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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-09-01 · 12 (9.1936) · p. Seite 450

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
12 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
Seite 450 (sequence 12)
Language
German
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Seite 450 fl:essenden Anteil zur Linderung der Not und zur Arbeitsbeschaffung für die im ganzen Reich von ihr betreuten Künstler." Die Zusammenstellung der Bilder des Kalenders für 1936/37 (5697, nicht 5697/98. wie der Titel sagt) lässt jedoch kaum vermuten, daß der Künstlerhilfe das Schaffen der Künstler im Reich so ver- Jubal, der erste Flötenspieler. Florenz, Campanile del Duomo Aus dem Kalender des Jüdischen Frauenbundes. Druck und Verlag Gebrüder Braun Frankfurt am Main „Die Heilige Schritt", herausgegeben von Harry Torczyner, Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1936. Dem „Fünfbuch" und der „Volksgeschichte" sind nun als 3. Band der neuen Bibelübersetzung „Die Gottbegeisterten" gefolgt. Mit diesem Namen werden die Männer bezeichnet, die wir mit einem leicht irreführenden Fremdwort gemeinhin Propheten heissen. Ihre Beden — und um Reden handelt es sich nahezu ausschliesslich — stellen den Uebersetzer vor eine ungleich schwerere Aufgabe als die Erzählungen, Gesetze und gelegentliche Lieder der voraufgehenden Bücher, denn Beziehung und Bedeutung einzelner Reden, Abschnitte und Sätze ist fragewürdig und dunkel Dazu kommt die eigentümliche sprachliche Form einer dichterischen Prosa und der besondere Stil jedes Propheten für sich. Hier zeigt sich nun unsere Uebersetzung auf der Höhe. Getreu ihrem Grundsatz unbedingter Treue widersteht sie tapfer der Versuchung, die Tausende von Konjekturen früherer Uebersetzer und Erklärer nahelegten, und bleibt dabei verständlich — soweit das ohne Wissen um die Zeit, in der die grossen Genien Israels lebten, ohne Wissen um das Einmalige ihres Redens, Seins und Wirkens, um das Gemeinsame und das Individuelle ihres Denkens und Glaubens möglich ist. Das grösste Verdienst dieser Uebersetzung scheint uns aber in jenem treuen Dienen zu liegen, dass sich müht, jeder Rede ihren Bau und ihr Gefüge, jedem Satz seinen Klang und seinen Rhythmus, jedem Wort seine Prägnanz, seine Kraft oder seine Herren-Moden A. BREITEN STEIN i Konntübtar-Wache Fahrgasse 121.und ISO traut ist, wie das der Berliner Künstler. Wenn in diesem Kalender, in dem Bilder von Rembrandt, Henschel,. Liebermann, aber auch ein altet Chanukkahleuchter wiedergegeben sind, nur Platz für einen einzigen Maler aus Frankfurt und dem südwestdeutschen Bezirk ist, so kann es sich nur um eine Ueberbewertung der Berliner Künstler oder um eine Unkenntnis des Schaffens der ausserberlinischen handeln. Es ist schwer verständlich, dass aus unserem Kreis, der im Stande ist, seit mehr als einem Jahrzehnt jährlich eine hochwertige Kunstausstellung zu veranstalten, nur ein — wenn auch begabter — Maler zur Darstellung kommt. Wahrscheinlich werden auch für die anderen grösseren Gemeinden des Reiches ähnliche Vorbehalte zu machen sein. Die in dem Kalender gesammelten Reproduktionen von Arbeiten jüdischer Maler, Bildhauer, eines Architekten und einiger Dichter sind geschickt ausgewählt, weil sie zugleich ein Bild vom Leben und Denken des Juden in aller Welt vermitteln. Professor Franz Landsberger, Dr. Max Osborn und Dr. Irmgard Schüler haben zu jedem der Bilder knappe, klare Texte geschrieben, in denen Biographisches und Erklärendes in gleicher Weise zu ihrem Recht kommen. Der Vertag Joseph Jastrow in Berlin hat den Kalender sorgsam ausgestattet, und so geschickt arrangiert, dass er als Wand- und als Aufstellkalender brauchbar ist. Das Jüdische Blinden-Jahrbueh für 1936/37 bringt ausser einem Kalendarium eine Reihe von Aufsätzen, die sich mit der Situation der Jüdischen Blindenfürsorge in Deutschland befassen. Einige Beiträge von Blinden zeigen, wie hoch ihre Arbeitsfähigkeit auf den verschiedensten Gebieten entwickelt ist und mit welcher Intensität Wege eingeschlagen Averden, um auch die jüdischen Blinden in das geistige und Wirtschaftsleben einzureihen. Der Herausgeber des Jahrbuches Robert Hirse Ilfeld darf darauf hinweisen, dass die Veröffentlichungen nicht Mitleid, sondern Verständnis für die jüdischen Blinden verlangen können. Die Israelitische Waisenanstalt Frankfurt a. M a i n erinnert durch ihren Wochen-Abreisskalendei-, wie alljährlich, an die menschliche Verpflichtung, die sie für uns alle an jüdischen Waisen einlöst. — Die Gesellschaft für jüdische Volksbildung bereitet ihren Freunden mit dem Luach für 5697, herausgegeben von Rabbiner Dr. Georg Salzberger und Professor Dr. Moritz Werner, eine erwartete Gabe. Die einleitenden Erklärungen der jüdischen Feste und die ausführlichen Inhaltsangaben der Wochenabschnitte ergänzen hier das Schema des Rödelheimer Luachs. Wir wünschen allen diesen Veröffentlichungen, dass sie den Häusern, die sie schmücken, und den Menschen, die sie begleiten, das Neue Jahr mit echten Werten verschönen mögen! Ghr. Zartheit und selbst dem Wortspiel seinen Ernst zu wahren. Hier spürt man die Schule Bubers und Rosenzweigs. Nichts Besseres lässt sich über sie sagen, als dass man die alten, wohlbekannten Mahnungen und Drohungen, Tröstungen und Verheissungen mit neuer und wachsender Erregung liest, hingerissen von der gewaltigen Kraft und dem dichterischen Schwünge eines Enthusiasmus, wie er in so erhabener Reinheit sich niemals wieder offenbart hat. Den Löwenanteil an der Uebersetzung hat diesmal der Herausgeber, der Jeremia und die Mehrzahl der sogen, kleinen Propheten (darunter den sehr schwierigen Hosea) und Max Wien e r, der Jesaja und Ezechiel gewählt hat. Auch der anderen, deren Arbeit minder umfangreich, aber nicht weniger sorgfältig und geglückt ist, sei mit Dank gedacht: Elias Auerbach (Jona, Hagai), Max Dienemann (Arnos), Ludwig Levy (Maleachi) und Seligmann Pick s. A. (Joel). Für den Kenner finden sich zahlreiche Kostbarkeiten, die weit über das Sprachliche hinausgehen. Um nur einiges hervorzuheben. Wiener übersetzt Jesaja 7,9 kühn, aber tief: „Wenn ihr nicht glaubt, so — weil euch nicht zu glauben", Jesaja 42,21: „Doch wollt der Ewige ihn, damit er sich bewähre, und gross und herrlich zeige seine Weisung". Befremdlich ist in Jer. 31,2 wiedergegeben: ,,Fand Lager (statt Gnade) in der Wüste". Fremdworte wie die „Deportierten" (Ezech. 1,1) Hessen sich vermeiden. Auch wäre es gewiss unschwer gewesen, das einzige nachweisbare Metrum der biblischen Poesie, das des Klageliedes (z. B. Arnos 5,2) strenger zu übertragen. Aber solche kleine Schönheitsfehler gehen unter in der tiefen Freude über die grosse Leistung, die das Ganze darstellt. Dr. G. Salzberger

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