Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 9 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 337 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 337 SPEZIALITÄT: JANTZEN-BADE« ANZÜGE FRANKFURT A. M. BLEIOENSTR. 3/5 Bei den regelmässigen Lern-Zusammenkünften der Männer aus der Gemeinde wurden naturgemäss auch Tagesereignisse besprochen. Als eines Abends sich die Gemüter besonders erhitzten — es war* an dem Tage, an dem die Freie Stadt Frankfurt von den Preussen besetzt worden war —, klopfte Kabbi Mosche auf den Tisch und rief: „Wir lernen weiter!". Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass, was auch geschehen mag, die Thora und ihre Erfüllung die Aufgabe ist, die den Juden obliegt. Das Ansehen, das Rabbi Mosche wegen seiner tiefen Frömmigkeit und seines reichen Wissens genoss, sollte für die Frankfurter Gemeinde von entscheidender Bedeutung werden. Im Jahre 1876 wurde das Austrittsgesetz vom Preussischen Landtag beschlossen, wonach jeder Jude „aus religiösen Bedenken" seine Gemeinde verlassen konnte. Babbiner S. R. Hirsch kämpfte mit aller Macht dafür, dass die Gesetzestreuen aus der Gemeinde austreten sollten. Da erklärte sich der Gemeindevorstand bereit, von sich aus wieder innerhalb der Gemeinde die religiösen Institutionen einzurichten, die die gesetzestreuen Gemeindemitglieder forderten. Angesichts dieser Bereitschaft des Vorstandes wurde Rabbi Mosche Mainz, der 1851 unter dem Zwang der Verhältnisse sich mit Gleichgesinnten zur Gründung der Religionsgesellschaft verbunden hatte, zum Befürworter einer Vereinbarung mit der Gemeinde und leistete der Aufforderung Rabbiner Hirschs zum Austritt keine Folge. Die Autorität, die er besass, bewirkte, dass eine grosse Zahl der Gesetzestreuen seinem Beispiel folgte und in der Gemeinde verblieb. Im Kreise der Religionsgesellschaft fürchtete man die Folgen der Entscheidung Rabbi Mosches und entschloss sich, eine Deputation zu dem berühmten und überall anerkannten Rabbiner Seligmann Bär Bamberger nach Würzburg zu schicken und ihn zu bitten, nach Frankfurt zu kommen, um.Eabbi Mosche Mainz, der ihm befreundet war, zum Austritt aus der Gemeinde zu bestimmen. Der „Würzburger Raw" stellte der Deputation vor, daß Rabbi Mosche gewiss seine Gründe habe, liess sich aber doch durch Drängen zu der Reise bewegen. Das Ergebnis seiner Aussprache mit Rabbi Mosche war, dass der Würzburger Raw sich dessen Ansicht anschloss und öffentlich erklärte, dass, bei Erfüllung der von Rabbi Mosche gestellten Bedingungen, der Austritt aus der Gemeinde religionsgesetzlich nicht geboten sei. Die Verhandlungen mit der Gemeinde wurden geführt und endeten mit der Berufung von Rabbiner Dr. Marcus Horovitz und mit Wiedereinrichtung sämtlicher religiösen Institutionen nach den strengsten Vorschriften des Religionsgesetzes. Damit war die Einheit der Gemeinde Frankfurt gesichert, die sich zum Segen für die jüdische Gesamtheit bewährte. Es sei noch erwähnt, dass Rabbi Mosche um die Mitte des Jahrhunderts in seinem Hause in der Börnestrasse ein© Synagoge, die heute noch besteht, einrichtete und damit das noch als „Raw's Minjan" von Rabbi Pinchas Horwitz (.,Haflooh") in der Judengasse bestehenden Minjan fortsetzte. Das in tiefer Frömmigkeit geführte Leben des Rabbi Mosche Mainz ist für unsere Gemeinde und für die jüdische Gemeinden überhaiipt zum Segen geworden. Sein Andenken bleibe zum Segen! ,.F i d e 1 i o" im Kulturbund Nur wenige Werke der Musikbühne sind so fest in einer sittlichen Grundidee verankert wie Beethovens „Fidelio". Der Meister, dem nach eigener Aussage nur ein „ethisch einwandfreies und höherstehendes Sujet" als Libretto dienen konnte, schrieb mit dieser seiner einzigen Oper ein Hohelied der Gatte nliebe, wie es herrlicher nicht gedacht werden kann. Er verkündete darüber hinaus das Ideal einer allumfassenden, geläuterten Menschenliebe, einer wahren Humanität, die sich nicht im Mit-Leiden mit den Unterdrückten erschöpft, sondern zu tätiger, opferbereiter Hilfe sich aufschwingt. Beethoven rückte damit das Bühnenspiel in Bezirke, die — wir zögern nicht, es auszusprechen — dem Religiösen nahestehen. Die Oper „Fidelio" empfing ihre Weihe nicht nur von dem grossen Musiker Beethoven, sondern auch von dem grossen Menschen, der jenem — wie dürfte es onders sein? — ebenbürtig zur Seite trat. Keine Frage, dass ein solches Höhenwerk uns in der jetzigen Situation, da wir auch in der Kunst nicht den Schein, sondern das Wesen der Dinge suchen, besonders viel zu bedeuten hat. Aber gerade die ehrfürchtige Bewunderung, die wir dem „Fidelio" entgegenbringen, liess uns eine Aufführung, die der Illusionsmöglichkeit einer Bühne entbehren musste und nicht auf einem stehenden Opernapparat fussen konnte, bedenklich erscheinen. Wir gestehen gerne, dass der Erfolg des Experiments uns eines Besseren belehrte. Die Zugeständnisse, die man im rein Künstlerischen notgedrungen machen musste, wurden reichlich weltgemacht durch die imponierende Kraft einer Gemeinschaftsleistung, deren Wert in Anbetracht der zu überwindenden Hindernisse doppelt hoch steht. Die klaren Handlungslinien des „Fidelio" vertragen ein szenisches al fresco. So konnte der Gastregisseur Dr. Kurt Singer- Berlin für die Inszenierung eine Lösung finden, die in ihrer Art vorbildlich erschien. Sie passte sich dem verfügbaren Konzertpodium geschickt an, ohne die stilistische Haltung der Oper zu gefährden. Durch die (mittels eine? einfachen Vorhangs bewirkte) Aufteilung der Bühne in einen „kleinen" und einen „grossen" Raum sicherte Dr. Singer den Einzelszenen die nötige Intimität, während er für die Massenauftritte eine theatralisch effektvolle Entfaltung der Bewegung ermöglichte. Seine Innenregie zielte erfolgreich' auf Überwindung eines hohlen Opernpathos zugunsten einer gewinnenden, aber keineswegs allzu realistischen Vermenschlichung der Spielfiguren. Auch die weniger spielgewandten Chöre wusste er zu einiger Lebendigkeit aufzulockern. Die Assistenz des Spielleiters Edgar Lissner-Berlin wurde in dem reibungslosen, gut ineinandergreifenden Ablauf der Szenen fühlbar. Die Bühnenbilder von Fritz Scham es, die bei aller Einfachheit überraschende, über das Dekorative hinausgehende Wirkung erreichten, schufen den stimmungsfordernden Rahmen. Den stärksten Einsatz hatte Steinberg zu leisten. Ohne seine intensive Vorbereitungsarbeit und seine überlegene Dirigierkunst wäre das Niveau des Abends nicht denkbar gewesen. Er tat sein Möglichstes an sorgsamer Ueberwachung des musikalischen Apparats, an Führen und Begleiten, Anfeuern und Zügeln. Steinbergs Auffassung der Partitur ist, namentlich im Tempo, sehr eigenwillig, aber sie erspürt den dramatischen Nerv und die gesteigerte Stepp- und Daunendecken trstkl. Ausf. groBe Auswahl, sowie Umarbeitungen auch aus Daunen-Oberbetten äußerst billig. Spezlaldecken für Auswanderer C#%CSA Ifsfv Jetzt Gärtnerweg 6. 9WI16 ItalZ NShe Eschenheimer Tor Goldseömldt's Iisstorts nicht vergessen Goldschnidt's Käsetorte zn Schemens esseni Goläsebmidl's Käsetorte ist einwandfrei! in Bernhard Boldsebmidt's Konditorei Gausstraße 38 a Tel. 45293 LEIDENHEIMER'S PR All NE N u. Tee-Gebäck Eigene Herstellung Täglich frisch KalbädlergASSe 5l. (Kein Laden) TeL 29174