleinbewertung der Liebe einen Damm entgegensetzen und der Gerechtigkeit im Bilde Gottes ihren Platz wahren. Variationen über das Thema: „Jüdische Musik in der Emanzipationszeit" von-Dr. Nathan Ehrenreich 1. Meyerbeer-Mendelssohn-Mahler Die Komponisten der Emanzipationszeit werden in den einschlägigen musikgeschichtlichen Abhandlungen gewöhnlich nicht dem. Sammelbegriff „Jüdische Musik" unterstellt, sondern in einem eigenen Abschnitt behandelt, der etwa den Titel trägt „Die Juden in der allgemeinen Musik". In der Tat sind Musiker wie Meyerbeer, Mendelssohn und Mahler so vollständig in der übrigen europäischen Kunst aufgegangen und persönlich so weit vom Judentum abgerückt, daß diese Darstellungsweise gerechtfertigt erscheint. Versuchen wir aber nun doch einmal, diese drei „M" unter dem Aspekt ihrer gemeinsamen jüdischen Abstammung zusammenzufassen und in den zwar nicht kontinuierlichen, aber doch irgendwie festlegbaren Ablauf der jüdischen Musik einzureihen, so gelangen wir zu einem überraschenden Ergebnis. Um -dessen Tragweite zu erfassen, müssen wir uns ganz kurz den Entwicklungsgang jüdischer Musik vergegenwärtigen:; Die größte . schöpferische Tat stand am Anfang: die Müsik des' Salomonischen Tempels, ein kulturhistorisches Faktum von höchster Bedeutung, dessen Ausstrahlungen bis in den Gregorianischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.