Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 9 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 336 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 336 HANS MARCUS TR E U H'AN DER FACH BERATER FÜR STEUER¬ UNDDEVISE N RECHT GOETHESTR.5 TELEFON28561 Doch das Hohelied von der Menschenwürde, dem sich kein romanenhafter Beiklang zumischt, ist „Dr. Muff" (Erschienen 1931 im Bruno Cassirer Verlag, Berlin;?etzt von Jul. Kittls Nacht. Leipzig-Mähr.-Ostrau übernommen), — ein ungemein starkes und angreifendes Buch, das gesammelte Kraft zeigt und die dumpfe Atmosphäre menschlicher Gewöhnlichkeit mit zugleich gewittrigem und verklärendem Sehein überzieht. Ein unbeirrbar reiner Tor, Dr. Muff, den keine Lebenswirrnis um seinen Glauben an die Heiligkeit aller Kreatur, die Menschenantlitz trägt, bring, steht im Mittelpunkt des Geschehens... Etwas von der Demut früher Figuren des Hamsun, von sehnsüchtigem Apostolat Dostojewskischer Gestaltungen, von Opfer und Mitschuld umgibt die Erscheinung des „Dr. Muff", die aber trotzdem ihr selbständiges Profil bewahrt und, in milder Unerbittlichkeit vorgetrieben, bedeutende Ausstrahlung ausübt. Er wagt den letzten Einsatz von Lebensgefühl, um ihn schliesslich doch an den feilen Dingen einer schamlos berechnenden Alltagsprosa zu verlieren. Inmitten einer von Machtgier und Unzucht verstörten Welt, der übrigens Winders Kunst, besonnen und leidenschaftlich, gibt, was ihr zugehört, ist kein Raum für den ewig Unzeitgemässen: er tötet sich... Wie auf die Erschütterung der antiken Tragödie das Satyrspiel, so folgt in des zeitgenössischen Dichters Epopöe dem schwerblütigen Dr. Muff die unbeschwerte, wenn auch nicht leichtfertige „Steffi" (oder „Familie Dörre überwindet die Krise"). Um ein schönes, arbeitsames und unverdorbenes Mädchen vom Lande, das dann in der kleinen Stadt Dienst tut und der „Herrschaft" die Inflationskrise bestehen hilft, gruppiert Winder sein Idyll, ein stellenweise saures Idyll, was insonderheit die Hausfrau, Frau Dörre, anlangt: Doch die Handvoll Leute, die hier der Dichter mit ungewohnt leichter, fast zärtlicher Hand strichelt, ja streichelt, hat doch auch ihr ernstes und idealistisches Mass mitbekommen: in der Person von Frau Dörres Bruder, einem emeritierten, aber privatim noch immer für das gute Recht plädierenden Anwalt, in ihrem zweiten Sohne, dem lieben Jungen, der feurig zu allem Schönen hält und, schamhaft verschwiegen und ritterlich, in ..Steffi" nicht nur die Küchenfee, sondern das Glanzstück der Schöpfung sieht... Den Preis, den Winder, nach so vielen gewichtigeren Büchern, mit diesem leicht gefügten errang, ist sicher dem gesamten Werk (das auch ein Drama „Doktor Guillotin" und manches noch unveröffentlichte Manuskript umfasst) zugedacht. Für mich bedeuten „Die jüdische Orgel" und ,Dr. Muff" die Krönung seines bisherigen Schaffens, das dem Puhlikuml noch nie mit schmeichlerischer Gebärde entgegenkam. Aber die Ehrung, die ihm zuteil wurde, lässt hoffen, daß sich der Ruf eines jüdischen und menschheitlichen Dichters mehren und verbreiten wird. — Nur seinen Namen wachzuhalten, ist dieses Hinweises Ziel. Erinnerung an Rabbi Moses Mainz s. A. zum 50. Todestag Zu den markanten Persönlichkeiten, die das Werden der Frankfurter Gemeinde entscheidend beeinflussten, gehört der im Jahre 1886 verstorbene Moses Löb Mainz, der allgemein Reb Mosche Mainz genannt wurde. Er entstammte einer in Frankfurt altangesessenen Familie. Der Familienforscher Dietz führt ihren Ursprung bis 1390 in Frankfurt zurück, ein Teil der Familie wohnte auch noch später in Mainz Am 25. März 1622 wurde dem „Löb von Mainz" das Bürgerrecht in Frankfurt verliehen und von dieser Zeit an lässt sich die Stammreihe der Familie! bis in unsere Tage verfolgen. Moses Mainz wurde im Jahre 1805 als Sohn von Löb Herz Mainz und seiner Ehefrau Mathle geb. Rindskopf geboren. Der Vater Löb Mainz, ein angesehener Kaufmann, Hess sich das Haus Bornbeimer-Strasse 12 (später Börnestrasse 52) bauen, das noch heute im Familienbesitz ist. Hier betrieb er ein Manufakturwarengeschäft, das er im Jahre 1834 seinen beiden Söhnen Moses und Michael übertrug, die es unter der Firma L. H. Mainz Söhn'? weiterführten. Seine Tochter Adelheid heiratete den Frankfurter Bürgerssohn Juda Kulp. Schon vonfrüher Jugend an widmete sich Moses Mainz mit grossem Fleiss dem Studium des Talmud, zu dessen hervorragendem Kenner er heranwuchs, sodass sein Name weit über Frankfurt a. Main hinaus bekannt wurde. Die eigentliche Führung des Geschäftes übernahm sein Bruder Michael, um in wahrer am 22. Siwan 5696 brüderlicher Zuneigung Moses die Möglichkeit des Talmudstudiums zu erhalten. Rabbi Mosche vermählte sich mit einer Tochter aus der alten Frankfurter Familie Doktor. Die Firma L. H. Mainz Söhne wurde später in Mainz & Co. abgeändert und von dem ältesten Sohn des Moses Mainz, Samuel, in Gemeinschaft mit Moses Michael Mainz geführt. Die beiden anderen Söhne Michael und Isaac wurden beeidigte Makler an der Frankfurter Börse. Michael wurde als Begründer und Organisator zahlreicher Wohlfahrtsihstitutionen weit bekannt. Die drei Töchter des Rabbi Moses Mainz waren mit Jacob Michael in Hamburg, Löb Goldschmidt und Lassar Mainz in Frankfurt verheiratet. Der Ruf des Rabbi Moses Mainz alä Talmudgelehrter war ausserhalb unserer Stadt nicht geringer als hier. Mit auswärtigen Gelehrten pflegte er regen Verkehr und nicht selten erhielt er ihren Besuch. Mit dem berühmten Pressburger Rabbiner Rabbi Schmuel Binjomin Sofer (Ksaw Sofer) stand er in wissenschaftlichem Briefwechsel. Im Beth Din des Frankfurter Rabbiners Salomon Trier wirkte er gelegentlich mit und er war der geistige Führer und Meister der Frankfurter Thoragelehrten, die sich allabendlich in der „Schass-Chewra" versammelten, um gemeinschaftlich zu „lernen". Das Lernen war ihm Inhalt des Lebens, und für die Intensität, mit der er sich dem Lernen widmete, spreche eine Begebenheit, die sich in der „Schass-Chewra" zutrug und die für ihn charakteristisch ist: Die Frankfurter Bank, Neue Mainzerstrafye 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte Spareinlagen gegen Sparbuch Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen