Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 73 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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73 ken und in aller Oeffeutlichkeit zu bekennen, daß wir von der Vorsehung getragen waren, als wir diese Männer, besonders Sie, hochgeehrter Herr Regierungsbaumeister Fritz Nathan, mit der Ausführung der Neubauten und Anlagen betrauten. Aus ihrem Werke, Herr Baumeister, spricht der wahre Künstler, aber auch der warmherzige Jude, der die ganze erhabene Größe, aber auch die ganze erhabene Schlichtheit unserer heiligen Lehre begeistert in sich aufgenommen und sinnfällig in seiner Sprache der begeisterten Gemeinde vor Augen geführt hat. Ich danke Ihnen, hochgeehrter Herr Baumeister, im Namen der Gemeinde von ganzem Herzen und spreche als ihre Ueberzeugung aus, daß Ihr Werk bis in Aeonen von der Größe Ihrer Kunst künden wird. Und auch Ihnen meine lieben Freunde aus der Verwaltung der Gemeinde, besonders der von der Verwaltung der Gemeinde eingesetzten Friedhofsbaukommission mit ihrem überaus verdienten Vorsitzenden, Freund Arthur Forchheimer, an der Spitze, sowie den Beamten, besonders dem Baubüro der Gemeindeverwaltung spreche ich den wärmsten Dank der Gemeinde aus. Wie Sie alle in vorbildlicher Weise gearbeitet und dem Künstler und seinen Gehilfen Ihre ganze Kraft, Ihren ganzen Eifer und Ihre reichen Erfahrungen — trotz mancher Hindernisse, die ja bei einem so großen Werke nie ausbleiben — zur Verfügung gestellt haben, um es zum guten Ende zu führen, das wird Ihnen in der Gemeinde unvergessen bleiben; es wird in der Geschichte unserer Gemeinde ein Ruhmesblatt für Sie bilden, und Ihr Name wird mit diesem Werk bis in ferne Zukunft verknüpft bleiben. Und nun nehme ich den von Künstlerhand geformten Schlüssel zu dem Tor der Halle aus Ihrer Hand, mein lieber Herr Forchheimer, und öffne das Tor mit dem Segensspruch: „Sei gepriesen, allmächtiger und getreuer Gott, für Deine Gnade, daß Du uns am Leben und aufrecht erhalten hast und uns diese Zeit hast erreichen lassen." Amen. Rede des Gemeinderabbiners Dr. Caesar Seligmann Andachtvoll versammelte Gemeinde! Indem wir uns anschicken, diese Friedhofsanlagen zusammen mit dem ja bereits durch die Not der Zeit zur Benutzung übernommenen Beerdigungsplatz ihrer Bestimmung zu übergeben, richtet sich zuerst unser Auge empor zu l^iTON Ti^l 1jV6n zu unserem Gott und dein Gott unserer Väter, der uns gewürdigt hat, ihm dieses Heiligtum zu errichten, von dem vielleicht mit größerem Rechte als von jedem anderen Heiligtum das Wort der Schrift gesagt ist: »□wn nn ümbs rvaDÄ'Q m nrn cipan jrm hd» „wie schauervoll ist diese Stätte. Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels." Und zum zweiten wendet sich unser Blick wehmütig und erschauernd zurück, um einen Augenblick bei den alten heiligen Stätten der Vergangenheit zu weiien, über deren schweigender Einsamkeit nun der Geist der Geschichte schwebt. Da steigen aus den beiden alten Frankfurter Friedhöfen uralte Erinnerungen aus den Gräbern hervor, von vielen Jahrhunderten bewegter Frankfurter jüdischer Geschichte erzählen, reichend — der alte Friedhof von der Zeit der Hohenstaufenkaiser bis zum Jahr 1829, und der zweite, den wir jetzt verlassen, gerade 100 Jahre alt bis zu diesem Jahre. Beide Wahrzeichen der wachsenden Ausdehnung unserer Heimatstadt, denn der alte Friedhof, heute inmitten des flutenden Hastens der Großstadt wie eine stille Insel des Friedens eingebettet, lag einst außerhalb der alten Stadtmauer. Und beide Friedhöfe Wahrzeichen jüdischer Pietät, die die Ruhestätte der Toten als unveräußerliche Scholle, als unantastbar heiligt. Drei Namen, oder vier, hat das Judentum der Stätte der Toten verliehen, der Stätte, zu deren Weihe wir uns heute versammelt haben: cb)y fp2 .D1^" ITQ >rm2pn J"P3 und das trauliche deutsche „Guter Ort". Düster und trübe die beiden ersten Benennungen: m~!Dpn IVD Haus der Gräber und Dv>nn £YG Haus der Lebenden. Beide wohl zurückgehend auf das schwermütige Hiobswort „ in b^b "IJHD IT3 Versamnüungshaus für alle Lebenden". Ja, Mutter Erde versammelt alle ihre Kinder in ihr Haus. Die ganze Erde ein ungeheures Gefilde des Todes, das nicht müde wird, alle Lebenden, alles Lebende zu sich zurückzurufen. Werden und Vergehen, Geburt und Grab ein ewiger Kreislauf, ein ewiges Meer! Hat nicht so der Prophet das Menschen- und Völkerleben angesehen, wenn er ausruft: jop lüü "?lp mwn psD müh bj^ -psn itpan bp tnpm no mm -eine Stimme ruft, verkünde! Was, sag' ich, soll ich verkünden? Alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie die Blume des Feldes. Gras verdorrt, Blume welkt, wenn der Geist des Ewigen darüber fährt. Wahrlich, Gras ist das Volk, Gras verdorrt, Blume welkt, aber .l^n^N 1311 •nbtyb □<!p'1 das Wort unseres Gottes besteht für Ewigkeit. Von den Propheten haben unsere Alten gesagt, daß „Edelweiss -Großwäscherei TaunusstraBe 19 Inhaber: Carl Eisner Tel. Hansa 1880/81 Erstklassige Ausführung in Herrenstärkewäsche, Damenu. Haushaltungswäsche Abholung und Lieferung frei Haus. Postversand nach auswärts. Ma •>>r w *m * fürjhn heOfepWgen Schuhe d« wfrkftch vollkommen Ffleoemilleh das nicht nur Hochglanz erzeugt; sondern auch reinigt und imppägnierh mm 7ass 5H ^yfl A<JSM?* BrMHIlch in ahn tfachlägigai fm hui ■ MW» WEIT-WACHS-WERK. EO0e«T BÜMTBC8 «6nM. (WAOC«*AW» Rüttgers & Co. Inn.: Walter Zedner Gegr. 1887 TAPETEN LINOLEUM Am Sch auspielhaus 2 TELEFON AMT HANSA 2804