Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 8 (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 187 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3094266-3094386-3094394--3525-3098300- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 187 Münzsorte einen unlauteren Gewinn zu erzielen. Allerdings war man sich auch schon seit langem im klaren darüber, daß sich das Münzwesen in den meisten deutschen Staaten nach den Befreiunirskriefren in einem schlechten Zustand befunden hatte und daß vor allem die technische Einrichtung der Münzwcrkstätten es nicht mehr ermöglichte, den Bedarf an kleinen Münzen zu decken. So waren z. B. in Preußen seit de-m Jahre 1^08 keine Scheidemünzen mehr crenrägt worden. Geringwertige Münzen, ja Spielmarken und Knöpfe sollten damals -diesem Mangel abhelfen, der um so fühlbarer war, als die sich im Rheinland und Westfalen entwickelnde Industrie kleinste Zahlungsmittel benötisrte. Die Selbsthilfe der Bevölkerung, bezw. die Findigkeit einiger Leute brachte dann einen Ersatz zustande, eben die ,.Frankfurter Judenpfennisre". (Fr. v. Schvötter, das preußische Münzwesen, 1806—1873, Band T, S. 91.) Diese währunerstechnische Seite hatte man also wohl erkannt, ohne daß man aber weiter feststellen konnte, wer diese Pfennige eigentlich gemacht hatte, bezw. wo man ihren Herstellunsrsort zu suchen hatte. Man schob diese etwas peinliche Antrelesrenheit einfach den Frankfurter Juden in die Schuhe. Noch in dem 1930 erschienenen Handwörterbuch der Münzkunde S. 288/89 wird diese Ansicht vertreten und mit Genustunng festgestellt, daß die nach einigen Jahren scharf gebandhabte Münzpolizei diesem Unfug ein Ende bereitet hat. Durch die neuen Feststellunsren von R. Ohly sind wir aber jetzt über die genauen Umstände, unter denen diese Judenpfennisre geschaffen wurden, besser unterrichtet (Frankfurter Münzzeitung, Neue Folsre. Jahrpransr' IT (1931), Seite 290ff). Danach steht es einwandfrei fest, daß wir es mit einer Art Notgeld zu tun haben, das unter staatlicher Duldung solange einen tatsächlichen bestehenden Bedarf deckte, bis sich Mißbräuche einstellten. Es wurde in Darmstadt, teilweise auch in Eneland hergestellt; Frankfurt war wahrscheinlich nur Hauntvertriebsstelle, nicht aher Ort der Präffunir. Die großen Drahtzieher der «ranzen Transaktion waren die christlichen Inhaber der Firma Gebrüder Heitefuß in Frankfurt. Der Name „Judenpfennig" erklärt sich wohl daraus, daß diese Scheidemünzen durch Frankfurter jüdische Händler und Wechsler verbreitet wurden. Uebrigens gab es damals in dieser Angelegenheit, die wie gesagt durch die münztechnische Unzulänglichkeit Preußens entstanden war, einen größeren Prozeß. Ein Kölner Geldwechsler, bei dem man eine Menge der Münzen gefunden hatte, wurde mit acht seiner (QTößtenteils jüdischen) Abnehmer wegen Münzvergehens angeklagt, aber dann freigesprochen, weil die beschlagnahmten Münzen kein landesherrliches Gepräge nachahmten. Die Medaillen der Neuzeit gelten entweder einzelnen Syr.agogengemeinden. religiösen Vereinen oder verdienten Einzeloersönlichkeiten, besonders Jxibilaren. Die älteste Gedenkmünze der ersten Gruppe stammt aus dem Jahre 1852 und bezieht sich auf die Einweihung der alten Synagoge der Israelitischen R e 1 i g i o n s g e s e 11 s c h a f t in " der Schützenstraße. eine spätere aus dem Jahre 1882 gedenkt der Einweihung des Gotteshauses am B ö r n e p 1 a t z. In beiden Fällen ist auf dem Avers eine Ansicht -der Synagoge von einer hebräischen Inschrift umgeben zu finden, während der Revers den Zweck der Medaille in deutscher Sprache mitteilt. 1901 wurde anläßlich des Synagogenbaus eine Medaille herausgegeben und schließlich eine Plakette zur Einweihung der Synagoge an der Friedberger Anlage. Auch die Frankfurt-Loge hat das Fest ihrer Gründung am 8. Januar 1888 durch das Schlagen einer Medaille gefeiert, die nach der Mitteilung des Graveurs Oppenheim nur in drei Exemplaren vorhanden sein soll, da der Stempel dann sofort vernichtet wurde. Das Auffinden von geeigneten jüdischen Symbol zeichen hat den Künstlern damals genau so wie heute viel Kopfzerbrechen bereitet. Die Motive auf der zuletzt genrnnten Medaille sind hierfür ein interessantes Beispiel: auf der Schauseite sehen wir den Davidsstern, in dessen Mitte der Frankfurter Adler hineingepaßt ist, während die Ecken die Buchstaben U. 0. B. B. F.L. enthalten: auf der Rückseite liegen die Gesetzestafeln inmitten zweier, zu einem Kranze gebotenen Lorbeer- und Eichenzweige, hinter ihnen erscheint eine Strahlengloriole mit dem Logenzeichen, während zur Rechten noch ein'Löwenkopf sichtbar wird. Merkwürdigerweise sind sowohl die Medaille auf die Frankfurt-Loge, wie auf die Einweihung der Synagoge Börneplatz gefälscht worden; die städtische Sammlung besitzt ein solches Kupfergalvano, bzw. einen Nachguß in Silber. Das letzte Stück in dieser Reihe ist jene Medaille, "die anläßlich des hundertjährigen Jubiläums des Plvilanthr o pi n s im Jahre 1904 geschaffen wurde. Gedenkmünzen auf Frankfurter jüdische Gelehrte oder Schriftsteller gibt es nur sehr wenige. Von Boerne existieren zwei Porträtmedaillen aus Bronze aus de;u Jahre 1836 und 1837. angefertigt von dem Pariser Stempelschneider David. Da G a b r i e 1 R i e ß e r 1836 seine ..Jüdischen Briefe" in Bockenheim schrieb, sei erwähnt, daß im gleichen Jahre, ihm, „dem Streiter für Recht und Freiheit" von seinen hamburgischen Glaubensgenossen eine Medaille gewidmet wurde. Auf der Schauseite ist unter einer Devise: „Haben wir nicht alle einen Vater — hat uns nicht ein Gott geschaffen?" eine allegorische Darstellung, die die jüdische und christliche Religion charakterisiert. Neben einer zwei Kinder stillenden Figur mit einen Heiligengloriole sitzt links die das Christentum verkörpernde Frauengestalt, den linken Arm auf einen Altar mit Büchern stützend, während rechts eine dritte Frauengestalt vor den Gesetzestafeln gefesselt kniet. Aus neuerer Zeit gibt es eine Medaille auf den Begründer der Frankfurter Zeitung, Leopold Sonnemann, sowie eine Plakette auf den verstorbenen Frankfurter Orientalisten Josef Horovitz (aus dem Jahre 189S) und eine andere, sehr bekannte auf dessen Vater. Rabbiner Dr. Markus Horovitz; diese beiden letzten Plaketten sind von einem Sohne des Rabbiners, Leo Horovitz, geschaffen, der auch den Philanthropen Charles L. Ha 11 garten und den Philosophen Hermann Cohen verewigt hat. Ein anderer in Frankfurt ansässiger Künstler, der Bildhauer Benno Elkan, hat neben der Groß-Plastik auch die bescheidene aber edle Kunst der Medaille mit großem Erfolge gepflegt; aus der großen Reihe seiner Biklnismedaülen seien diejenigen auf Deruburg. Döblin und Einstein erwähnt. Schon vor 100 Jahren war übrigens der Berliner Jude Abrahamson der geachtetste Medailleur seiner Zeit. AlsKuriosum sei noch eine Gedenkmünze aus dem Jahre 1869 erwähnt, die von der Pariser Münze im Auftrag Napoleons III. angefertigt wurde, um durch drei repräsentative Gelehrte die wichtigsten astronomischen Entdeckungen de>- Zeit zu verherrlichen. Neben einem englischen und deutschen Astronomen sollte Her m a n n (Hayum) G o 1 d - s c h m i d t Frankreich vertreten, wo dieser Forscher zwar Jahrzehnte lang gelebt hatte, ohne jedoch seine deutsche Staatsangehörigkeit aufgegeben zu haben. Goldschmidt, ein geborener Frankfurter, hatte sich, nachdem er einige Jahre als Kaufmann und Maler gelebt hatte, ganz der Sternkunde zugewandt und in ihr Ausgezeichnetes geleistet: u. a. hat er vierzehn kleinere Planeten entdeckt. Die Gruppe der Medaillen auf andere, durch kommerzielle oder philanthropische Taten bekannt gewordene Frankfurter .Juden wird zeitlich durch eine 1836 hergestellte Gedenkmünze auf Nathan Mayer von R o t h s c h i ld^ eröffnet, jenen Bruder der fünf Frankfurter, der das Londoner Ha.us Rothschild begiiindete. Auf seinen Bruder Salomon Mayer, den Chef der Wiener Bank, wurde 18-14 anläßlich seines 70. Geburtstages eine Medaille geschlagen. Beide Prägungen zeigen künstlerisch sehr schön durchgeführte Porträts. Anläßlich der goldenen Hochzeit des Barons Wilhelm Carl von Rothschild und der Baronin Mathilde ließ die Israelitische Religionsgesellschaft 1899 eine Gedenkmünze herstellen, auf deren Vorderseite eine liuienatificht ihrer Synagoge in der Schützenstraße gegeben ist. Ursprünglich gab es nur das eine Goldexemplar für die Jubilare, im Jahre 1902 wurden aber noch ein weiteres Stück in Gold, 15 in Silber und 5 in Bronze angefertigt. (Frankf. Münzzeitung. Jahrg. 19(2, Nr. 24). Mit dem Namen Rothschild ist seltsamerweise auch der Taler und Doppeltaler vom Jahre 1857 verknüpft. Diese Geldstücke bringen auf dem Avers die Büste einer bekränzten weiblichen Figur mit reichem Schmuck, das Bild der Francofnrtia. Im Volke war damals allgemein der Glaube verbreitet, daß eine bekannte Schauspielerin hierfür .Modell gesessen hätte; diese Stücke wurden vor Jahrzehnton gerne in Amerika gekauft, da man annahm, daß hier eine Geliebte Rothschilds dargestellt sei, woraus sich die amerikanische Bezeichnung dieser Stücke ^Rothschild love-dollars" erklärt. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann man auch in bürgerlichen Kreisen bei besonderen Anlässen Gedenkmünzen schlagen zu hissen, eine Tatsache, die durch den wachsenden Wohlstand weiter Kreise und der aufkommenden Tendenz nach Repräsentation verständlich wird. Außerdem handelt es sich gerade in Frankfurt bei den Personen, die Münzen schlagen ließen, oft um solche, die irgendwie etwas mit Numismatik im weitesten Sinne — beruflich oder als Liebhaber — zu tun hatten. Charakteristisch für diese neue L.EPSTEIN Hl Schülerstrasse 2 I I Herren- und Damenwäsche I Strumpfwaren Ein Spezialgeschäft wie Sie es suchen! I Beste Markenartikel j ||| Grosse Auswahl llllll Fachgemäße Bedienung