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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-04-01 · 8 (4.1929) · p. Seite 261

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
8 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 261 (sequence 17)
Language
German
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kommende Jahr zu beschließen, so glaubt die Kommission aus wirtschaftlichen und psychologischen Gründen, einer Erhöhung nicht das Wort reden zu sollen, nachdem man einmal von früher 12^?S auf IIA heruntergegangen sei. Die Kommission sei der Ansicht, -daß, abgesehen von möglichen Austrittserklärungen seitens deriengen Kreise, die nur noch lose mit der Gemeinde zusammenhängen, gerade den gemeindetreuen Mitgliedern angesichts des herrschenden Wirtschaftdruckes neue Lasten erspart werden müßten, und sie habe die Hoffnung, bei vorsichtiger Ausgabenpolitik ohne einen größeren Fehlbetrag auszukommen. Es dürfe aber nicht verschwiegen werden, daß die Ansichten hierüber nicht einhellig sind. Auch die Frage der Erschließung anderer Steuerquellen, insbesondere die Frage der Erhebung eines Zuschlags zur Vermögenssteuer, hat speziell die liberale' Fraktion beschäftigt. Es werde notwendig sein, diese Möglichkeiten auch im Auge zu behalten. In der Aussprache treten die Vertreter der einzelnen Fraktionen, insbesondere die Herren From m und RA. Simon, nn wesentlichen den Ausführungen des Berichterstatters bei. Es wird übereinstimmend die Befürchtung geäußert, daß mit einer Kultus' steuer 'von 1155 der Reichseinkommensteuer schwerlich auszukommen sei, und die Möglichkeit der Erhöhung im Laufe des Jahres offengehalten. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß die hiesigen evangelischen Gemeinden einen Kirchensteuersatz von 12A erheben, trotzdem sie bei weitem geringere Lasten zu tragen haben als die Israelitische Gemeinde. ' Indessen wird von keinem der an der Aussprache beteiligten Gemeindevertreter ein Erhöhungsantrag gestellt, weil man/es für ratsamer hält, zunächst die Entwicklung im ersten Halbjahr abzuwarten. Es wird hiernach beschlossen, den Steuersatz für das Rechnungsjahr 1929 auf 11 55 Zuschlag zur Reichs ein kommen steuer für 1928 mit dem Vorbehalt einer Abänderung im Laufe des Jahres festzusetzen und den Finanzämtern diefen Beschluß mitzuteilen. Hieran schloß sich eiue nichtöffentliche Sitzung, in welcher Personalangelegenheiten zur Sprache kommen. ^ücliscne >V0n!fanrt8pfleZe k^raakturt a. HI. ^bteüunA l: Allgemeine t^ursorZe I^nterstüt^unA Metbeinilken Franken NAU?fü!-80rAe, LrnolungssürsorKe Aus den Gemeinden. Deutschland. Altona. Reichspräsident von Hindenburg hat die Ehrenpatenschaft für das neunte Kind des Oberrabbiners Dr. Joseph Carlebach übernommen. — Augsburg. Rabbiner Dr. Richard Grünfeld ist nach langjährigem Wirken in den Ruhestand getreten; als sein Nachfolger ist Dr. Jacob-Saarbrücken in Aussicht genommen. — Berlin. Der ehemalige Oberpräsident von Magdeburg, Otto Hörsing, Gründer und Vorsitzender des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold", veröffentlichte in der Zeitschrift „Das Reichsbanner" einen Aufruf zur Abwehr des Antisemitismus. — Ter Berein „Esr a" (Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien), der älteste jüdische Kolonisationsverein, hat seine Tätigkeit wieder voll aufgenommen. — Das jüdisch-konservative Organ „I ü d i s ch e s W o ch e n b l a t t", das in den letzten fünf Jahren in Frankfurt a. M. erschien, ist wieder nach Berlin übergesiedelt, wo es vor mehreren Jahren begründet wurde. — Die Sowjetregierung hat die Bewilligung zur Einfuhr von 50 Waggons Mazzoth behufs Versorgung jüdischer Familien in Rußland erteilt. — Das Schöffengericht Berlin-Charlottenburg verurteilte den völkischen Exbankier Willy Bruß wegen Untreue, Unterschlagung und Betruges zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre. — Der von der Jüdischen Volkspartei angeregte Tag des Jüdischen Buches soll am 200. Geburtstag Moses Mendelssohns (6. September 1929) stattfinden. — Im Alter von 61 Jahren ist der hervorragende Berliner Maler und Graphiker Ernst OPPler gestorben. — Die demokratische Presse Deutschlands widmete Kurt Eisner, dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten nach der Revolution, dessen Todestag sich am 21. II. zum zehnten Male jährte, eingehende Würdigungen. — Professor Abraham Flezner aus New York, eine hervorragende Autorität auf dem Gebiete der medizinischen Pädagogik, wurde von der medizinischen Fakultät der Berliner Universität zum Ehrendoktor ernannt. Prof. Flexner hat sich um Teutschland ein besonderes Verdienst dadurch erworben, daß er während der schlimmsten Jnflations- und Nachkriegszeit eine Stiftung Nockefellers nach Deutschland gebracht hat, die deutschen Medizinern eine gründliche Fortbildung und den Eintritt in die Universitätslausbahn gestattete. — Der Verband oft jüdischer Organisationen in Berlin hat pädagogische Sprechstunden eingerichtet. — Der Gesamtvorstand der „Vereinigung für oas liberale Judentum" lehnte eine Beteiligung an der Jewäsh Agency ab. — Am 27. U. fand unter dem Vorsitz des Grasen Bernstorff die diesjährige Mitgliederversammlung des deutschen Komitees „P ro Palä st i n a" statt. — Am 3. 3. wurde der Grundstein zu einer im Grunewald zu erbauenden Altersversorgung s anstalt der Jüdischen Gemeinde gelegt. — Am 4. 3. sprachen in einer von etwa 300 christlichen Lehrern und Lehrerinnen der Gymnasien, Lyzeen und Völksschulen Berlins besuchten Versammlung des „C e n t r a l - V e r e i n s deutscher Staatsbürger jüdischen Glanbens" fünf in Schnlkreisen geschätzte Lehrer über das Thema „Die Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze durch Erziehung zur deutschen Volksgemeinschaft". — Unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. B. Mandel hielt der „Verband russischer Juden in Teutschland" am 6. 3. seine diesjährige Generalversammlung ab. — In der Landesversammlung des deutschen Keren Hajessoo wurden dem berühmten Physiker Albert Einstein, der am 14. 3. seinen 50. Geburtstag feierte, ^roße Ovationen zuteil. Aus gleichem Anlaß hat der Preußische Vtaat die von dem Bildhauer K. H. Jsenstein geschaffene Einiteinbüste erworben, um sie im Einstein-Turm bei Potsdam aufzustellen. Auch die Stadt Berlin ehrte ihren großen Bürger durch Verleihung des Wohnrechtes in einem Einfamilienhaus in dem neuerworbeuen Park von Neu-Cladow an der Havel, während die „Jüdische Altershilfe Groß-Berlin" zu Ehren Prof. Einsteins beschloß, einer Anzahl hilfsbedürftiger jüdischer Gelehrter im Alter von über 60 Jahren größere Zuwendungen zu machen. Weiter hat die naturwissenschaftliche Fakultät der Pariser Universität den berühmten Gelehrten zu ihrem Ehrendoktor ernannt. — Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Baeck fand am 12. 3. eine vom Hilfsverein der deutschen Inden gemeinsam mit der Großloge U. O. B. B. veranstaltete Kundgebung zugunsten der hungernden Juden in Bessarabien statt. — Am 17. 3. tagte die Mitgliederversammlung der „Handt stelle für jüdische W a n d e r f ü r f o r g e". Die wichtigsten Landesverbände und Gemeinden hatten ihre Vertreter entsandt. Der Borsitzende des Berliner Wohlfahrtsamtes, Herr Eugen Easpary, tonnte in seinen Begrüßungsworten hervorheben, daß der Landesverband Bayern die geplante jüdische Arbeiterkolonie mit einer Summe von M. 10 000 zu subventionieren gedenkt. Im weiteren Verlauf der Tagung traf auch die Nachricht ein, daß der sächsische Landesverband dem Projekt der Arbeiierkolonie zmtimmt und M. 5000 als Beitrag bewilligt hat. Ferner wurde mitgeteilt, daß im Rahmen des Wohlfahrtsamtes eine besondere Abteilung für die Fragen der Arbeits- und Berufsfürsorge (Arbeitsnachweis, Berufsberatung, Wanderung. Rechtsschutz, Obdachlosen- und Strafentlassenenfürsorge, Arbeitsstätten usw.). geschaffen worden ist. — Am 17.3. fand ein Festakt anläßlich des 20jährigen Bestehens des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschland s" statt. — Am 18. 3. fand eine Zusammenkunst führender jüdischer Persönlichkeiten Deutschlands mit den Führern der russisch-jüdischeu Kolonie in Deutschland statt, um über Maßnahmen zu beraten, wie der unsagbaren Not der russ i 1 ch - j üd i s ch e n Flüchtlinge, die hauptsächlich der Jutelligenzschicht und den früher gehobenen Klassen des russischen Judentums angehören, abzuhelfen wäre. — Am 18. 3. sprach als letzter in der Reihe der „Montagsvorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" der Berliner Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß über das Thema „Polizei uns Juden in Vergangenheit und Gegenwart". — — Bochum. Die Kultussteuer wurde ans 15A der Einkommensteuer und 50^ der Vermögenssteuer, die nach dem Steuersatz von 1928 errechnet werden, festgesetzt; im Vorjahre betrugen die Steuersätze 1656 A der Einkommensteuer und 33><.A der Vermögenssteuer. — Breslau. Die neugeschaffene Stelle eines Assistenten am Jüdischtheologischen Seminar wurde Herrn Rabbiner Dr. H. I. Zinunels in Baden bei Wien übertragen. — Dresden. Dos Sächsische Oberlandesgericht hat die Beschwerde des Rabbiners der Leipziger Jüdischen Gemeinde, Dr. Felix Goldmann, der zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, weil er seinen Sohn an den Sonnabenden von der Schule fernhielt, verworfen. — Düsseldorf. Der Nationalsozialist Brasseler wurde wegen Besudelung der Synagoge zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt. — Frankfurt a. M. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Gemeinder auf Erlaß eines Schächt - Verbotes abgelehnt. — In diesen Tagen schied Professor Dr. Franz Oppenheimer, der zehn Jahre lang den Frankfurter Lehrstuhl für Soziologie innehatte, aus dem Lehrkörper der Universität und verzieht nach Berlin. — Am 2. 3. begann der Kartelltag des „B u n d e s j ü d i s ch e r A k a d e m i k e r" (K. I. V.) Mit einer großen Kundgebung, in deren Verlauf Dr. Ncchum Goldmann-Berlin über das Thema „Der Weg der jüdischen Akademiker in Deutschland" sprach. — Hamburg. An den höheren Staatsschulen wurde aus Anregung der religiös-liberalen Elternschaft der jüdische Religionsunterricht eingeführt. — Ter Vorstand der Gemeinde hat in Übereinstimmung mit den dem Repräsentanten- Kollegium angehörenden Mitgliedern des Haushaltsausschusses die Gemeindesteuern für das Jahr 1929/30 von 10 auf 9 vom Hundert der Reichseinkommensteuer herabgesetzt. — Heidelberg. Die Universität Heidelberg hat dem bekannten New Yorker Arzt Dr. Carl Koller, dem Entdecker der Anwendung von Kokain zur lokalen Betäubung des Auges, aus Anlaß des Geburtstages des berühmten Arztes Professor Kußmaul die Kußmaul-Medaille verliehen. Dr.! Koller ist als Augenarzt an den jüdischen Krankenhäusern Mount! sinai, Mvntefiore und Waisenafyl tätig. — Köln. Regierungsrar

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