Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 9 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 338 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 338 KÜHLSCHRÄNKE Kochu. Heizgeräte, Öfen, Radio, Beleuchtungskö per. Spannungsumstellung. A'le elektrischen Arbeiten. GANZ & JOSEPH Dipl Ingen. VERKAUF: Gr. Friedb. Str Hof lks. Telefon 27174 stSdt. konz. Leidenschaft der Musik, sie gibt ihr die grosszügig-zusammenfassende Linie. Als Höhepunkte seien die Leonoren-Ouverture und das zu festlichem Glanz gesteigerte letzte Finale hervorgehoben. Das Orchester gab sein Bestes; auch der von Richard Karp gut vorstudierte Chor löste seine Aufgabe zufriedenstellend. Daß die1 Kerkerszene, das Kernstück der Oper, nicht ganz die gewohnte Spannung erlangte, lag an den Sängern. Die Vertreter der beiden Hauptpartien erfüllten nur zum Teil die Anforderungen ihrer Rollen.' So wohltuend es war, als Leonore nicht eine Wagnersche Heroine, sondern eine schlanke, jünglinghafte Gestalt, zu sehen, so sehr auch Spiel und Musikalität der Sängerin für sieh einnehmen mochten: Ruth Wolffreim besitzt stimmlich zu wenig dramatische Durchschlagskraft, um die Leonore erschöpfend darstellen zu können. Auch Eugen Transky als Florestan gewann trotz unverkennbarer tenoraler Vorzüge nicht das gewünschte Relief. Dagegen stand der Pizarro des Siegfried Urias als charaktervolle, überzeugende Gestalt in der Szene. Hans Assenheim lieh dem Minister Würde und ansprechende gesangliche Form. Durchweg gut war die Besetzung der Buffo- Partien: Edith Eisen heimer als anmutige, stimmfrisehe Marzelline, Max Lipmann als gewandter Jaquino, der sympathische, hochmusikalische Walter Ries? als Rocco. Die beiden Gefangenen waren Sally Blumenthal und Fritz Wolff anvertraut. Aufgerüttelt von. der Grösse des Beethovensehen Werkes und von dem heissen Bemühen um seine Verwirklichung, stattete die Hörerschaft allen Beteiligten verdienten Dank durch zahlreiche Hervorrufe ab. Dr. E. Abschiedskonzert des Kulturbund-Orchesters Die Beethovensehe Fünfte, schon einmal im Gesellschaftshaus vorgetragen, aber nun im Saalbausaal zu stärkerer Wirkung gebracht, schloss festlich das dritte Tätigkeitsjahr des Kulturbundorchesters Rhein-Main ab. Die grossen Sympathien, die Hans Wilhelm Stein b er g, dem Gründer und künstlerischen Leiter des Tonkörpers wie seinen Getreuen an diesem Ehrenabend in anhaltenden Ovationen bezeugt wurden, mögen — so hoffen wir über den Anlass hinaus — als deutliches Zeichen dafür genommen und gewertet werden, daß Frankfurts jüdische Gemeinschaft auch im nächsten Winter trotz allem die hohen ideellen Wert e, die ihr das Kulturbundorchester vermittelt hat, nicht missen und entbehren will. Das Festkonzert, dessen Ertrag den Mitgliedern eine gewisse Uebergangsmöglichkeit für den Sommer verschaffen sollte, stand im Dienst der Sehieksalsidee, und es war angebracht und bedeutsam, daß dem tiefen Pessimismus des Hölderlinsohen Schicksalsliedes, das Brahms herrliche Vertonung in dem rein orchestralen Teil zu mildern versucht hat, zuletzt die Lebensbejahung der Beethovenschen Schicksalssyinphonie entgegengestellt wurde. Kaufhaus SALOMON & CO. b.'lrl! Kronprlnzenstr. 21 rüstet für Sie Ihre Auswanderung vollständig aus Herren- und Damen-Wäsche — Trikotagen — Berufskleidung ua.. Das jüdische Blumengeschäft A. HENDLISCH Bockenheimer Landstrasse 17 (geg. Rothschild-Palais) Telefon 79554 r— DR. ING. M. SIMON ■ ARCHITEKT BAUAUSFÜHRUNGEN BORN WIESENWEG 12 TELEFON 52812 V.. J Um diesem vorläufig letzten Orchesterkonzert eine besondere Note zu leihen, um das Zusammemvirken der verschiedenen Organisationen im Dienst einer kulturellen Idee zu betonen, hatte Intendant Dr. Kurt Singe r-B erlin die Leitung des ersten Programmteils übernommen. Er brachte das „Schicksalslicd" von Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdys unverwelkt frische „erste Walpurgisnacht" zu wirksamem, schön gesteigertem Gelingen und fand in den mit guter Ensembledisziplin singenden „Jüdische CiiorVereinigung" und „Jüdischer Kammerchor" Dr. Ehrenreichs einsatzbereite, auch im Piano nicht versagende Helfer. Hans Assen heim sang seine dankbaren Solistellen mit gutem Ausdruck, Max Lipmann die Tenorpartie sicher und mit Stilgefühl. Paula Levysi schöne Altstimme klang diesmal weniger sonor als sonst. Die straffe, leidenschaftlich betonte Wiedergabe von Beethovens V., in der der Tondichter Leid und Schicksalsschläge im krönenden Schlussteil überwindet, bildete den glanzvollen Ausklang des Konzertes. Das Werk wurde — wenn auch über Einzelheiten der Auffassung und Deutung zu streiten sein mag — in unwiderstehlichem Brio dargeboten und sicherte dem Dirigenten und seinem trefflichen Orchester mit Recht den herzlichen stürmischen Dank der zahlreichen Hörer. g. sch. Ein Abend des Mendelssohn - Trios Eine neue Spielgemeinschaft, das Mendelssohn-Trio, das bereits in Offenbach einen Abend gegeben hat, ließ sich nunmehr, auch in der. Westend-Synagoge zu Frankfurt vernehmen. Der Vereinigung gehören an als Pianist Kapellmeister M o r Meie r, der vor Jahren die musikalische Leitung am Schauspielhaus inne hatte, Dr. Adolf Gott hilf, ein geübter Kammermusikspieler (Violine) und Felix Robert Mendelssohn, der auch als Solist schon hervorgetretene Cellist des Kulturbundorchesters. Für das erste Frankfurter Konzert, das trotz Frühlingswetter draussen und schier unerträglicher Hitze im Saal, starke Anziehungskraft ausgeübt hatte und den Trausaal gefüllt sah. hatten sich die Herren ein schönes und gewichtiges Programm gewählt: Drei B-Dur Trios von Mozart (K. V. 254), Beethoven (das kleinere dieser Tonart, Nr. IV op. 11) und von Schubert (op. 99). Die Wiedergabe erreichte, zumal in den beiden erstgenannten Werken, die wie das dritte flüssig und temperamentvoll erfasst waren, gute Höhe. Eine gewisse Neigung zum AI Fresko Spiel und zuviel Fortegebrauch (auch bei dem Cello, das in der Cantilene prachtvollen Ton entfaltete) fiel bei Schubert mehr auf, als in den Trios der beiden anderen. Das Publikum hielt sich an die Vorzüge der noch nicht restlos gelockerten, aber im Ganzen anerkennenswerten Vermittlung und an die Schönheiten der Kompositionen und zeichnete die Spieler durch Aufmerksamkeit und Beifall aus. g. sch. 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