Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 lllllllilllllllillliM DIE WAHRHEIT schaffenheit seinem Stande und unserer Glaubensgemeinschaft zur besonderen Ehre gereicht, gedachte und seine unermüdliche Tätigkeit in all den Wohlfahrtsinstitutionen, denen er seine werktätige Liebe angedeihen läßt, schilderte. Dr. O r n s t e i n rühmte besonders die treffliche Unterstützung, die der Jubilar in all diesem zielbewußten Schaffen durch seine Gattin gefunden, und schloß mit dem Wunsche, daß es dem trefflichen Paare noch lange gegönnt sein möge, ebenso ersprießlich wie bisher zum Wohle des Wiener Judentums und seiner Notleidenden zu wirken. In Vertretung des verhinderten Obmannes der Versor^ungsbauskommission der Kultusgemeinde, Herrn David D o h a n sprach der Obmannstellverteter Doktor K1 abe r Herrn und Frau Kornmehl den Dank der Anstalt für ihr Wirken für dieselbe aus. In launigen Worten überbrachte der Präsident des Bethausvereins des IX. Bezirkes, Herr Börserat I. Glück dem Vorstandsmitgliede desselben die Grüße und Glückwünsche des Vereins. Seine humorvolle Rede machte auf die Anwesenden besonderen Eindruck. Herr Gottlieb Hermann sprach namens des Vereins jüdischer Fleischhauer, deren Stand der Jubilar durch seine Gewissenhaftigkeit zu besonderen Ehren gebracht, wofür der Verein Herrn K o r n m e h 1 durch Ernennung zum Ehrenpräsidenten besonders dankte. Ueber den Kreis der jüdischen Berufskollegen hinaus hat es der Jubilar verstanden, sich überall Achtung und Wertschätzung in seiner Branche zu verschaffen, und so wurden ihm auch von der Genossenschaft der Wiener Fleischhauer wiederholt große Ehrungen zuteil. Die Reihe der Gratulanten beschloß Herr Moritz Oesterreicher, der für den Verein „Wohlfahrt" Herrn Kornmehl für seine segensreiche Tätigkeit dankte, die er besonders in letzter Zeit der gefährdeten Kinderbewahranstalt widmete. Tief ergriffen dankte der Jubilar allen Festgästen und Rednern für die ihm überraschend gewordene Ehrung, deren erhabene Schönheit ihn an die Manen seines gottseligen Vaters erinnerte, der auch stets nur sein Glück darin fand, daß sein Sohn Zedokoh tat. Herr Kornmehl pries sich glücklich, daß seine wackere Gattin seinen 60. Geburtstag zum Anlaß nahm, um an diesem Tage ganz in seinem Sinne der notleidenden Alten zu gedenken. Mit nochmaligen Dankesworten des Jubilars an alle Gratulanten, insbesondere an Herrn Präsident Doktor Jakob O r n s t e i n und an Herrn Regierungsrat Guido Fuchsgelb schloß die schöne Feier, um deren Arrangement sich der Oberverwalter des Versorgungshauses Herr I. Popper besondere Verdienste erworben hat. Herr Siegmund Kornmehl ist aus Anlaß seines Geburtstages Gegenstand herzlicher Ehrungen gewesen und eine große Zahl von Gratulanten gab einen Beweis dafür, wie anerkannt in den weitesten Kreisen die Wirksamkeit des Jubilars ist. Am zweiten Neujahrstage wurde er besonders lebhaft im Tempelverein IX gefeiert, bei welcher Gelegenheit Oberkantor P o s t o 1 o w einen für diesen Anlaß verfaßten Segenspruch rezitierte. Wir wünschen dem Jubilar, daß er in gleicher Frische und Rüstigkeit auch weiterhin an der Seite seiner wackeren Gattin so segensreich wirke, wie bisher. Goldene Hochzeit. Am 4. d. M. feierte der Großkaufmann Hermann Engel mit seiner Gattin Julie geb. Weiß im engsten Familienkreise das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Herr Hermann Engel hat es verstanden, durch unermüdlichen Fleiß, strenge Rechtlichkeit und ungewöhnliche Tatkraft sein Unternehmen, das von seinem Sohne Eduard Engel übernommen wurde, zu hohem Ansehen zu bringen und erwarb sich einen weit über die Grenze des Bezirkes Landstraße bekannten und geachteten Ruf. Insbesondere für jüdische Angelegenheiten hat Herr Hermann Engel stets Herz und Sinn bewiesen. Ein Sohn des Jubelpaares, der Großindustrielle Hans frieiaKr i DentsA WIEN l.f Sellenstellengass« 2 Tel. U 28-1-28 XI-, Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. I118-0-89 Enge l, bedachte aus diesem Anlaß am ersten Neuiahrstage im Stadttempel in hochherzigster Weise die humanitären Institutionen der Wiener israelitischen Kultusgerneinde. Den zahlreichen Gratulanten schließt sich auch die Redaktion unseres Blattes aufs herzlichste an. In memoriam Dr. S. Gelbhaus. Sonntag, den 9. d. M., ist in Baden der pensionierte Wiener Rabbiner Dr. S. G e l b h a u s im 76. Lebensjahre gestorben. Ein Lieblingsschüler von Sternthal, Lazarus und Adolf J e 11 i n e k, galt Dr. G e l b h a u s als hervorragender Gelehrter auf dem Gebiete der Syrologie und der Kabbalistik. Seine zahlreichen Werke beschäftigen sich auch mit Spinoza und mit jüdischen Minnesängern. Er hat die Beziehungen zwischen Spinozismus und Kabbala analysiert. Ein im Manuskript hinterlassenes Werk behandelt den Zusammenhang des Islam mit der mosaischen Lehre und wurde von Oberrabbiner Dr. Chajes s. A., dertübrigens Dr. Gelbhaus den Beginn seiner Laufbahn dankte, für das schönste Versöhnungsband zwischen Arabern und Juden bezeichnet. G e l fall a u s wirkte als Rabbiner in Karlstadt, Nordhausen und Prag, wo er eine hervorragende gesellschaftliche Stellung einnahm und mit dem Kardinal-Erzbischof und dem Statthalter Grafen Thun in lebhaftem Verkehr stand. In Wien, wo er einundzwanzig Jahre als Rabbiner des neunten Bezirkes wirkte, war sein gastfreies Haus der Sammelpunkt von Gelehrten aller Konfessionen und Parteirichtungen. Er war einer der letzten Wiener, die mit Franz Grillparzer in persönlichem Verkehr gestanden waren. Grillparzer hatte sich lebhaft für die syrischen Forschungen des jungen Studenten interessiert. Die Beisetzung fand Mittwoch, den 12. d. M. unter großer Teilnahme von Neuen Friedhof aus in dem von der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde dem Verewigten gewidmeten Grabe statt. Die Herren Rabbiner Dr. Max Grunwald und Dr. D. F e u c h t w a n g würdigten in tief empfundenen Reden die Persönlichkeit des Verstorbenen und schilderten mit ergreifender Beredsamkeit die vortrefflichen Charaktereigenschaften des Dahingeschiedenen. Präsident Dr. J. 0 r n s t e i n dankte namens des Bet-Ha-midrasch-Vereines dem Verblichenen für dessen langjährige, hingebungsvolle Tätigkeit als Lektor und versicherte, daß der Verein solche hervorragende Leistungen stets in ehrenvoller Erinnerung behalten werde. Die Herren Prof. Dr. S. Kraus und Rabbiner S. H o r o w i t z schilderten sodann die Bedeutung des Dahingeschiedenen als hervorragenden Gelehrten. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor S. P o s t o 1 o w. An der Bahre trauern seine Frau PhiÜDDine Gelb haus, die Kinder Hr. A~Muif f? r 1 h b p ii Mr>]y D u h. Lilv Schmelz, sowie die Schwiegersöhne Alfred D u b und Julio Schmelz. . s Die Klagenfurter Chewra Kadischa konnte am 2. September ihren vierzigjährigen Bestand feiern, aus welchem Anlaß im Bethaus in Anwesenheit des Bürgermeisters Doktor B e r c h t von Rabbiner H a u s e r eine tiefangelegte Festpredigt srchalten und eine Gedenktafel enthüllt wurde. Nachmittags fand ein Gräberbesuch im israelitischen Friedhof in St. Ruprecht statt, abends ein Festkommers im Speisesaal des Großgasthofes Moser, bei welchem nach der von Adolf Preis gehaltenen Begrüßungsansprache Präses Max S t ö ß 1 eine Religionsunterricht erteilen Absolventen des Wr. jüdischen Religionsseminars Auskünfte durch den Sekretär E. Grünberg, II., Schöllerhofgasse 12/2 Schön möbliertes Zimmer in nächster Nähe der Universität und Technik Hlavlerbenüfzung und gute hosdier Pension bei guter jüdischer Familie zu mäßigem Preise zu vermieten Adresse in der Administration der „Wahrheit" zu erfragen