Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-12-23 · Heft 52 (23.12.1927) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 52 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064349--15941-3089680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

geüe ]ij ijittffl«^^ DIE WAHRHEil sie waren; aber das weiß ich, daß sie mir alle gleich nahestanden in jenen schweren Stunden^ und daß wir wie Brüder uns gegenseitig halfen, wenn der eiue des anderen bedurfte. Und nebenbei bemerkt, entsinne ich mich besonders der fälle, wo ich meine ganze Energie aufraffen mußte, um dem vorbildlichen Beispiel jüdischer Kameraden folgen zu können, um nickt hinter ihren Leistungen zurückzubleiben. -•' Ali dessen gedenke ich, freunde, wenn ich Euch sage, daß wir, denen man den Segen der Hochschule für immer genommen hat, nicht deshalb gekämpft und geblutet haben, damit Ihr diese Hallen, die Euch heilig sein sollten, für Eure Schlägereien mißbraucht. Daß wir nicht darum in des Landes schwersten Zeiten ohne Rücksicht auf Stand und Religion Kameradschaft gehalten haben, damit Ihr Euch dereinst als Gottes besondere und erwählte Kaste deklariert, und daß wir nicht darum es Euch dort draußen klar und ernst gezeigt haben, was Tatkraft ist und was Männlichkeit und was alte ungarische Tapferkeit und Ritterlichkeit ist. damit Ihr in den Schmutz zerrer, was uns heilig war: den unversehrt reinen Ruf unseres Landes. Denn wisset: das, was verachtenswert war, seit diese Erde besteht, und das, was verachtenswert bleiben wird, so lange es eine Handvoll anständiger Menschen auf Erden gibt: ist die Feigheit! Und ohne mit Euch, noch mit sonstwem in diesem Lande über Ursache und Wirkung, Zweck und Mittel dieser Hochschulprügeleien auch nur mit einem Wort zu rechten, sage ich Euch klipp und klar: das, was die Urheber dieses Skandals an den Hochschulen treiben und vor allem, wie sie es treiben — ist Feigheit! Und aus ganzem Herzen bitte ich Euch: gedenket unserer großen Vergangenheit, gedenket unseres reinen, unbefleckten Rufes und unseres uralten, ehrwürdigen Wappens! Und ändert Eu ch! Grab und Friedhof. Die meisten denken an diese Dinge nur mit Grauen. Ein ghlcädiches Geschick bewahrt sie davor, außer in ganz seltenen Fällen, die Stätte der Gräber besuchen zu müssen. Und1 jedesmal bedrückt sie wie ein Alp der Anblick des Friedhofes. Aber nicht nur der Gedanke an den Tod ist es, der ihnen diesen Schrecken einjagt. Sehr viel trägt dazu bei die Form oder vielmehr die Formlosigkeit der ganzen Anlage, die Geschmacklosigkeit der Grabmäler, das gerade hierin besonders aufdringliche Prbtzentum, kurzum alles, was im Leben uns hinreichend abstößt, und was wir doch an dem Ort des Friedens nicht erwarten sollten. Die Erkenntnis, daß durch harmonisches Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren diese Mißstände behoben und dem Besucher des Friedhofes ein würdiges, Auge und Gemüt wohltuendes Bild geboten werden könnte, führte im Deutschen Reiche zur Einsetzung eines ,JReichsausscliusses für Friediiof und Denkmal", dessen allgemein zugängliche .JRtcfetHöien" zu beherzigen jeder Friedhof Verwaltung, d. h. vor allem jeder Gememdeleitung nicht warm genug empfohlen werdetr kann, Theologen, Künstler, GärtneT, Fabrikanten u. a. haben sich zu diesem Ausschüsse vereint, der auch durch geeignete Yeröffentlicluingen das Publikum aufklären und dazu erziehen will, bei Todesfällen in der Familie richtig zu wählen, ohne auf den Rat interessierter Lieferanten angewiesen zu sein. Der •ersie Band dieser Publikationen ist in vornehmer Ausstattung mit WO Abbildungen soeben unter dem Titel „G r a Bund -Friedhof der Gegenwart, im Auftrage des Reichsausschusses für Friedhof und Denkmal, herausgegeben von Dr. S. Hirzel" im Verlage D„ W. Callwey, München, erschienen. (M. 6.—, geb. M. 7^0.) Ueber Friedhofanlage, Form des Grabes und des Grabmales haben Prof. Kar! Gross (Dresden), Oberbürgermeister Siegrist (Karlsruhe), Regierungsbaudirektor Wenzel (Dresden), u. a. Beiträge geliefert, die bei aller Gründlichkeit auch dem Laien nützliche Belehrung bieten Einen besonderen Raum nehmen in dem Werke archäologische Studien über „das Symbol auf dem Grabstein" ein. Sie haben zu Verfassern für die Protestanten W. Hoffmann (Chemnitz), die Katholiken P. J. Vollmar (Maria Laach), für die Juden Rabbiner Dr. Max Grunwald (Wien), für Freidenker und Monisten Prof. Dr. Rob. Riemann (L e i p z i g). Die Abhandung „Jüdische Symbole" von Dr. Grunwald, die für unsere Leser besonders in Betracht kommt, erörtert zunächst die Frage, ob und inwieweit vom Standpunkte des jüdischen Religionsgesetzes bildliche Darstellungen, Ornamente, Embleme überhaupt gestattet sind. Sodann wird ein Ueberblick über das vorhandene einschlägige archäologische Material und kisbesonders über die Behandlung des Grabsteines bei uns Juden geliefert Den Kern der Arbeit bildet eine gründliche Erörterung über die beiden vorwiegenden jüdischen Symbole, der siebenarmigen Leuchter (Menora) und den Davids-Sohild (Magen David) und der Frage, welchem von beiden der Vorzug einzuräumen sei Der Verfasser entscheidet zugunsten der Menora, als genkiin-jüdischem Sinnbild gegen' den fremden Kreisen entlehnten Magen David. In der Menora erkennt Dr. Grunwald den bildlichen Ausdruck des jüdischen Grund- und Leitmotivs der Messiaserwartung. Die sieben Arme des Leuchters stellen dar die Worte Jesaja, Kap. 11, Vers 2: „Auf ihm wird ruhen der Geist des Ewigen, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vordem Ewigen." Auf diese Stelle ist Secharja, Kap. 4, Vers 6, zu beziehen, wo der Prophet im Hinblick auf die Menora den Engel sagen läßt: „Nicht mit Waffenmacht und nicht mit Gewalt, sondern mit meinem Geiste, spricht der Ewige." Nicht nur der Zweck des gesamten Werkes, sondern ganz besonders die iür uns Juden speziell wichtigen Ausführungen Dr. Grunwalds verdienen es, daß wir das 13uch auf das angelegentlichste empfehlen. Auch jeder Privatbibliothek wird es zur Zierde gereichen. 0* H._ Religion oder Illusion? Eine Auseinandersetzung mit dem jüngsten Buche Professor Sig. Freuds: „Die Zukunft einer Illusion". Von Med.-Rat Dr. Heinrich H a a s e. (Fortsetzung.) Nun soll in unseren Tagen das Experiment Napoleons wiederholt werden, weil nach Freud „auf die Dauer der Vernunft und der Erfahrung nichts widerstehen kann, und der Widerspruch der Religion gegen beide zu greifbar ist." Weil er daran glaubt, „daß es der wissenschaftlichen Arbeit möglich ist, etwas über , die Realität der Welt zu erfahren, wodurch wir unsere Macht steigern und wonach wir unser Leben einrichten können." Er will die Wissenschaft gegen ihre Feinde in Schutz nehmen, „die ihr nicht verzeihen können, daß sie den religiösen Glauben entkräftet hat und ihn zu zerstören droht". Mit Verlaub! Wir haben früher gezeigt, wie problematisch alle Wissenschaft in Wahrheit ist, daß auch die exakten Naturwissenschaften nach Spengler sich einer Illusion hingeben, wenn sie „darauf ausgehen" mit den Worten: „Kraft", „Raum" u. a. objektive Fakta, „an sich" seiende, konkrete Einheiten festzustellen, die irgendwann auf dem Wege analysierender Forschung einmal völlig isoliert „erkannt" werden könnten. Auch der Psychologie ergeht es nicht anders. Es kann auch nicht gelingen, aus der Anwendung der psychoanalytischen Methode ein neues Argument gegen den Wahrheitsgehalt der Religion zu gewinnen, wie Freud es gern möchte. Die Analogie: der Mensch macht In der Kindheit Neurosen durch, die er überwinden muß — die Religionen stammen aus der Kindheit Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eiflene niaßflbtfeilunö Zentrale: Wien II., GlOCketigaSSe 24 Tel. 48-4-TO Für Kultusfeeunte untf VereinstKitkUenSt* segen legftfmfttlon 10»/* N a c b I S '=■=

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.