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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-04-01 · 8 (4.1935) · p. Seite 303

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
8 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 303 (sequence 13)
Language
German
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Seite 303 wie weit sie anderen, allen anderen zugestanden werden. Wenn der Jude seine Lehre von der Menschheit denkt und kündet, dann gibt es eine Gewähr für ihn, daß es nicht Phrase und Schwärmen bleibe: die Gewähr vom Wissen um diq eine, gleichberechtigte Menschheit, in der es nie Freie und Unfreie, nie Kechtbesitzende und Rechtsohnmächtige auf die Dauer geben kann. Daß es das nicht kann, weiss der Jude, weil es ihm unvergesslich ist: „denn Fremdlinge wart ihr im Lande Ägypten". Daß sein Bild von der Menschheit ihm nicht entgleise, daß Freiheit ihm nie einseitig werde, dafür sorgt seine ägyptische Zeit. Das ist die andere Seite der Weise von der Freiheit: Forderung— an alle. Erwarten — von allen. Geschichte zweite Weise. Geschichte nicht als blosse Erinnerung, Geschichte Ort ewig neuer Bestätigung. Völker vor unserem Volke erfuhren ihren Gott in der Natur, in ihr allein. Völker nach unserem Volke erfahren ihren Gott in der Natur. Judenvolk erfährt seinen Gott immer wieder in der Geschichte. Wann immer Geschichte an dieses Volk herantritt, dann erfährt es seinen Gott. Und immer wieder ist es derselbe Gott, der ihm zugeeignet ward im Erleben der ersten Grundtat seiner Geschichte; in der Tat am Schilfmeer. Darum kann für den Juden Geschichte ihren herbsten Zug verlieren; sie ist nimmer verschwistert dem Tode. Dem Juden allein ist Geschichte am Ende nicht Tod, sondern ewige Bestätigung. Es ist das Wissen um diese Bestätigung, wenn aus den Tagen des Gedenkens jener ersten geschichtlichen Begegnung hinaus in das Gebet seines Alltags das Lied vom Schilfmeer drang. Der Jude kann es jeden Tag beten, weil jeder Tag — wie jene Zeit, an die Pessach erinnert — ihm Geschichte und Bestätigung bringen kann. Es ist aber tiefste Zueigennahme jener Bestätigung, wenn dieses Gebet, in besonderer Form vorgetragen, den Tag einleitet, an dem ein junger Jude in die Gemeinschaft aufgenommen wird, den Tag der Brith-milah. Nicht nur an Pessach, jeden Tag, sein ganzes Leben als Jude hindurch, steht er gewärtig der Dinge vom Schilfmeer. Wo aber Geschichte so ewig gleich spricht, da verliert sie auch noch einen anderen, den ihr wesentlichsten Zug: da wird Geschichte Gegenwart. Für den Kurzatmigen mag das beklemmend sein; das Bewusstsein, was war, wird immer wieder sein. Für den Verständigen muß es aber erleichternd darum sein, weil es das unbegreifbar Gegenwärtige im Rahmen des immer Wiederkehrenden begreifbar und damit tragbar macht. Es so tragbar zu machen, ist die Absicht des an den erhabensten Tagen unseres Jahres wiederkehrenden Refrains: secher lijziath mizrajim, Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Was damals dem Volke als Aufgabe mit auf den Weg gegeben wurde, es wird kund im stets gleichbleibenden Geschicke des Juden. Sein Leiden ist das Leiden der Jahrtausende, sein Bestehen das Bestehen der Jahrtausende. Das Heute nur Erinnerung an das Gestern, das Gestern nur Erinnerung an das Vorgestern, sie alle nur Erinnerung an die Zeit von Aegypten und secher lijziath mizrajim. Zukunft, die dritte Weise. Zu spüren an so manchem Brauche und an so mancher Anordnung von Pessach. Etwa Pessach als die Zeit des Frühlings, der Zeit, die nur Zukunft trägt, Blüte und beginnendes Ernten. Pessach mit seinem Lied von der Liebe und vom werbenden Gelöbnis; beides gedacht von'Gott und Israel und damit Israels heiligste Kraft für den Weg in die Zukunft. Zukunft aber am sinnfälligsten aus der Begegnung am Tische der Sedernächte sprechend, aus der Begegnung von Wanderbrot und Elijahbecher. So treten sie einander gegenüber, ergänzen sie einander: das Brot ewiger jüdischer Zukunft, das Brot vom Wandern. Armseliges Brot. Und der Becher ewiger jüdischer Zukunft, der Becher vom Harren auf die Erlösung. Reicher Becher. Wer nur aufs Brot sieht, könnte verzweifeln, wer nur auf den Becher sieht, könnte Phantast werden. Wer beide sieht, kann zur Zukunft schreiten. Auf dem Tisch der beiden Nächte begegnen sie sich. Wir lernen an diesem Tische, wir lassen uns sagen und erzählen. Wir lernen von diesem Tische. Sie -werden sich in aller jüdischer Zukunft begegnen, das Brot und der Becher, das Wandern und das Harren. Wir wollen lernen, sie zusammen zu sehen! Pessach hat seinen Zukunftswuiiseh: leschanah habaah.. I Früher im Laufe des Jahres vergessen, heute im Laufe des Jahres begriffen. Begriffen aber doch nur aus dem Geiste des Brotes vom Wandern. Wo dieser Wunsch sieh nur diesem Geiste vermäh- ■ len kann, da behält Zukunft das Wesen des Wanderhaften, das Unsichere. Wo der Wunsch sich aber vermählen kann dem Geiste des Bechers des Harrens, da wird Zukunft erfüllt von der Sicherheit des sicheren Zieles. Leschanah habaah: einen Schritt näher am Ziele! Jeder, dessen Seele fragt, hole sich Antwort aus den Tagen von Pessach. Jeder, der mit uns Pessach fragen will, komme und frage mit uns! Zehn Jahre Hebräische Universität Jerusalem Am 10. April blickt die Hebräische Universität Jerusalem auf ihr lOjähriges Bestehen zurück. Die Judenheit der ganzen Welt entbietet zu diesem Festtage ihre hoffnungs- ' vollen Wünsche. Aus der bei den Eröffnungsfeierlichkeiten gehaltenen Ansprache Ch. N. B i a 1 i k s bringen wir einen Auszug zum Abdruck: „... Meine Herren, es gibt eine alte jüdische Legende, die erzählt, daß in den Tagen unserer Erlösung alle Synagogen und Schulen in der Gallith mit ihren Fundamenten herausgehoben und nach Palästina versetzt würden. Natürlich kann diese Legende nicht so völlig in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Das Institut für Thorawissensehaft und Lehre, das jetzt auf dem Scopusberge errichtet worden ist, wird sehr verschieden in Aufbau und Inhalt von der Art der alten Schulen sein. Aber meine Herren, zwischen den Ruinen jener alten heiligen Institute ruhen immer noch edle Steinreste, die als Grundsteine für unser neues Institut gute Verwendung finden. Möge uns die Weisheit vergönnt sein, die Lehre und Wissenschaft, die aus dem Institut erwachsen sollen, zu jener moralischen Größe zu'fördern, zu der unsere Vorfahren die Thora gebracht haben. Wir würden es nicht verdienen, diesen großen Tag zu feiern, würden wir uns nur mit einer blossen Nachahmung der Taten anderer Nationen begnügen. Da wir wissen, daß echte Weisheit von allen Völkern geformt wird, werden wir alle Fenster und Tore dieses Institutes nach allen Richtungen öffnen, um all das Gute und Erhabene hereinzulassen, das immer war und weiter vom menschlichen Geiste geschaffen wird. Da wir jedoch keine Neulinge im Reiche des Geistes sind, wissen wir, daß, indem wir von anderen lernen, wir auch von uns aus etwas hinzuzufügen haben; und ich vertraue darauf, daß dieselben moralischen Prinzipien, die wir als fundamental für unsere Schulen erkannt haben, und die wir in unserer Thora als Perek Kin.ian TTatorah können, Besitz der ganzen Menschheit werden sollen. Jeder vferfeMensd t Wß «L * der die 40er Jahre J*> überschritten hat ist durch Arterien-Verkalkung gefährdet Vorboten beachten, ehe es zu spät ist! Rechtzeitig vorbeugen I DISARTERON hilft! Zahlreiche Ärzte bestätigen die überaus günstigen Erfolge dieses reinen 4-Pflanzen-Präparates. In allen Apotheker» erhältlich. Ausführliche Broschüre erhallen Sie durchs Oeieciiee g«.bJ*» FwnHmt»*

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