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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-04-01 · 8 (4.1933) · p. Seite 186

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
8 (4.1933)
Date
1933-04-01
Page
Seite 186 (sequence 8)
Language
German
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Seite 186 Jadenbrand-Medaille Abb. im Besitz von Dr. Jul. Cahn ihn axif ihr als den gerechten Richter über Leib und Leben der Juden darstellte. Da Kuno nur in Frankfurt als Münzherr erwähnt wird, darf trotz des Fehlens einer Inschrift geschlossen werden, daß dieser Brakteat mit dem Bild eines jüdischen Münzmeisters und der hebräischen Umschrift dort geschlagen wurde oder zumindesten der Stempel für die Münze in dieser Stadt hergestellt wurde. Ob es ein jüdischer Stempelschneider gewesen ist, der den Prägestock herstellte, muß offen bleiben. Die Münze ist wie alle anderen des Fundes in reinem romanischen Stil gehalten, die hebräische Umschrift aber ebenfalls vollkommen unverfälscht. Cahn meint, daß die Darstellung von einem christlichen Meister, die Inschrift von einem Juden gemacht worden ist. Die nächste Medaille, die wir hier anführen wollen, bezieht sich nur mittelbar auf die Geschichte der Frankfurter Juden. Sie ist ungefähr im Jahre 1619 auf Johann Martin Bauer von Eyseneck geschlagen worden, auf jenen Mann also, der sich ein paar Jahre früher bei der Unterdrückung des Fettmilch'schen Aufstandes ausgezeichnet und auf Grund seiner Verdienste es bis zum Stadtschultheißen, zum kaiserlichen wirklichen Rat und zum Adel gebracht hatte. Für ungefähr 100 Jahre treffen wir dann auf keinerlei Gedenkmünzen, die irgendwie von jüdischem Interesse sind. Erst eine traurige Episode in der Geschichte der Frankfurter Judenheit, die Feuer&brunst vom Jahre 1711, der sogenannte „große Judenbran d", gab Veranlassung, durch eine Reihe von Medaillen ein besonderes Ereignis in der Judengasse dein bleibenden Gedächtnis zu überliefern. In einem Jahr wurden nicht weniger als vier Gedenkmünzen geschlagen; kein Wunder also, daß diese thematisch, wie künstlerisch ganz aus dem allgemeinen Rahmen herausfallenden „J u d e n b r a n dm e d a i 11 e n" sehr bekannt geworden sind und seit jeher als d i e Medaillen zur Frankfurter jüdischen Geschichte gelten. Auf dem vielleicht frühesten Typ ist die Schauseite (eine Ansicht Frankfurts und Sachsenhausens an den Ufern des mit Schiffen reich belebten Mains gelegen) noch von einer älteren Münze vom Jahre 1696 übernommen. Auf das besondere Ereignis weist erst die Kehrseite hin, auf der wir folgende Reimverse lesen: Inner vier und zwantzig. Stunden hat das Feuer was es funden in der Juden Gas verzehrt doch blieb alles unversehrt was der Christen Wohnung war man schrieb damahls Tag und Jahr MDCCXI den 14. Januar. Auf den späteren Judenbrandmedaillen nimmt auch die Schauseite auf das Ereignis Bezug. In allen drei Fällen sehen wir einen Mann und eine Frau in der charakteristischen Judentracht des frühen 18. Jahrhunderts mit ihren beiden Kindern jammernd vor den Trümmern eines brennenden Hauses stehen, das Ganze bekrönt von dem lateinischen Spruch: ac bonum quod sie probat. Lateinisch ist auch der lange Text auf der Rückseite:. » o fatvm mirabile non minvs ac miserabile hem felicem infelicissimuin diem FRANKFURTER GEWERBEKASSE EG-MBH' GEGR. 1862 BANK UND SPARKASSE DES ERWERBSTÄTIGEN MITTELSTANOES bstraSssL Annahme von Scheck.-Depositen - und Spareinlagen auch von Nichtmitgliedern quo Francofvrti ad Moenum Jvdaeoruan conflagrata platea Rabbi Naftali Polono causante XXIV hör. spatio fvnditvs exvsta salvo receptacvlo pvlveris pyrei salvisque omnibvs christianorvm domhiibvs qvae platea reparato DXXIII Martii Synagoge fvndamento iam ex rvderibus svrgit. Es sei nur kurz erwähnt, daß sich auch in der übrigen Kunst der damaligen Zeit Spuren dieses historischen Ereignisses feststellen lassen. Bekannt ist vor allem ein Schabkunstblatt, das in Rembrandtscher Manier den Rabbi Naftali Hakohen mit zwei Schülern in seinem Studierzimmer zeigt. Da sich im Laufe des Jahrzehnts noch drei weitere große Brände ereigneten (am 9. Oktober 1711 brannten 14 Häuser in der Fahrgasse nieder, am 2G. Juni 1719 über 400 inmitten der Stadt, der sogenannte „große Christenbrand", und am 28. Januar 1721 nochmals 115 Häuser im Ghetto) gab der Stempelschneider Christian W e r - muth aus Gotha, der mi£ seinen drei Judenbrandmedaillen anscheinend ein gutes Geschäft gemacht hatte, eine weitere Gedenkmünze auf diese Unglücksfälle heraus. Auf der Schauseite ist eine vom Süden her gesehene Ansicht der Stadt mit brennenden Häusern in den östlichen und westlichen Vierteln dargestellt. Auf (der Kehrseite istehen die folgenden merkwürdigen Verse: Jud! was hilfft Deine Kunst, Dein Schemhammephoraseht? Der Malach Esch spricht: Dunst! Dein Zeuhren mich nicht hascht. Wenn Du nicht Tschuba thust Und Rab Jeschua ehrst Im Esch verderben must, ob Du schon Battiim mehrst. Als Joseph und Fellner 1896 ihr Standardwerk über die Münzen von Frankfurt am Main herausgaben, war ihnen noch unbekannt,, daß es auf diese Medaille eine Erwiderung ebenfalls in Medaillenform gibt, ein Vorgang, den wir mehr von der Polemik der Flugblätter gewohnt sind, bei denen immer eins auf die Vorwürfe des anderen antwortet. Bei der Herausgabe des I. Ergänzungsbandes zu dem erwähnten Werk im Jahre 1903 war dieses Stück noch nicht aufgetaucht, es ist erst im zweiten Supplementband, der 1920 erschien, verzeichnet. Das bisher nur in einem Zinnexemplar belegte Stück, das sich heute in der Städtischen Münzsammlung befindet, hat die gleiche Größe von 45 mm wie sein Gegenstück, die gleiche Stadtansicht, aber folgenden Text auf der Rückseite: Christ, rümm und prahle nicht, Daß Jüdenhäusser brennen Die Sache besser rieht; Sich einen Christen nennen Ohn Büß und Glaube — macht, Daß Räch und Feuer erwacht, Wenn Du in Sicherheit Und Lust zubringst die Zeit. * Auf wessen Veranlassung gerade diese judenfreundliche Münze zurückgeht, ist bisher leider noch nicht geklärt worden, wie denn überhaupt die beiden Medaillen vom Jahre 1721 bisher kaum beachtet wurden. . Die großen Ereignisse am Ende des 18. und in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts haben zu keinerlei jüdischen Gedenkmünzen geführt. Die Tolerierungsbestrebungen einzelner Fürsten und Episoden in dem Kampf um die Emanzipation haben wohl an manchen Orten Veranlassung zum Prägen einzelner Medaillen gegeben, nicht aber in Frankfurt. Nur ein Stück dürfen wir vielleicht in diesem Zusammenhang erwähnen: eine vom Jahre 1848, anläßlich einer in Heidelberg abgehaltenen Vorberatung zur Gründung eines deutschen Parlaments. Auf der Kehrseite dieser Münze wird neben Preßfreiheit, Verfassungseid des Herrschers, Ministerverantwortlichkeit, Polizeigesetzbuch und anderen demokratischen Institutionen auch ausdrücklich die Judenemanzipation gefordert, ein Beweis einerseits für die Unvoreingenommenheit und die lautere Gesinnung der Herausgeber, aber auch andererseits der Tatsache, wie stark die Emanzipation der Juden damals noch zu wünschen übrig ließ. Mit dieser 1848er Medaille ist die Zahl der älteren Prägungen erfaßt. Bevor wir zu den neueren Stücken übergehen, müssen wir eine Reihe von kleinen Münzen erwähnen, die an und für sich nichts in dieser Liste von Gedenkmünzen zu tun haben, die wir aber erwähnen müssen, wenn wir uns ein vollständiges Bild von all den mit den Frankfurter Juden zusammenhängenden und in Zusammenhang gebrachten Münzen geben wollen. Es handelt sich um die sogenannten „Frankfurter Judenpfennige", kupferne Heller und Pfennige, die etwas leichter als die gesetzmäßigen sind und mit Phantasienamen wie „Atribuo, Theler, Halbac" und Phantasiebildern wie einem Schild mit zwei Tonpfeifen, einem Arm, einem Hahn, Kranz und so weiter um 1820 herauskamen. Früher hielt man sie für Produkte, die man mit rein betrügerischer Absicht hergestellt hatte, um durch Massenabsatz dieser minderwertigen

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