Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-04-01 · 8 (4.1935) · p. Seite 304

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
8 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 304 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094420--4612-3099409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 304 Meine Herren, Taiisende unserer jungen Männer und Frauen, die auf ihre innere Stimme hören, strömen aus allen Richtungen der Welt in das Land, um es aus seinem augenblicklichen Zustand der Öde und des Unterganges zu befreien. Diese Menschen haben den Willen, ihrem Lande ihre besten Kräfte und ihre Jugend zuopfern. Sie pflügen in den Bergen, legen die Sümpfe trocken und bauen die Wege mit Gesang und Freude. Diese jungen Menschen haben gelernt, einfache, harte Arbeit zur Heiligkeit einer Religion zu erheben. Wir müssen dieses heilige Feuer auch innerhalb der Mauern dieses Instituts entfachen, das jetzt auf dem Seopusberge eröffnet worden ist. Lasst die einen dieses Jerusalem und die anderen das ewige Jerusalem mit Feuer bauen, denn es heisst: „Du, Gott, hast es mit Feuer verbrannt, und mit Feuer sollst Du es wieder aufbauen". Rabbiner Markus Horovitz s. Zur 25. Wiederkehr seines Todestages Von Rabbiner Dr. Unna, Mannheim A. Am 16. des 2. Adar sind es 25 Jahre, daß Markus Horovitz von uns geschieden ist. Die Trauer um diesen Mann zeigte schon damals, was das deutsche Judentum, was seine Gemeinde, was seine Freunde an ihm verloren hatten. Aber die Bedeutung geschichtlicher Persönlichkeiten kann erst dann voll gewürdigt werden, wenn eine Zeit verflossen ist, wenn wir Distanz gewonnen haben. Die moderne Zeit stellt an den Rabbiner hohe Anforderungen auf den verschiedensten Gebieten, und es waren immer nur wenige, die diesen Anforderungen voll gerecht werden konnten; zu diesen wenigen aber gehört Rabbiner Horovitz. Auf ungarischen Jeschiwoth unter Leitung hervorragender Autoritäten vorgebildet, beherrschte er die rabbinische Literatur wie nur wenige. In der Responsensammlung i -j S"T Ü Ö' deren erster Teil als Festgabe zum 70. Geburtstag von Rabbiner Hildesheimer, deren zweiter Teil vor wenigen Jahren erschien, und deren dritter Teil druckfertig vorliegt, zeigt sich in gleicher Weise sein umfassendes Wissen, die souveräne Beherrschung des Stoffes und die Klarheit der Darlegung: Er stand in Briefwechsel mit den grossen talmudischen Autoritäten des Ostens, die ihn, den deutschgebildeten Rabbiner, als ebenbürtig betrachteten. Und seine Schüler waren begeistert von der Art, wie er die dunkelsten Partien des Talmuds zu durchleuchten und die schwierigsten juristischen Begriffe deutlich zu machen verstand. Aber auch an allgemeiner Bildung überragte er die meisten Fachgenossen. Die Reden, die von ihm gedruckt vorliegen, und die nach Inhalt und Form zum Teil rhetorische Meisterwerke sind, lassen die Weite seines Horizonts erkennen; er beurteilte die Erscheinungen vom Standpunkt des Judentums, aber mit vollem Verständnis für die Strömungen der Zeit. Seine Kenntnis der agadisehen Literatur Hess ihn immer die rechten Anknüpfungspunkte finden, um seinen Worten den vollen Eindruck auf die Zuhörer zu sichern. Diese Vereinigung jüdischen und allgemeinen Wissens charakterisiert auch seine wissenschaftlichen Arbeiten. Wozu immer er sich äussert, ob er eine Einleitung zu den Inschriften des alten Frankfurter Friedhofs gibt, oder ob er die Wohltätigkeit im alten Frankfurt schildert, überall zeigt sich der tief eindringende Blick des Forschers, der Menschen und Dinge von einer höheren Warte betrachtet Wir besitzen bis heute keine jüdische Geschichte, die die Ereignisse von einer ausgesprochenen jüdischen Perspektive aus beurteilt. Dubnow, der heute am meisten gelesene und benützte Geschichtsforscher, huldigt der materialistischen Geschichtsauffassung, und betrachtet die Religion bei dem jüdischen Volk, dem Volk der Religion im ureigentlichen Sinne des Wortes, als Nebensache; er tritt also mit einem Masstab an die jüdische Geschichte heran, der dem geschichtlichen Judentum vollkommen fremd ist. Horovitz hat nur wenig zur Darstellung jüdischer Geschichte beigetragen. Aber dieses wenige, das er uns in den „Frankfurter Rabbinen" geschenkt hat, darf als klassisch bezeichnet werden. Durch die Art, wie er die Meister der Halacha, wie er die Führer der Frankfurter Gemeinde darstellt, wie er sich in das Leben der Menschen, in ihre Freuden und ihre Leiden einzufühlen versteht, lässt er vor uns ein Bild jener Zeiten erstehen, das trotz des Lokalpatriotismus, der seiner Schilderung oft die Färbung verleiht, der Wirklichkeit entspricht. Er wäre berufen gewesen, eine Geistesgeschichte des jüdischen Volkes zu schreiben, weil er wie kein anderer sich in den Geist der Großen unseres Volkes einzufühlen verstand. Diese verschiedenen Seiten seines Wesens waren aber nicht von einander getrennt, sie verbanden sich zu harmonischer Einheit durch seine menschlichen Eigenschaften. Durch seine bezaubernde Liebenswürdigkeit gewann er alle Menschen, durch sein psychologisches Verständnis wusste er immer das rechte Wort zur rechten Zeit zu finden. Den Kenner des Talmud entzückte er durch die geistvolle Methode seiner Talmudforschung, der Mann aus dem Volke fühlte sich angezogen durch die fesselnde Art, wie er das Gotteswort zu deuten und auf alle Verhältnisse des Lebens anzuwenden verstand; und den der Tradition Fernstehenden imponierte er durch sein vielseitiges Wissen, durch sein taktvolles Auftreten und durch sein Verständnis für die Menschen. So zeigte sich an ihm in ganz besonderem Masse die Wahrheit des Wortes unserer Weisen: „Bedeutungsvoller noch ist der Verkehr mit den Weisen als das Lernen von ihnen." Sein umfassendes Wissen und sein klares Urteil Hessen es als selbstverständlich erscheinen, daß man sich in allen Fragen, die die Allgemeinheit berührten, an ihn wandte, daß man in allen Fragen! der jüdischen Politik seinen klugen Rat einholte und bei allen Wohltätigkeitsaktionen seinen Einfluss benutzte. So wurde er in Wahrheit zu einem Führer der deutschen Judenheit. Er wurde DEUTSCHE EFFECTEhUUND WECHSEUBANK v i_i »*# i vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seiCl872 A , . . c,„ u Konstabier Wache ■ 9 ■ . - Auch in den Sfadfen: A.lerhei.ige„sfrasseB9 FRANKFURT AM MAIN u„ . . M Osthafen Höchst a. M. Hanaüerlandstrasse 125 KaiserstraSSe 30 Dalbergsfrasse- 3 Bockenheim - .... . . M*. B - 'Offenbach a. M. Leipzigersfrasse SO ■ H O 1 V I Ci U e£l I e BeratUII g Frankfurierstrasse 54

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.