Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 74 (sequence 26)
- Language
- German
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74 sie wenn sie die bittere Sehale dem Volke gereicht, jedesmal dann tröstend den Kelch des Trostes gespendet. Und so tönt es tröstend aus dem Schluß des Prophetenwortes: nbtyb C^p"1 13Tfti? "1311 „Gott und Ewigkeit". Mit diesen beiden lichten Gnadenworten schwinden die Sehauer der Vergänglichkeit*. "DUnn rV>D1 nrGpn n^D» «Das Haus der Gräber" und ..das Versamniluugshaus aller Lebendigen" verwandelt sich in "n^iy n'3» „das Haus der Ewigkeit". Ewigkeit, das ist nicht die Summe aller Zeiten, auch nicht das Sein erst nach dem Tode. Ewigkeil das ist das Gottesreich, das jetzt schon ist, jenseits der Zeit und Zeitlichkeit, jenseits des Raums und der Körperlichkeit. Das Reich, das nicht von dieser Welt ist, von keinem irdischen Auge je geschaut. Aber so arm ist kein Mensdienherz, daß es dieses Reich nicht zu erschauen vermöchte. An Dir nur liegt es, Mensdienherz, daß Dir Engelsflügel wachsen. Nicht von der Erde allein bist Du. Wie in jener Traumnacht zu Bethel der Stammvater Jakob, so kann heute noch jedes Auge, das sich in Demut und Glauben öffnet, hier die Pforte der Ewigkeit schauen. Dann aber wird uns diese Stätte zur letzten Ruhestätte nur dessen, was wirklich Staub an uns gewesen, nicht aber dessen, was Teil der Ewigkeit in uns ist. Dann wird uns müden Erdenpilgern diese Stätte der „gute Ort", wohin die gute Mutter Erde heimruft, was an uns irdisch gewesen ist. So möge in der Fülle der Jahre und der wandelnden Geschlechter draußen Grab an Grab sich reihen und Hügel sich neben Hügel wölben: wir schreiten ohn' Erschauern durdi die Todesreihen, "ncy nritf 13 denn Du, Gott, bist bei uns, wir sind bei Dir. Deinem heiligen Schutz befehlen wir diesen guten.- Ort. Laß aus Deinem Reich der Ewigkeit Trost und Ergebung von dieser Kanzel in trauernde Herzen strömen, laß von jener Kaddischstätte Treue und Ehrfurdit, die die Gesdilediter mit einander verbinden, in die Seele sidi ergießen: "im:i Tin DV1 Tin TpDtf'TTQ» In Deine Hand befehlen wir Leib und Seele. Leben und Sterben! Amen! Rede des Gemeinderabbiners Dr. Jakob Hoffmann. Meine lieben Brüder und Schwestern! In den fünf Thorabüchern ist zweimal davon die Rede, daß unsere Vorfahren Grund und Boden käui'lidi erworben haben. Der erste jüdische Bodenbesitz war eine Gräberstätte. Der Stammvater Abraham erwarb die Höhle Madipela, um eine eigene Gräberstätte für seine Familie zu-besitzen. Seine teure Tote sollte nicht in fremder Erde ruhen. Und er und die Seinigen sollten einst an ihrer Seite zur Ruhe gebettet werden. Zum zweiten kaufte der Stammvater Jakob ein Feld riDTD DU? um au' eigenem Grund und Boden dem einig einzigen Gotte einen Altar zu errichten. Von sonstigen Bodenkäufen weiß die Thora nidit zu berichten. Eigene Andachtsstätten und eigene Gräberstätten sind seit uralter Zeit selbst in den kleinsten und ärmsten Gemeinden anzutreffen. Der jüdisdie Friedhof kann auf eine viertausendjährige Tradition zurückblicken. Die Andachtsstätten und die Gräberstätteu können nidit streng voneinander geschieden werden. Die Andaditsstätten können freilich im Judentum niemals zugleich Gräberstätten sein. Nicht über Grabstätten erheben sidi unsere Synagogen. Nur das Lebendige und nicht auch das Tote umhegen sie in ihren Mauern. Die Thora ist eine Lehre des Lebens, das Gesetz fürs Leben. Ihre Bestimmung ist, das reichgestaltige Leben, das rüstig sdiaffende und heiter genießende Leben zu weihen und zu heiligen. Aber die Gräberstätten können bis zu einem gewissen Grade audi als Andaditsstätten angesprochen werden. Nicht nur, weil wir an den Gräbern unserer Lieben Gebete zum Herren des Lebens und des Todes emporsenden, sondern audi deshalb, weil audi die Grabstätten geeignet sind, uns religiös zu bewegen und zu fördern. Zwei Gedanken sind es vor allem, die sie in uns lebendig werden lassen: Die Vergänglichkeit unseres irdischen Daseins und die Unsterblidikeit der in uns leuchtenden himmlischen Seele. Wenn wir in dieser Weihestunde das weitausgedehnte Friedhofsgelände sinnend betrachten, so sehen wir im Geiste, wie nach und nach Grab an Grab sich reiht, um audi jene aufzunehmen, die heute noch in duftender Blüte und in schwellender Kraft prangen. Es gibt nur eine einzige Gewißheit, eine einzige schicksalhafte Gewißheit auf Erden, die keinen Zweifel und keine Ausnahme zuläßt, und das ist die Vergänglidikelt alles Irdischen. Sy^i □"ny „Nackt kehrt er zurück., wie er gekommen." * «JOEO 7)jbb Zu diesem Sdiriftwort bemerkt Rabbi Meir im Midrasch: Beim Eintritt in die Welt hält der Neugeborene die Hand krampfhaft zusammengeballt, als wollte er sagen: Die ganze Welt wird mir gehören, idi werde alles zusammenraffen. Und beim Sdieiden aus der Welt hält der Mensdi die Hände ausgestreckt, als wollte er sagen: Seht her, nidits, nidits von allen Gütern dieser Erde nehme ich von dannen. Meine lieben Brüder und Schwestern! WTie schmerzlidi wäre diese Erkenntnis, ginge uns nicht über dem Düster der Grabesnacht ein strahlender Morgen auf, verhieße uns nidit die Verbindung mit Gott und die Gestaltung unseres Lebens nadi dem Willen Gottes die ewige Forldauer unserer geistigen Persönlidikeit. Unsterblichkeit der Seele! Diese Worte sind die Antwort auf manche bange Frage, auf manches Warum. Unsterblidikeit der Seele, diese Worte bieten die Lösung mandier beunruhigenden Rätsel dar. Und je drängender diese Fragen und Rätsei gerade auf Gräberfeldern in unser Bewußtsein treten, desto zwingender drängt sidi uns die Erkenntnis auf, daß unser Sein unsere irdische Pilgerfahrt überdauern müsse. Schön sagen unsere alten Weisen: Gott spricht zu uns Mensdienkindern: 1-513 -p^ "]T3 Mein Lidit ist Dir anvertraut und Dein Licht ist mir anvertraut. Mein Lidit, das isl die Gotleslelnv. wie geschrieben slehl: 1^ miDI DISO ~0 "O „Das Gebot ist eine Leuchte und die Thora ein Licht." Und Dein Lidit, das ist die Seele, wie geschrieben steht: •□"IN riDEO £n -\: „Ein Lidit des Ewigen ist des Mens dien Seele." Lässest Du, o Mensch, mein Licht leuchten, so lasse idi Dein Licht leuditen für und für. Meine lieben Brüder und Sdiwestern! Ein großer Denker hat einmal den Aussprudi getan: Es ist ein Genuß auf sturnmgepeitsditer See in einem Boot zu sitzen, wenn man nur bestimmt weiß, man werde nidit untergehen. Einer sturmgepeitschter See ist das Leben vergleichbar. Wie beruhigend, und tröstend und erhebend ist der Gedanke, daß wir, so schwach audi unser Boot sein mag, doch nicht untergehen. Ein Erdenleben, das unserer Gottesebenbildlichkeit angemessen ist, ein Leben der Wahrheit und Gerechtigkeit, ein Leben der treuen Pflichterfüllung gegen Gott und die Nebenmenschen, bahnt uns den Weg in eine reinere und höhere Welt, in eine Welt der Ewigkeit. Haben wir aber diesen Gedanken in uns aufgenommen, werden wir unsere Denkkraft und unsere Tatkraft nicht allein an die Erringung der vergänglichen Güter des flüchtigen Erdendaseins setzen. Wir werden vielmehr vor allem das Ideale, das Bleibende, das Ewige warmherzig und opferfreudig hegen und pflegen. Wir werden über allen Notwendigkeiten des Lebens niemals die Notwendigkeit aus dem Auge verlieren, in Ehrfurcht und in Demut vor unserem Gotte zu wandeln, ein edler Mensdi zu sein unter den Mensdien und ein pflichttreuer Jude unter den Juden. Und so kann audi die Gräberstätte ein Mittel zu unserer Erhebung und Veredelung werden. Und nun laßt uns, meine lieben Brüder und Sdiwestern, aus den Gefühlen heraus, die in dieser Stunde und an dieser .Stätte uns allesamt beseelen, in der heiligen Spradie unserer Väter, in den trauten und heiligen Klängen unserer Bibel unseren himmlischen Vater anrufen. nrri ti b*D wsj "itq ibw -D^nnnro npiDi owin pw DTjn ~p "p oironns n^ynn by\ unten m-wn -ups te ■vzimn otx nna iiawoa TD ijjw »iupnpn "]rny U3 'by 71011 ^33 n«.wons virp no ">d on te; iyv>m "um -13p nin« noin •ispb iiYnnNvra^ 3jm mm -idt ntei ,-pjD na W1331 ,-pcm i"DT pün "py *b")nb mte> .-«idi rf?wm nnn3 noim nwoi •iTrtüo h« •Tnwbi irnTD rmrfr ,nota -\i3vb vib intai naiö bw nrnn •□ite? bw d^ti □»diin □■»ti ub jnm bx zwb rnst -iy /obv na rmpn bw ,pd-q bw n»n •UDipS . ri.rprnwwi »nvinb noy "iy biteD pd vrrw ro ijrr tei tarn npnVi 'n oyu3 twnb n*nn -111153 nnris n^Tin ■icp: So gewähre uns, Vater im Himmel, Deinen huldreichen - Beistand! Segne alle Söhne und Töchter unserer Gemeinde und alle. Bewohner unserer Vaterstadt. Sende uns Dein Licht und Deine Wahrheit. Diese: mögen uns leiten und bringen zu Deinen heiligen Höhen, denn bei Dir ist der