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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-05-01 · 9 (5.1927) · page 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
9 (5.1927)
Date
1927-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Für den Gemeindevorstand richtete Herr Dr. Eduard Baerwald die nachstehende Ansprache an den Jnbilar: Ein ungewöhnlicher Anlas; mag ein Abweichen von gewohnten Formen rechtfertigen nnd so sei es gestattet, daß heute von dieser Stelle"ans, die -onst den geistigen Führern der Gemeinde vorbehalten ist, ein Vertreter der Gemeindeverwaltung das Wort crgreist, um dem Ausdruck zu verleihen, was die Gemeinde an dem-Tage erfüllt, an dem ein Vierteljahrhuudert verflossen ist, seitdem Dr. Cäsar Seligmann seine Wirksamkeit innerhalb der FranZfnrtcr Gemeinde begonnen hat. Was uns bewegt und was zum Ausdruck gelangen soll, kann nnr tief empfundener Dank und herzlichste Anerkennung sein. Als vor mehr als fünfundzwanzig Jahren innerhalb des Gemeindevorstands der Gedanke erörtert wnrde, den Platz auszufüllen, der nach dem allzufrühen Heimgang von Dr. Nehemias Brüll lange verwaist war, da wurde von Ihnen, verehrter Herr Rabbiner, als einem Mann berichtet, „den außevgewöhnlich hinreißende Nodegabe und hervorragende Lchrbefähigung auszeichnen und der über alle Eigenschaften des Geästes und Charakters verfüge, welche die Frankfurter Gemeinde von einem Rabbiner verlangen müsse". Tie hohen Erwartungen, welche danach an Ihre Wirksamkeit geknüpft werden konnten, haben sich in reichem Maße erfüllt. Mit begeisterter Hingebung haben Sie Ihres Amtes gewaltet. Die Fülle der Ausgaben, die sich Ihnen stellten, haben Sie mit unermüdlichem Eifer in vorbildlicher Pflichttreue bewältigt. So vielfältig und schwerwiegend auch die Aufgaben des Tages waren, so sind Sie doch nicht an ihnen haften geblieben. Sie haben sich größere Ziele gesetzt. Schon alsbald nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit haben Sie im Einvernehmen mit der Genleindeverwaltung erkannt, daß einem großen Teil der Gemeindemitglieder die Form des Gottesdienstes, wie sie Abraham Geiger in der Hauptsynagoge geschaffen hatte und wie sie dort noch hente zur Erhebung von Vielen von uns ausgeübt wird, nicht genüge, daß es vielmehr geboten sei, unter Fefthaltnng an dem alten Kern nach neuen Formen der Gottesverehrung zu suchen, nicht aus Sucht nach irgendwelcher Neuerung, sondern nur um die Liebe zur Religion der Väter breiteren Kreisen nahe zn bringen, und vor allein die Franen und die Jugend, auf denen unsere ganze Zukunft beruht, von neuem zur religiösen Betätigung heranzuziehen. In jahrelanger Arbeit haben Sie neben Ihrer segensreichen Tätigkeit in der Hauvtshnagoge ein Gebetbnch geschasfen, unterstützt und angeregt von Männern aus der Gemeinde, von denen ich nur derer gedenken möchte, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, wie Julius Plotke, Hermann Baerwald, Hugo Apolant und Ernst Auerbach. Um dies Gebetbuch hat sich dann eine Gemeinde geschart, über der sich bald die Kuppel dieses herrlichen Gotteshauses gewölbt hat, und so ist Ihr Gebetbuch der Eckstein dieser Synagoge geworden. Sie haben damit wieder unzählige Glaubensgenossen für jüdische Gedanken gewonnen und an -ihnen festgehalten, und darin erblickt die Gemeindeverwaltung dankbar ein dauerndes Verdienst, das Sie sich um die ganze Gemeinde und um die Entwicklung des deutschen Judentums erworben haben. Hand in Hand mit der Tätigkeit in den Gotteshäusern haben Sie eine umfangreiche Lehrtätigkeit entfaltet. Sie haben mit der langen Reihe Ihrer Lehrvorträge in der Hauptsynagoge ilnd mit Ihrem Religionsunterricht eine Fülle von Anregungen in die Seele all derer gesenkt, die zu Ihren Füßen saßen, und Sie haben ihnen die ewigen Grundwahrheiten des Judentums in vollendetster Form wieder näher gebracht. In all diesen langen Jahren sind Sie mit den Mitgliedern der Gemeinde eng verbunden gewesen, und wir danken Ihnen im Namen von Tausenden und im Sinn vieler, die Vor uns dahingegangen sind, für all das, was Sie in der glücklichsten Stunde des Lebens und in den traurigsten Zeiten, die den Menschen beschieden sind, als Vertreter der Religion den Mitgliedern der Gemeinde gewesen sind. Aber nicht nur diese einzelnen Mitglieder, sondern auch die Verwaltung der Gemeinde selbst hat Ihnen zu danken, denn neben all der Arbeit, die Ihnen der rabbinische Beruf .auferlegt hat, haben Sie Zeit gefunden, sich an den Verwaltungsgeschäften der Gemeinde zu betätigen. Sie leiten die von Markus Horovitz begründete, von Salo Adler ausgebaute Organisation des jüdischen Religionsunterrichts an den städtischen und staatlichen Schulen, Sie vertreten die Interessen der Gemeinde bei den Schulbehörden, und nur wer einen Einblick in die Fülle und Schwierigkeiten der Arbeit hat, die es dabei zu bewältigen gibt, der weiß, in welchem Maße wir gerade auf diesem Gebiet Ihnen zu Dank verpflichtet sind. Als es dann galt, an Stelle der überlebten Gemeindcverfassung einen neuen Nahmen für die Ordnung unserer Gemeinde zu schaffen, haben Sie an der Begründung dieser Verfassung aus das eifrigste mitgewirkt, und die Gemeindeverwaltung bleibt Ihnen dankbar für die Hilfe, welche Sie ihr innerhalb der neuen Verfassung geleistet haben. Darüber hinaus haben Sie im Landesverband der jüdischen Gemeinden Preußens, in den Verbänden der deutschen Rabbiner, in einer Fülle von anderen Vereinigungen weit über den Kreis unserer Gemeinde hinaus segensvoll gearbeitet, und Sie haben damit auch zur Ehre und zum Ruhm unserer Gemeinde beigetragen. Daneben fanden Sie noch Zeit zu literarischer Betätigung, und gerade angesichts des herannahenden Pessachfestes blicken wir mit besonderer Freude auf Ihre schöne Ausgabe der Haggadah hin. Das alles haben Sie geleistet, teilweise -in den bösen Tagen des Krieges, in denen eine doppelte und dreifache Last auf Ihren Schultern lag, und in den schlimmen Zeiten, die dann über uns'hinausgezogen sind. Wie oft hat gerade in diesen trüben Stmiden Ihre anflechte männliche Haltung, Ihr begeisterter Hinweis auf das, was unsere Vorfahren in noch schwereren Zeiten opfermutig und doch hoffnungsfrendig getragen haben, uns stark gemacht für die Kämpfe des Tages. Nun ist eine friedlichere Epoche erschienen, und manch anderer, der sich den Siebenzigern nähert, würde nun seine Tätigkeit einschränken uno nur an sich selbst denken. Sie haben aber gerade im letzten Jahre erneut angefangen, schwere Aufgaben in Angriff zn nehmen und zu bewältigen. Die große Arbeit an der Durchsicht der beiden Teile des Gebetbuches für dieses Gotteshaus ist von Ihnen beendet und sie wird, wie wir hoffen, dazu beitragen, die Gemeinde nur noch fester mit dieser Synagoge zu verknüpfen. Dann aber haben Sie sich dem großen Werk gewidmet, ein 'einheitliches Gebetbuch für die ^uf diesem Gebiete vielfach zerklüfteten Gemeinden Deutschlands zu schaffen, die dem liberalen Ritus folgen, eine Aufgabe von höchster Dringlichkeit und größter Bedeutung, die nach der Ueberzeugung von vielen nur von einem einzigen Mann, nnd das sind Sie, geleistet werden kann. Ueberblickt man all das, so haben Sie nach den, Wort des größten Sohnes unserer Stadt „Aeltestes bewahrt mit Treue, Liebevoll verknüpft das Neue" und Sie dürfen heute, wenn Sie einen Augenblick in der rastlosen Arbeit innehalten, mit dem Dichter befriedigt sagen: „Nun, man kommt Wohl eine Strecke." Wir aber bekennen dankbar, daß es eine ^große Strecke ist, die Sie zurückgelegt haben, und wir begrüßen diesen Augenblick mit den Worten: ZI! Hotel Kronprinz, Wiesbaden ^'^^ fließen-,--M-.---.. B-siher R. R«ck-r-b«rg ^5"^/'' -inim-, n.i. s-ä UN... Aufsicht Sr, Ehrw, Herrn Rabbiner ^b'g« p«.r-. unä Staatst-Iefon. ^AWM vr. Ansbacher, Wiesbaden rel-kon?65».

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