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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-04-01 · 8 (4.1935) · p. Seite 305

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
8 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 305 (sequence 15)
Language
German
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Seite 305 auch 6tark angefeindet, vor allem wegen seiner Stellung zur Austrittsfrage. Er hat aber niemals ein Hehl daraus gemacht, daß es für ihn nur ein Judentum, das traditionelle, auf der Thora beruhende, gab. Aber trotzdem war er für die Einheit, weil er deutlich die Gefahren vor Augen sah, die durch die Sprengung der Einheit der Gemeinden das deutsche Judentum bedrohen mussten. Und die heutige Zeit zeigt, wie notwendig angesichts der äusseren Lage die Zusammenarbeit aller ist. Er hielt es für richtig, innerhalb der Gesamtheit den Einfluss der Thora geltend zu machen, und er hat dadurch viele, die dem Judentum entfremdet waren, zurückgewonnen. Sein Wirken unter den Andersdenkenden in der Loge und in den Verbänden hat überall das Ansehen des traditionellen Judentums gehoben. Mit Wehmut und in Dankbarkeit erinnern sich besonders die Schüler an seinem Todestage der Fülle der Belehrung und Anregung, die sie dem großen Meister verdanken. Die Gemeinde Frankfurt und das deutsche Judentum aber, sie werden in ihm immer eine der bedeutendsten Persönlichkeiten verehren und sein Wirken für die Allgemeinheit wird allezeit unvergessen bleiben. „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen." Aussprache Denkt an die Erwerbslosen! Zu der unter diesem Titel in der vorigen Nummer unseres Blattes veröffentlichten Einsendung teilt uns der Kulturbund deutscher Juden, Bezirk Bhein-Main, mit, daß er in der Zeit - vom 14. Januar 1934 bis 10. März 1935 2741 Karten an Erwerbslose unentgeltlich abgegeben hat. Wir -bringen diese erfreuliche Mitteilung gern zur Kenntnis unserer Leser und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es dem Kulturbund und allen andeienOrganisationen, die sich mit kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen befassen, künftig möglich ist, der Anregung unseres Einsenders nachzukommen und für_ möglichst viele Veranstaltungen Karten an Erwerbslose im Vorverkauf gegen geringes Entgelt zur Verfügung zu stellen. Die Schriftleitung Kulturarbeit des Monats Kulturbund-Konzert Steinberg macht es sich und seinem Publikum inbezug auf Programmauswahl nicht leicht. Wir wissen ihm dafür Dank. Allzu bequemer Musikgenuss erschlafft, Anspannung weckt neue Kräfte. — Die große Fuge in B von Beethoven, die im Mittelpunkte des fünften Orchesterkonzerts stand, setzt bei Gebenden und Empfangenden viel, sehr viel voraus. Eines der letzten Werke des Meisters, greift sie weit über die Zeit ihres Schöpfers hinaus und gibt uns selbst in der Gegenwart neeh manches Kätsel auf. Das gigantische Ausmass der Themen lässt es begreiflich erscheinen, daß man sie (nach dem Beispiel Weingartners)-heute nicht mehr in der ursprünglich vorgeschriebenen Besetzung für Streichquartett, sondern mittels des orchestralen Klangapparates zur Aufführung bringt. Mit der landläufigen Routine ist dieser abstrakten, im höchsten Sinne vergeistigten Kunst gegenüber nichts auszurichten. Es gehört ein Wissen um- M. Helberger Nachf. Mme Georgette Modesalon Fernspr. 24838 Frankfurt-M. Goethestr. 17 die Eigengesetzlichkeit ihrer Formgebung, um die Tiefe ihres Gehalts dazu, damit eine zureichende Wiedergabe zustande komme. Es lässt sich nichts Besseres zum Lobe Steinbergs und seiner Streicher sagen, als daß sie dem Anspruch des Werkes gerecht wurden. Es ehrt auch die Zuhörer, daß sie, nach dem Beifall zu schliessen, sich des Exzeptionellen der Leistung bewusst wurden. Vom Beethoven der Fuge führt ein direkter Weg zurück zu Joh. Seb. Bach, dessen 5. Brandenburgisches Konzert den Abend einleitete: Musik von einer inneren Festigkeit und gesicherten Grundhaltung, wie sie unsere zerrissene Zeit trotz allen Bemühens nur'ersehnen, nicht selbst schaffen kann; Musik, die (im Gegensatz zu der Beethovens) jenseits von allem kämpferischen Ringen zu stehen scheint, und doch alle menschlichen Inhalte in sich fasst. Sie braucht nicht die Fasade, um festlich zu erscheinen, sie darf schlicht sein, da sie groß ist. So wie sie von Bach gemeint sein mochte, erklang sie diesmal: innerlich gespannt, aber nicht prätentiös aufgetragen, werkgetreu und doch aus eigenem Erleben gespeist. In wacher Bereitschaft fanden sich Solisten und Orchester zu einhelligem Musizieren zusammen. Steinberg, der nach der Gepflogenheit früherer Epochen als Pianist und Dirigent zugleich fungierte, wusste als „primus inter pares" zu führen, ohne sich vorzudrängen. Ihm zur Seite wirkten Annie Steiger-Betzak als technisch firme, frisch zupackende Geigerin und der gewandte, grundmusikalische Flötist Erich Töplitz. Mozarts Es dur-Symphonie entliess die Hörerschaft in jener Stimmung echter und nachhaltiger Heiterkeit, die nur durch wirkliche Kunst ausgelöst werden kann und die weit erhaben ist über die (auch in unseren Kreisen noch so beliebte) „Stimmung", die von Kunst-Surrogaten geschaffen wird. Freudig, aber auch nachdenklich ging man vom Konzert naclihause. Diese Frage drängte sich auf: Wird das Orchester, das uns das Erlebnis schenkte, erhalten bleiben können? Daß sie mit „Ja" beantwortet wird, dafür muß die jüdische Oeffentlichkeit sorgen. Sie kann und darf die Künstler und sich selbst nicht im Stiche lassen. Dr. E. Künstlerischer Abend der Samson Raphael Hirsch-Schule Ein Konzert und die Uraufführung einer Dichtung von Alfred Auerbach „Jehuda Halevi" hatte eine zahlreiche Hörerschaft im großen Saalbau vereinigt. Aus dem begeisterten Beifall, der fast allen Nummern des Programms gespendet wurde, darf man schliessen, daß sich das Publikum von dem Gebotenen in hohem Masse befriedigt gefühlt hat. Ein kritischer Beurteiler wird erhebliche Unterschiede in der Beurteilung zu machen genötigt sein. Er wird sich nicht mit dem „Krönungsmarsch" von Meyerbeer in dieser derben Darstellung weniger noch mit Werken von der Belanglosigkeit einer „Hebräischen Rhapsodie" von Levandowski einverstanden erklären. Auch bei den Chornummern SEDER-BECHER ■ SEDER-SCHÜSSELN in reicher Auswahl Juwelen - Trauringe - Armbanduhren Zuchtperl ko Iiiers Uhren-Reparaiuren, bestens und preiswert Bestecke in echt Silber und versilbert POSENiDOSEN SILBERSCHMIEDE KAISERSTR. 5 ' . W- FRANKFURT AM MAIN

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