Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 4 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 95 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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95 CAESAR SELIGMANN zum siebzigsten Geburtstag geboren am 14. Dezember 1860 in Landau seit 1902 Gemeinderabbiner in Frankjuri a. M „Hamawdil" Hymne zum Sabbathausgang Deutsch von Caesar S elig mann 1. Der du. stillen Sabbathfrieden, ...Gott in deiner Heiligkeit, Von des Werktags Dienst geschieden, -■Lass uns, rein und schuldbtfieit, . Friedlich unserm Werk uns weihen; Unsern Kindern schenk Gedeihen, Gott in deiner Segensmacht, . Lass sie werden Wie die Sterne, Wie die Sterne in der Nacht. 2: Schon entschwand der Palme Schatten, Müde ging der Tag zur Rah, ■ Nacht umfängt schon Flur und Matten, Herr, da wend ich dir mich zu, : Meinem Lenker, meinem Horte, Der mir kundgetan die Worte: „Alles wird zur Ruh gebracht, Es kommt Morgen Und es kommet — - Und es kommet auch die Nacht." 3. Deines Rechtes Säulen ragen Wie der Tabor hoch und hehr; Vor dem Rechtsspruch müsst ich zagen, " Wenn nicht deine Liebe wär. Gnädig tilge meine Sunden, Lass sie wie das Gestern schwinden, Wenn es seinen Lauf vollbracht; Lass sie schwinden, Lass sie .schwinden ' Wie die Wache in der Nacht. 4. Unter ging des Sabbaths Sonne, Graue Sorge mich beschleicht: Ist zu Ende Freud und Wonne, Wenn der holde Tag entweicht? Ach, das Auge voller Tränen, Ach, die Seele voll von Sehnen, Hab ich ruhelos gewacht, Ruhelos, Um Gnade flehend In so mancher bangen Nacht. 5. Hör das Flehen meiner Worte, Das zu dir sich ringt empor, Oeffne mir die Gnadenpforte, Neig erbarmend mir dein Ohr! Voll von glühendem Verlangen Bin ich zu dir hingegangen, Meine Seele liebentfacht, Meine Locken Noch benetzt Von dem kühlen Tau der Nacht. 6. Der du in den lichten Räumen Thronest hoheitsvoll und hehr, Meinem Sinnen, meinem Träumen, Meinem Flehen gib Gehör: In des Abends Dämmergrauen Lass mich die Erlösung schauen, Lass in ihrer sel'gen Pracht Sie erstrahlen, Sie erstrahlen Hell in meine dunkle Nacht! 7. Gott, dir hab ich mich ergeben. Deine Hilfe ruf ich an, Zeige mir den Weg zum Leben, Führe mich des Lebens Bahn, Der du alle Lebensfäden Spinnst geheimnisvoll für jeden, Und sie — kaum dass wir's gedacht Jäh durchschneidest Zwischen Morgen. — Zwischen Morgen und der Nacht. 8. Lass mich, Herr, an Leib und Seele Makellos und fleckenrein, Und dass nichts zum Heil mir fehle, Lass mich frohen Glaubens sein, Dass der Spötter blinde Menge Stets vergebens mich umdränge: „Wo tst deines Gottes Macht, Dem du singest Fromme Lieder, Fromme Lieder in der Nacht?" 9. Ach, wie Ton nur sind wir Armen, Wie der Ton in Töpfers Hand! Darum bleibe dein Erbarmen Unsrer Schwäche zugewandt, Dein Erbarmen, dessen Kunde Wiedertönt im Weltenrunde, Deiner grossen Liebe Macht, Deiner Liebe, Die da kündet Jeder Tag und jede Nacht!