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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-01-01 · 4 (1.1937) · p. Seite 24

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
4 (1.1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 4______lanuar im Alle Artikel sind personliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Yer- _antwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Religiöser Zionismus Wenn in unserer Zeit von verschiedenen Seiten versucht wird, dem jüdischen Volk sein Recht auf Palästina streitig zu machen, so ist es zugleich unsere Pflicht an die grossen jüdischen Menschen zu denkeD, die uns diesen Weg zum Zionismus und nach Palästina vorgegangen sind und geebnet haben. Heute weiss jeder, dass sich der Zionismus um die Lösung der materiellen und geistigen Judenfrage müht und dass ihm die Besiedlung Palästinas nur die Vorbedingung und Grundlage hierzu darstellt; denn der Zionismus ist mehr als Palästina-Bewegung. Er will nicht nur das jüdische Land aufbauen, ^sondern auch den jüdischen Menschen, der dieses Land bewohnen soll, umformen und ihm wieder jüdische Werte und Inhalte vermitteln. Diese Werte entstammen zum grossen Teil dem überlieferten Judentum. — Es ist in diesem Zusammenhang unwesentlich, ob man das jüdische Gesetz für sich für verbindlich erklärt, oder nicht. — So tarn es auch, dass gerade religiöse Führer, Rabbanini, die Vorläufer des heutigen Zionismus wurden. Raw Zwi Hirsch Kalischer (geb. 1795, gest. 1874) hat in seinem, im Jahre 1861 erschienenen Buch „Drischath Zion", einen Appell an das jüdische Volk gerichtet, Palästina aufzubauen und die jüdische Jugend zu den landwirtschaftlichen Berufen zurückzuführen. Neben ihm waren es insbesondere die Rabbanim, Elijahu Gutmacher (geb. 1796, gest 1874), Mordechai Eliasberg (geb. 1817, gest. 1889) und Schmuel Mohilower (geb. 1824, gest. 1898); die der Chowewe-Zion-Bewegung ihr Gepräge gaben. Auf der Grundlage dieser rabbinischen Größen fassend, schuf der als Gaon bekannte Rabbi Jaakow Jizchak Reines die religiös-nationale Misrachi-Bewegung, die als Fraktion innerhalb der Zionistischen Organisation ihren organisatorischen Ausdruck fand. Während der Schöpfer des politischen Zionismus, Theodor HerzL von der Judennot ausging und dieses Moment die treibende Kraft für den politischen Zionismus wurde, glaubten diese Rabbanim im Zionismus einen Weg zur Lösung der materiellen und geistigen Judentumsnot zu finden. Wenn auch heute noch behauptet wird, dass der religiöse Zionismus oft nur dazu da ist, um überall den „Koscherstempel" aufzudrücken, so soll hier nur angeführt werden, dass es gerade diese Rabbanim waren, die die Kolonien Ekron, Rischon le Zion, Rechowoth, Mikwe Jisrael U. a. geschaffen haben. Der Misrachi glaubte, dass eine Regenerierung des jüdischen Volkes von Erez Israel ausgehen und die Tora ihre Grundlage sein müsse. Sein Ziel wurde: Erez Israel l'am Jisrael al pi torath Jisrael (Erez Israel dem jüdischen Volk auf der Grundlage der Tora). Volk, Land und Lehre bilden nach der Anschauung des Misrachi eine unzertrennliche Einheit („Oraitha Wejisrael chat hu")- Der Misrachi glaubte dadurch sein Ziel erreichen zu können, indem er in Erez Israel religiöse Einrichtungen schuf. Er erkannte jedoch bald, dass auch diese religiösen Einrichtungen allein nicht die Möglichkeit haben würden, dem Laude tatsächlich ein religiöses Gepräge zu geben und man begann ein grösseres misrachistisches Schulwerk in Erez Israel zu organisieren, dem es tatsächlich auch gelang, einen Teil der Jugendlichen dem religiösen Gedanken näher zu bringen. Jedoch auch hier zeigte es sich wieder, dass selbst die Schule nicht die Möglichkeit hat, das Leben eines Landes, insbesondere nicht Erez Israels, zu be?timmen. Der größte Teil der Jugend trat später in das Berufsleben ein und diesem Berufsleben gaben die Arbeiter Erez Israels, die dem religiösen Gesetz fern standen, das Gepräge. So kam man dann zu einer dritten Konzeption. Man sah, dass es nicht möglich sei, durch Forderungen an unreligiöse Volksteile religiöse Gebote erfüllen zu lassen und daß auch nicht durch politischen Kampf man den Aufbau im Sinne der Tora vor sich gehen lassen könne. Nur der, der in Erez Israel das Land baut, selbst Hand anlegt am Bau, der prägt ihm seinen Stempel auf. Man erkannte die Notwendigkeit einer religiös-chaluzischen Bewegung, zu der der „Hapoel Ha misrachi", die religiöse Arbeiterschaft Erez Israels, wurde. Der Weltkrieg und die verschiedenen Revolutionen hatten im östlichen Judentum grosse Erschütterungen hervorgerufen. Insbesondere in Polen und Russland ■war die jüdische Jugend gozwongen auszuwandern und sie glaubte, dass ihr Weg der Weg der Chaluziuth in Erez Israel sein müsse. In dieser Atmosphäre gingen auch religiöse Chaluzim ins Land. Sie erhielten Beschäftigung bei den Regierungsarbeiten undüberall, wo es nur zu arbeiten gab. Und doch begannen gerade diese Arbeiter mit der Zeit ihre Vereinsamung zu fühlen. Mit dem vom freigeistigen jüdischen Arbeiter geschaffenen Milieu konnten sie sich nicht abfinden und dem Leben des alten Jischuw wollten sie sich nicht anpassen, da gerade sie das Verlangen hatten, als sie nach Erez Israel kamen, selbst mitzubauen und nicht abseits zu stehen. Aber gerade für dieses Mitbauen konnte der alte Jischuw kein Verständnis aufbringen. So entstand der Plan zur Schaffung einer religiös-nationalen Arbeiterbewegung und nach vielen Organisation s versuchen gelang es dann den „Hapoel Hamisraehi" zu gründen, eine Bewegung, die davon ausging, dass die Arbeit die Basis des nationalen jüdischen Lebens bilden und in diesem Leben der Arbeit das jüdische Gesetz, die Tora, der regulierende Faktor sein müsse. Schmuel Ohajim Landau, dem Führer dieser religiös-nationalen Arbeiterbewegung, gelang es, diese Idee in 2 Worten zu formulieren: „Tora w'Awoda" (Lehre und Arbeit). „Tora w'Awoda" ist kein Problem, auf das es eine allgemeine Antwort gibt. Aus einer bestimmten Zeit und aus einer bestimmten Konstellation entstanden, erfordert es immer neue Stellungnahme, immer vorwärtstreibende, immer weitergestaltende Klärung. Das Judentum ist eine religiös-nationale und soziale Weltanschauung, Avie sie in der Tora ihren Niederschlag findet So gibt uns die Tora drei Aufgaben: 1. Die Regelung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott. 2. Die Regelung des Verhältnisses zwischen Mensch und Mensch. 3. Die Regelung des Verhältnisses zwischen dem Einzelnen und seinem Volke. Die Tora ist nicht nur ein religiöses Buch, das die Beziehungen des einzelnen Menschen zu Gott regelt, sondern sie ist ein Buch des Lebens, der Totalität, das alle Bezirke menschlichen Lebens und Fühlens in sich vereinigt. Durch die Jahrtausende währende Galuth ging das tiefere Verständnis für die alle Bc-

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