Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite* liehe geborene Christen in einer Versammlung über jüdische Kultuswahlen zum Worte kommen ließ? Ja, mußte nicht selbst ein Leuthner, dieser treffliche sozialistische Abgeordnete, der aus Höflichkeit, aber sichtlich in großer Verlegenheit, einer Einladung der „Werktätigen Juden" gefolgt war, in der jüdischen Wähler Versammlung sprechen? War Leuthner, der „Hinaus aus der Kirche!" predigt, wirklich der Mann, durch den Ruf „Hinein in die Synagoge!" Anhänger zu gewinnen? Dr. Ellenbogen gab selbst zu, sich nicht am richtigen Platze zu fühlen. Wir können den „werktätigen Juden", auch wenn sie sich dadurch pickiert fühlen sollten, verraten, daß führende Sozialdemokraten es im Interesse des Ansehens ihrer Partei für inopportun und geschmacklos finden, daß man auf dem Wege durch die für religiöse Zwecke eingestellte Gemeindestube jüdischen Wählern nachlaufen will. Allerdings waren es sozialdemokratische Führer nichtjüdischer Abstammung, die dies erkannten. Ego. Wiedereröffnung der israe- HtischenKinderbewahranstalt des Vereines „ Wohlfahrt'. Sonntag, den 28. Oktober, fand unter großer Beteiligung die Wiedereröffnung der Israelitischen Kinderbewahranstalt in der Schiffamtsgasse statt. Die Anstalt wurde während der Ferien umgebaut, vergrößert und renoviert und von Stadtbaumeister M e 1 c h e r und Ing. S 't e i n e r auf das zweckmäßigste ausgestattet. Der Verein „Wohlfahrt", der aus dem vor zehn Jahren gegründeten „Komitee zur Sanierung notleidender jüdischer Wohlfahrtsanstalten Wiens" hervorgegangen ist, hat seit dem 1. November 1925 den gesamten Betrieb der Israelitischen Kinderbewahranstalt übernommen. Diese Kinderbewahranstalt, die erste ihrer Art im alten Oesterreich, die älteste jüdische Wohlfahrtseinrichtung Wiens, hat 83 Jahre hindurch unter bewährter Leitung jahraus jahrein Hunderte von Kindern unbemittelter jüdischer Eltern vor den Gefahren der Gasse bewahrt, sie rituell verköstigt und in religiösem Sinne erzogen und auch geeignete Kindergärtnerinnen ausgebildet. Tausende und abertausende, jetzt in angesehener Lebensstellung stehende Juden haben ihre erste Ausbildung und damit eine Grundlage ihres Aufstieges dieser Anstalt zu verdanken. Als ein Opfer der Nachkriegszeit war die Kinderbewahranstalt nicht mehr imstande, sich zu erhalten. Trotz eifrigen Bemühens des Kuratoriums, an dessen Spitze seit einem Menschenalter die hochverdiente Frau Baronin Charlotte Königswarter gestanden ist, lief sie Gefahr, ihren jüdischen Charakter einzubüßen. Die Wiener Judenschaft hätte dadurch eine ihrer schönsten Errungenschaften verloren. Vor drei Jahren haben nun die im Vorstande des Vereines „Wohlfahrt" vereinigten hochherzigen Männer und Frauen den Beschluß gefaßt, diese hervorragende Institution dem Wiener Judentum zu retten und jetzt nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit kann man wohl mit Genugtuung feststellen, daß dieser hochherzige Beschluß Wirklichkeit geworden ist. Zur Erinnerung an die hervorragende Tätigkeit des ehemaligen Kuratoriums wurde im Vorraum der Anstalt eine Gedenktafel folgenden Inhaltes gestiftet: Dem scheidenden Vorstande der Israelitischen Kinderbewahranstalt: Baronin Charlotte Königswarter, Präsidentin Elise Gomperz, I. Vizepräsidentin BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Sckotten, Wie* XIV.. Brmamklntkmmam» Mr. 2t Telephon R38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. _ Sofie v. Bauer, II. Vizepräsidentin Paula Landau, Kassaverwalterin Nelly v. Gomperz Dr. Philipp v. Gomperz Malvine fieller-Oliwen Baronin Jella Oppenheimer Ottilie Rosenthal - - Friederike Schütz Dr. Rudolf Schwarz-Hiller Linda Sternlicht Irma Weiner in Würdigung seiner Verdienste der Vorstand des _ Vereines „Wohlfahrt". " Wien, im Oktober 1928. Aber auch die vorbildliche Tätigkeit des gegenwärtigen Vorstandes wurde nicht vergessen, wovon die zweite angebrachte Tafel, die folgende Inschrift trägt. Zeugnis ablegt. Umgebaut und vergrößert unter dem Vorstande des Vereines „Wohlfahrt14 Rabbiner Dr. Max Grunwald, Präsident Simon Weiner, I. Vizepräsident Moriz Oesterreicher, II. Vizepräsident Dr. Ernst Feldsberg, Schriftführer Dir. Max Lassner, Kassier Kommerzialrat Emil Abraham Direktor Henry Bondy Kultusrat David Dohan Sigmund Ernst Max Frenkel Paul Fries David Goldmann Oskar Grosser Kultusrat Edmund Hofmann E. Juszkovits Siegmund Kornmehl Wilhelm Lustig J. Müller Bernhard Münz Ernst Platzko ' Martin Roth Rudolf Rudinger Bela Sonnenfeld Ing. Leo Steiner Oskar Tonello Salo Wassermann -. Friedrich Wechsler LeoWeill Julius Weinmann Josef Weiß Dr. Walter Werner. Wien, im Oktober 1928. Eine besondere Tafel ist der unvergeßlichen Tätigkeit des gewesenen Vizepräsidenten des Vereines „Wohlfahrt" Bethausvorsteher Julius Berger gewidmet. Ueber die Feier, die sich zu einer imposanten Kundgebung aller Freunde und Gönner der Anstalt gestaltete, werden wir in der nächsten Nummer unseres Blattes ausführlich berichten.