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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-10-01 · 2-3 (10.1929) · p. Seite 72

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
2-3 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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- 72 konnte die Baufirma Ambrosius, die in engerer Submission den Zuschlag auf die Arbeiten für die Bauten erhielt, mit dem eigentlichen Bau beginnen. Wir sehen die gesamte Anlage heute, nach ungefähr 134 jähriger Bauperiode fertig zur Benutzung vor uns, nachdem das Beerdigungsfeld als soldies bereits vor zwei Monaten in Betrieb genommen werden mußte. Und weil so das frofie Werk beendet, wollen wir an die vergangene, an pisoden unangenehmer Natur soreiche Zeit vergessen, aber derer gedenken, die mitgearbeitet haben au der Verwirklidiung des großen Projektes und der Durchführung desselben. Dieses Gedenken soll auch einigermaßen chronologisch erfolgen, und da war es, wie bereits eingangs meiner Ausführungen erwähnt, Herr Geheimrat Prof. Graessei aus München, weit über die deutschen Lande als Friedhofsbauer bekannt und hochgeschätzt, den wir baten, uns zu führen, der uns auch während der Bauperiode mit Rat und Tat zur Seite stand. Der Leiter unseres Friedhofsamts, Herr Bürodirektor Meyer, war uns, besonders in den letzten Jahren, eine außerordentlich wertvolle Stütze, seine überlegte, ruhige Art des Denkens und Handelns hat in beachtlichem Maß zu unserem Erfolg beigetragen. Als Verbindungsmann zwischen Baukommission und Bauleitung, immer bei -de* Hand, wenn man ihn brauchte, hat unser Gemeindearchitekt, Herr Schragenheim, unermüdlich mitgearbeitet, sich der ihm anvertrauten, nicht leichten Arbeit ganz und mit großem Verständnis und Pflichteifer gewidmet. Den Erfolg der Arbeit, die Herr Verwalter Linnemann und Obergärtner Frohnhausen geleistet haben, können Sie, meine verehrten Anwesenden, selbst beurteilen, wenn Sie nachher den Rundgang machen durch Beerdigungsfeld und Gärtnerei. Es wäre eine große Unterlassung, wollte ich nicht Herrn Palier Foerder, der von Beginn ab und seinem Kollegen Herrn Goebel, der in den letzten Monaten für die Firma Ambrosius die Aufsicht führten, erwähnen. Besondere Anerkennung gebührt ihnen, die darüber zu wachen hatten, daß alles reibungslos und ohne Unfall vor sich gehe. Weiter obliegt mir die angenehme Pflicht, vollste Anerkennung zu zollen all denen, die in diesen vielen Jahren am Bau mitgewirkt haben, die ihr Bestes gaben und halfen, die umfangreichen Arbeiten zu einem guten Ende zu führen. Die Zahl der Firmen, Handwerker, Beamten und Arbeiter ist zu groß, als daß ich sie alle bei Namen nennen könnte. Die Friedhofsbaukommission, als eigentliche Bauherrin, schuldet allen, die mitgearbeitet haben, das schöne und ernste Werk zu vollenden, genannt und ungenannt, neben dieser vollen Anerkennung aber auch Dank, aufrichtigen und wärmsten Dank, den zum Ausdruck bringen zu dürfen mir ein Herzensbedürfnis und eine große Freude ist. Und so wende ich mich nun an Sie, verehrter Herr Justizrat Blau, der Sie von unserer altehrwürdigen Gemeinde zu ihrem Führer berufen sind und bitte Sie, diesen Schlüssel zum Friedhof der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. und damit die gesamte Anlage in Ihre Obhut zu nehmen. Mögen die, die einziehen durch des Todes dunkle Pforte in die seligen Gefilde den ewigen Frieden, die, denen es vergönnt ist, wieder hinaus ins Leben zu ziehen, im Gottvertrauen Trost und Ruhe im Herzen finden! Rede des Vorsitzenden des Gemeindevorstands Justizrat Dr. Blau. Hochgeehrte Versammlung! Im Namen der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. spreche idi zunächst allen zu dieser Feier Erschienenen den herzlichsten Dank aus. Ich danke insbesondere dem Herrn Regierungspräsidenten und dem Herrn Polizeipräsidenten für die Entsendung eines Vertreters, sowie dem verehrlichen Magistrat, der die Herren Stadtrat May und Prof, Elsässer hierher delegiert hat, der hochwürdigen Stadtsynode in der Person ihrer Delegation, den erschienenen Herrn Stadtverordneten, den Vertretern der Nachbargemeinden, besonders der Gemeinde Mannheim. Wir sehen in Ihrem Erscheinen die Anerkennung unseres Wirkens auch für Vaterstadt, Vaterland und Menschheit. Ein für unsere altehrwürdige Gemeinde ungemein bedeutungsvolles Ereignis hat uns heute hier zusammengeführt. Blättern wir in den Annalen der Gemeinde, so finden wir, daß vor genau 100 Jahren der Friedhof an der Rat Beilstraße seiner Bestimmung zugeführt wurde, nachdem der Friedhof an der Judengasse, der mehr als fünf Jahrhunderte der Bestattung der Toten der Gemeinde gedient hatte, geschlossen werden mußte — der alte Friedhof, das vielbesuchte und vielbewunderte.Wanderziel aller, die sich für die Geschichte der Stadt und der Gemeinde interessieren, der aber, wie wir wissen, nicht etwa der älteste Frankfurter israelitische Friedhof ist. Gemahnt der Friedhof in der alten Judengasse an die schweren Zeiten der Verfolgung und Unterdrückung, so kündet der Friedhof an der Rat Beilstraße von der Herankunft besserer Zeiten für die Gemeinde, wenn auch ihre Geschichte uns erzählt, mit welch schweren Sorgen die Belastung, die durch die damaligen Neubauten der Gemeinde für Jahrzehnte hinaus erwachsen war, ihre Vorsteher und Mitglieder erfüllte. Aber wann hat der Jude je Opfer gescheut, wenn es galt, sein Teuerstes, seine Toten zu bergen? Und wissen wir nicht, daß die erste Vorausetzung der Begründung einer selbständigen jüdischen Gemeinde die Beschaffung eines würdigen Beth Hachajim, eines Beth Aulom, eines Hauses des Lebens, der Ewigkeit ist, wie die Begräbnisstätte so bezeichnend für den Geist des Judentums von seinen Bekennern genannt wird? Heute, nach hundert Jahren, sind wir Judeu dieser Stadt wieder im Begriff, die Bauten eines neuen Bes Aulom einzuweihen. Da erhebt sich unser Blick zunächst zu dem Herrn über Leben und Tod, zu aller Menschen Vater, zu unserem und unserer Väter Gott, um Ihm zu danken, daß Er den Opfermut uns erhalten hat, der in diesen schweren Zeiten bei verminderter äußerer — und leider Gottes auch innerer Kraft — der Gemeinde unerläßlich war, um diese Bauten in würdiger, wenn auch einfacher Form zu erstellen. Gottes Gnade hat uns auch beigestanden in der Wahl der Männer, die an dem heiligen Werk gearbeitet und es zum Ziele geführt haben, sodaß wir nun den uralten Segensspruch über dieses Werk sprechen können. Ja, es ist mir eine angenehme Pflicht, diesen Männern und Frauen allen im Namen der ganzen Gemeinde zu dan- Eftheback Zu einem betjagttcfjen Qeim gehört auch eine gut und praktisch eingerichtete Küche. Vom Kochtopf bis zum modernen Reform-Küchenschrank finden Sie alles in großer Auswahl zu vorteilhaften Preisen im Fachgeschäft für Kücheneinrichtungen tOREY. Schillerstraße 16

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