Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
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Seite 23 Damen- und Herren-Wäsche Unterkleidung Strumpfwaren Damenkleidung Strickwaren Schürzen Berufskleidung Kleiderstoffe Manufacturwaren Bettwäsche Haushaltswäsche Alles preiswert und gut im Textil-Kaufhaus an der Bockenheimer Warle Seligmann Leipzigersirasse 14 eigenen Atisdrucksformen schaffen. Im Großen haben dies die Jüdischen Kulturbünde vermocht. Wie sehr hat das Jüdische Lehrhaus sein Arbeitsgebiet erweitert. Doch nun muß die Anpassung auch im Kleinen und Einzelnen, vom Häuslichen her erfolgen. Aus der Initiative der Menschen, die mit dem Buch aufgewachsen sind, denen Schauspiel und Dichtung viel bedeutet. Solche Menschen bedauern es sehr, daß die Gastspiele der Kulturbünde Ehein-Ruhr und Hamburg, die uns interessante Theaterabende in Aussicht gestellt haben, vorerst in Frankfurt nicht zustande kommen. Vielleicht werden wir nooh manchesmal von großen Veranstaltungen Abstand nehmen, uns im kleinsten Kreise einrichten müssen. Oft gilt es ia im Leben, einen Ersatz zu finden, der sich dann nicht immer als minderwertig erweist — etwa nur als ein neuer Weg zum alten Ziel. Gibt es doch viele Dramen, deren Gedankeninhalt, sich dem Lesenden, dem Hörenden zumal, besser erschließt als in stark gekürzten Aufführungen. Solche „Buchdramen" erscheinen deshalb selten oder nie auf der Bühne. Müssen sie uns darum Bücher mit sieben Siegeln bleiben? Sie sind teilweise leicht zugänglich, ja als Reklambändchen erschienen. Wer kennt das biblische Mysterium „Cain" von Lord Byron? Das bedarf der Szene nicht, noch der schwer vorstellbaren Kostüme für seine Gestalten. „Der Tod ist in der Welt!", wenn dieser Sehreekensschrei aufgellt, dann ist die Hörerschaft gepackt. Lesen wir doch einmal Lenaus „Faust", eine episch-dramatische Zwischenform, dem Goethe'schen nicht vergleichbar, wenn auch auf Grund der gleichen Quellen ihm vielfach ähnlich.!Nieolaus Lenau war ein Dichter von hohen Graden. Lenaus Gedichte, uns teilweise von der Schule bekannt, erweisen von neuem oder vielleicht nun erst völlig, künstlerisch zu Gehör gebracht, ihren melodischen Zauber. Man sollte auch seinen, „Savonarola" und die Gedichte „Der arme Jude" und „Ahasver" kennen lernen. Bei einem Tonkünstler-Abend wurden jüngst Wilde'sche Märchen vorgetragen. Diese schönen Kunstmärchen und die Wilde'- schen Gesellschaftsdramen, deren Charme und witzigen D;.alog Avir von der Bühne auf uns wirken ließen, sind recht verbreitet. Aber die Problematik des Dichteis, von Biographen wie Philipp Aronstein und Arnold Zweig verstehend dargestellt, aus seinen kritischen Schriften und Aphorismen erkennbar, lohnt eine besinnliche Lektüre. Man sollte an einigen Abenden im geselligen Kreise die anmutigen, von leiser Melancholie durchzitterten Kurzdramen von Artur Schnitzler, seine monologischen Novellen aufklingen lassen. Seine Tendenzstücke, nicht zuletzt „Professor Bernhardi", würden sicherlich eine rege Stellungnahme der Hörer auslösen.. Es bedarf keiner großen Literaturkenntnis, um Peilen aus dem Weltmeer der Dichtung zu fischen. Wir kennen ihrer so viele, wenigstens dem Namen, dem Inhalt nach. Aber haben wir sie auch gelesen oder wieder gelesen? Machten wir die Jugend, die durch die Ungunst der Zeit, — infolge des vermehrten Bedürfnisses nach Iwrith und durch andere Sprachstudien und bei ihren betonten Sportinteressen der Literatur abhold geworden ist, trotzdem mit diesen unvergänglichen Werten, einem geistig doch beweglichen Schatz, soweit als möglich vertraut? Reizend erzählte jüngst eine Mutter, daß sie unverhofft ihrem bastelnden Buben ein paar spannende Seiten aus dem „Geisterseher" vorgelesen habe. „Mutter, kannst Du mir den Schmöker nicht leihen?" Und dann den Buchrücken betrachtend, erstaunt: „Schiller?!" Seitdem lesen sie gemeinsam mit wachsender Begeisterung die bisher verpönten „Klassiker". Gesellschaften einzuladen ist wahrlich nicht zeitgemäß. Geselligkeit zu üben, — bei einfachster Aufmachung — durch Pflege von Musik, Literatur und Kunst einen über die Tagesnöte hinausweisenden Inhalt zu geben, sei jüdischer Frauen Freude und Pflicht. Wer es versteht, gleichgestimmte Menschen in solchen Lesegruppen zu richtigen Arbeitsgemeinschaften zu verbinden, ihnen neue Seelen zu gewinnen, der hilft ein Stück entschwindender Kultur festzuhalten. Der Appetit kommt beim Lesen nnd dürfte gewiß bald dazu führen, umfangreichere Werke zu eigner Lektüre in Umlauf zu setzen. Bestimmt findet sich dann auch eine mit dem Stoff vertraute Persönlichkeit zur Beratung und eine einfühlende Teilnehmerin, bereit und befähigt, biographische Notizen über den Dichter und sein Gesamtwerk zusammenzustellen oder doch die Lektüre durch Quellennachweis zu ergänzen. Man wird staunen, wieviel ungehobene Werte noch in unseren Bücherschränken und in der Gemeindebibliothek bereit liegen — vom Nutzen der Buchhandlungen zu schweigen. Wer so die Vorbereitung der Leseabende übernimmt, würde selbst den reichsten Gewinn davon tragen und Zeit und Mühe nicht verschwendet haben. Nennen wir die hier angeregte Form der Geselligkeit also doch, wenn auch ganz bescheiden, „Haus-Literatur". Moderne Bildnisse PaSS-BÜder aller Art billigste Preise Phoio-flielier May Kaiser«tr. 19 Itidanthrenhaus. Tel.27128 BESTECKE TÄFELGERÄTE MODESCHMUCK Louisit; Simon KAISERSTRASSEf Stellen-Gesuche im Gemeindeblatt r Nach wie vor bietet ihnen Condiforei und Cafe ROTHSCHIIP Biebergasse 13 Ruf: 26325 u. 26925 in seinen Räumen den bekannt guien Kaffee, Backwaren und seine Speziaiiiäten. Pralinen in eigener Herstellung V. Neue Geschäftsleitung: F. Birnbaum J Valmeline die wasserdichte Ski-Jacke 16.- bis 23.-. 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