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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-09-01 · 1 (9.1932) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
1 (9.1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 schlecht als rocht die fehlenden Chormitglieder ersetzte! Ach, die gute alte Zeit! Seckbachs Nachfolger im Amt ist Dr. Nathan Ehrenreich. Unter den Sängern möchte ich, ohne die Verdienste der, Gottlob, noch unter uns weilenden und noch fröhlich singenden Freunde schmälern zu wollen, ein Denkmal setzen den nun in Gott ruhenden Männern Emil ßchwab a eh e r und Felix Horovitz: In Liebe und Treue haben sie jahrzehntelang zur Verschönerung unseres Gottesdienstes beigetragen, isch k'mat'nas jodau, ein jeder nach seinem Können. — Wenn ich unserer Sänger im Dienste des Herrn denke, muß ich auch derjenigen Erwähnung tun, die alljährlich um die Zeit der Jomim naüroim vor das Vorbeterpult traten, ihrem Herzensdrange und dem Wunsch der Gemeinde folgend. Unvergeßlich bleibt uns das N'iloh-Gebet des sei. Rabbiners Horovitz. Mit wohlklingender Stimme, voll Innigkeit und Herzenstiefe intonierte er in Altfrankfurter Art den N'iloh - Kaddisch, Andacht heischend und Stimmung schaffend für jedes einzelne Gebetstück in der sonst in diesem Moment leicht erschlaffenden Gebetgemeinschaft, die geläufigen Plsmaunim in streng traditioneller Melodie mit ungewöhnlicher Innigkeit zelebrierend. Endlich, nach dem Owinu malkenu und dem Altfrankfurter Schluß-Kaddisch stieg er, mar'eh kauhen, einem Hohepriester gleich, zum „Allerheiligsten" empor. Nach einer kurzen Ansprache, alljährlich meist in gleichen Gedankengängen sich bewegend und doch immer wieder packend, weil immer anders, aus dem Moment geboren und geformt, wirkten die Mahnungs- und Tröstungsworte kraftvoll und kraftspendend. Sie führten zur höchsten Höhe menschenmöglicher Gottesnähe, wenn aus dem Munde des beliebten und verehrten Rabbiners das „Höre Israel!" als Glaubensbekenntnis der ganzen Gemeinde in die zahllos versammelte Menschenmenge hinein und wieder aus ihr heraus ertönte. Das waren Augenblicke von solcher unmittelbaren Wirkung einer gewaltigen, götterfüllten Persönlichkeit, wie sie selten erlebt werden und wie wir uns glücklich schätzen dürfen, sie erlebt zu haben. Das Gotteshaus am Börneplatz in seinem alten Schimmer darzustellen, ohne des getreuen Ekkeharts der Rabbiner, des zielbewußten Verfechters des Einheitsgedankens innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, ohne Wilhelm P o s e n s zu gedenken, geht nicht an. Ihm verdanken wir — was unsere Synagoge betrifft — die Aufrechterhaltung der Arba Zaumaus, der vier Frankfurter Fasttage. Man mag über die heutige Art der Begehung dieser historischen Gedenktage der alten Frankfurter K'hiiloh denken, wie man will — sie sind die letzten sichtbaren Zeugen Altfrankfurter Geschichte und Heimattreue. Wilhelm Posen widmete ihnen ein Schriftchen, den Text der vorgeschriebenen S'lichaus enthaltend. Er gehörte auch zu der kleinen Zahl der oben erwähnten Laien vorbei er und durfte mit besonderer Erlaubnis seines Raw, der sonst grundsätzlich nur dem Berufsvorbeter den Omud wahrte, am Jaum kippur das MincholnGebet verrichten. Auch dies ein Erlebnis eigener Art! Die typische alte Sangesweise des Ghettos streng bewahrend, klingt uns sein Vortrag der AI chatoim- Sätze mit der auffallenderweise gleichfalls typischen näselnden Stimme noch heute in den Ohren, ein Spiegelbild der halb noch in Sündhaftigkeit bewußt verstrickten, halb schon hoffnungsfroh dem Verzeihen des Tauw w'ssaloch, des allgütigen Gottes hingegebenen Menschenseele. So können wir Modernen die Stimmung des ganz im Geistigen versunkenen Beters kaum noch erreichen. Dann war es eine folgerichtige spontane Ovation, die nach der Synagogen-Ordnung sonst keinem Vorbeter dargebracht ward, daß die ganze Gemeinde nach seinem originellen Schlußkaddisch einen lauten Dankesruf ertönen ließ. — Der Dritte im Bunde war der oben schon genannte R a p h a-e 1 Ettlinger, auch eine Gestalt aus der immer mehr entschwindenden Zeit echter Frömmigkeit, voll patriarchalischer Würde, voll Jüdischkeit, gepaart mit hoher Allgemeinbildung und zeitgemäßer Lebensführung. Sein Schaufet kol hoorez, sein Anruf des „Richters des ganzen Weltalls" am Rüsttage des Jaum haddin, lebt wieder in unserm Ohr, wie in unserm Fühlen auf, wenn wir diese Zeilen seinem- Gedächtnis weihen. Indem ich bewußt die jetzt noch in Lebensfrische im Gotteshause Wirkenden und Amtierenden in Beachtung der jüdischen Lebensregel, niemanden in seiner Gegenwart zu loben, von der Beurteilung ausgeschlossen habe, kann ich meine Betrachtung nicht schließen, ohne in Dankbarkeit und Ehrfurcht auch dem zweiten Rabbiner der Börneplatz-Synagoge, Rabbiner N. A. Nobel b" P1S T ein kurzes Gedenken zu widmen. Ihm, dem Nachfolger Marcus Horovitz', diesem Großen in Israel ebenbürtig, wenn auch so ganz anders geartet, ihm nur betreffs seines Wirkens im Bezirk unseres Gottesdienstes ein persönliches Erinnern! Der Gedankentiefe und -höhe seiner Predigten gerecht zu werden, ist der schwachen Kraft meiner Feder nicht möglich. Mit prophetischer Redegabe begnadet, dem Propheten gleich „des Gottes voll" ausrufend; „Hoj'hsoh olaj jad haschein, über mich kam Gottes Macht!" — so stand er, Welten fern und Gott so nahe, auf der Redestätte und ließ uns höchste Sphären menschlich göttlicher Gedankenhaftigkeit erklimmen. Unauslöschbare Momente! Religiöse Erlebnisse von wohl nie wiederkehrender Macht und -Größe! Nur 12 Jahre besaßen wir ihn, dessen schöpferisch gestaltende Vergeistigung unseres religiösen Gedankengutes uns in das ewige Reich des Wahren, Guten und Schönen geleitete. „Er glänzt nns vor, wie ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend!" Sein Nachfolger ist Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann. — Allen drei Rabbinern der Börneplatz-Synagoge stand im Gotteshause, wie im Amte der Dajan oder — modern bezeichnet — Rabbinats-Assessor H. L. L i p i n s k y treu zur Seite. Auch er darf in dem gezeichneten Gesamtbilde nicht fehlen. Mit Wehmut gedenke ich meines Synagogen-Nachbarn durch die Jahrzehnte meines amtlichen Wirkens und des guten Freundes, der uns im verflossenen Jahre so jäh entrissen wurde. Sein Mitarbeiter und jetzt sein Nachfolger im Amte ist Rabbiner M. Kirschbaum. Leben so meine Erinnerungen, oft von Trauer ob des allzu früh Entschwundenen überschattet, so sind sie doch in glücklicher Mischung mit froh Erlebtem der Stoff, woraus das Gemüt die Poesie des Lebens, meines Lebens gestaltet. Ist unsere Gegenwart so ernst, die Wirklichkeit so rauh, so dürfen wir im Vergangenen ein großes Glück erkennen, durch das unser Dasein daseinswert erscheint. Fünfzig Jahre Synagogenehor Erinnerungen von I. Meyer Bei der Würdigung, die das nunmehr 50jährige Bestehen der Synagoge am Börneplatz oder,.wie sie früher im Volksmund hieß, der „Horovitz'schen Synagoge" als Faktor im gottesdienstlichen Leben der Frankfurter Gemeinde zu fordern berechtigt ist, verdient auch der Synagogenchor, der mit ihr zugleich das Fest seines 50jährigen Bestehens feiert, daß seiner gedacht wird. Der „Synagogenchor der neuen Gemeindesynagoge", wie er sich ursprünglich nannte, verdankt - seine Entstehung der Initiative des unvergeßlichen Meisters, Rabbiners Dr. Markus Horovitz s. A. Er bezweckt die Pflege des synagogalen Chorgesangs und ist eine freiwillige Vereinigung ohne jede Bindungaußer eben durch diese seine Aufgabe. Seine Eigenart verleiht und verlieh ihm seit seiner Gründung eine besondere Stellung im Leben dieser Gemeindesynagoge. Schon rein räumlich gesehen, ist sie eine eigenartige zu nennen. Nach der Ueberlieferung soll der Baumeister der Synagoge im Bauplan die Unterbringung des Chores übersehen haben, so daß es notwendig geworden sei, nach Fertigstellung des Baues eine besondere Chornische hoch oben hinter dem Aron hakodesch anzubringen. I ^e Vorteile dieses Standorts sind die räumliche Unabhängigke;, des Chors und die Möglichkeit, von hier aus dem Gottesdi' ast genau zu folgen und alle seine Funktionäre sozusagen zu überwachen, zugleich aber auch den Chor in seiner Zusammensetzung als selbständiges Gebilde zu bewahren. Ein Nachteil lag vornehmlich auf akustischem Gebiet, doch ist im Lauf der Jahrzehnte versucht worden, diesen Mangel durch Umbauten zu beseitigen. Dies scheint jetzt gelungen zu sein. Genau genommen besteht der Chor etwas länger als die Synagoge. Wie mir mein sei. Vater, der zu den Gründern des Chors gehörte, oft erzählte, hat dieser bereits im „Komposteil", dem Vorläufer der .Börneplatzsynagoge, fungiert. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, wie überhaupt geschichtliche Aufzeichnungen über den Chor und seine Entwicklung bedauerlicherweise fehlen. Um so stärker lebt in ihm 4ind seinen Mitgliedern, die in kameradschaftlicher Weise verbunden sind, die Ueberlieferung. Ein noch vorhandenes Mit- DIAI2N-Puder kühlend, schmerzstillend beiSonnenbrand.

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