Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT niiüUiiiuiuiiiiiiM Seite 15 VonWockezu IDoche Wolf Pappenheim 80 Jahre. Am Jom Kippur beging der in weitesten Kreisen des Wiener Judentums rühmlichst bekannte Vorkämpfer der Orthodoxie, Herr Wolf Pappenheim, seinen 80. Geburtstag. Es wäre müßig und sicherlich der bekannten Bescheidenheit des Jubilars absolut nicht entsprechend, wollten wir all die großen Verdienste aufzeigen, die sich Wolf Pappenheim, der aus der Preßburger Jeschiwah hervorgegangen, im Laufe seiner jahrzehntelangen Wirksamkeit für das Judentum erworben. Eine unbeugsame Kampfnatur sehen wir ihn in Preßburg, in Paris, in Wien, wohin ihn immer sein Weg führte, als führenden Rufer im Streite für die alte unverfälschte Thora. Es ist selbstverständlich, daß er in Wien, wo er seit mehr als 30 Jahren zu Hause ist. in sämtlichen jüdisch-orthodoxen Körperschaften und Anstalten führend und leitend arbeitet. Seit vielen Jahren vertritt er die Orthodoxie im Kultusyorstande; den Mittelpunkt seiner Tätigkeit bildet seit Jahrzehnten die Vertretung der Adas Jisroel und ihrer Institute, sowie der vielen orhodoxen Bethäuser, T?.lmud-Thoras usw. Seitdem der Gedanke der A g u d a h in die Welt gesetzt wurde, ist Pappenheim ihr begeisterter Verkünder und ihr gilt seine unablässige Arbeit. Es ist staunenswert, wie er zu jeder Stunde bereit ist, sich für das geliebte Judentum und seine Angehörigen einzusetzen. Wir erwarten und wünschen von seinem jugendlichen Geiste noch viele ersprießliche Taten zum Wohle des Judentums. Wolf Pappenheim war anläßlich seines schönen Jubeltages Gegenstand herzlicher Ehrungen seitens seiner zahlreichen Freunde. Oberrabbiner Immanuel Low, Szegedin, feierte vor kurzem das 50jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Rabbiner. Er war aus diesem Anlasse Gegenstand begeisterter Ovationen seitens seiner vielen Freunde und Verehrer in ganz Ungarn. Oberrabbiner Dr. Immanuel Low ist bekanntlich in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste im Vorjahre als Vertreter der jüdischen Religion von der ungarischen Regierung ins Herrenhaus berufen worden. Siegmund Kornmehl, 60 Jahre alt. Am 15. d. M. feierte Herr Siegmund Kornmehl, Großileischhauer, Wien IX., seinen 60. Geburtstag. Wenn jemand 60 Jahre alt wird und den größten Teil seines Lebens der Humanität und Wohltätigkeit widmete, dann ist sicherlich der Anlaß gegeben, einen solchen Jubeltag festlich zu begehen. Mag auch der Jubilar in seiner bekannten Bescheidenheit allen äußeren Ehrungen abhold sein, mag er. der seit Jahrzehnten in aller Stille für Notleidende stets hilfsbereit war, seine Befriedigung allein darin finden, anderen Gutes getan zu haben, diesen Tag zu feiern gebietet nicht allein dife Pflicht der Dankbarkeit einem solch edlen Menschen gegenüber, sondern auch die Pflicht gegen uns selbst. In einer Zeit, da Not und Elend in weitesten Schichten des Wiener Judentums vorherrscht, ist uns der Gedanke, daß Männer wie Siegmund Kornmehl selbstlos für das Wohl der Gemeinschaft wirken, ein Trost und eine Stütze unseres Glaubens an die Menschheit. Was er uns Juden ist? Vor allem die personifizierte Güte, die Inkarnation des weichen, jüdischen Herzens, des überquellenden Mitleids und der unverdrossenen Hilfsbereitschaft. Darin erblickt er die vernehmlichste Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft und so ist ihm die Judengemeinde alles, die Hebung ihrer Wohlfahrtsinstitutionen seine Lebens- und Liebesaufgabe. Wir erinnern - nur an seine Tätigkeit in dem von Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d ins Leben gerufenen Sanierungskomitee, das sich die erhabene Aufgabe stellte, den nach dem Umstürze in Not geratenen Wohlfahrtsanstalten der Kultusgemeinde zu helfen. Auch in dem BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo ^Schotten, Wien XIV., Braunhlrschengasse Nr. 21 Telephon R 38-3-83 — Provinzversand S. Gruners *m Restaurant II., Zirkusgasse 34 Telephon R 43-1.60 Vorzügl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend M«nu nach Wahl. Erstklassige Getränke. aus dem „Sanierung k o m i t e e" hervorgegangenen Vereine „W o h 1 f a h r t" gehörte der Jubilar zu jenen verdienstvollen Männern, die sich wahre und echte Nächstenliebe zur Lebensmaxime gewählt haben. Als dann vor efnigen Jahren die „Wohlfahrt" in rühmenswerter Weise die Kinderbe wahranstalt in der Schiffamtsgasse übernahm, da war es wieder Siegmund Kornmehl, der mit Liebe und Eifer mittat, um dieses älteste karitative Institut wieder auf jene Höhe zu heben, auf die es heute mit Stolz blicken kann. Unter den vielen Institutionen, bei denen Siegmund Kornraehl eifrig mittat, galt seine Hingabe insbesonders auch dem „L e h r 1 i n g s h e i m" in der Seegasse, das ihm seine neue Erstehung verdankt. Bei allen diesen Werken edelster Menschenliebe war seine wackere Gattin Helene unermüdlich mittätig und es entsprach ganz ihren und den Intentionen ihres bescheidenen Gatten, den 60. Geburtstag ihres Mannes in einer Weise zu feiern, wie sie beispielgebend sein sollte. Frau Helene Kornmehl hat nämlich dem Versorgungshause, also jener Anstalt, die ihrem Gatten besonders am Herzen liegt, eine Bettstiftung gewidmet. Völlig überraschend für Herrn Siegmund Kornmehl wurde ihm zu Ehren am Dienstag, den 18. d. M. im Versorgungshause die Enthüllung der Bettstiftungstafel vorgenommen, zu welcher schönen Feier sich ein auserlesener Kreis von Freunden und Verehrern des Jubilars einfand. Man bemerkte u. a.: Dr. Jakob Ornstein, Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden" und Vizepräsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb, die Herren Rabbiner Doktor M. H. Bach und Dr. A. Z. Schwarz, die Kultusvorsteher Dr. K1 a b e r und H o f m a n n, Bethausvorsteher J. Berger, Börserat I. Glück, Präsident des Tempelvereins Müllnergasse, mit Vorstandsmitglied Trebitsch und Oberkantor S. P o s t o 1 o w, in Vertretung der Kinderbewahranstalt (Verein „Wohlfahrt") die Vizepräsidenten M. Oesterreicher und S. W e i n e r und die Vorstandsmitglieder Müller und Wassermann, in Vertretung der Vereinigung jüdischer Fleischhauer die Vorsteher Gottlieb Hermann und M. Winter. Chefredakteur Ludwig Hirschfeld, Oskar Hirschfeld. Sekretär der „Union deutschösterreichischer Juden". Ingenieur Pramer: die Damen: Adele Bach, Präsidentin des Frauenvereines für den XVI. und XVII. Bezirk, Johanna Bäck, Sabine B e r g e r, Sophie Grünfe 1 d, Johanna Felix. Amalie Kornmehl, Margarete K o r n o s, Regine Münz. Elsa S c h u 1 h o f, Vorsitzende des Schwesternbundes „Hort". Hertha Schweizer, Josefine S e i d 1 e r, Hilda Singer. Malwine Springer, Fanny Wassermann, sowie die Familienangehörigen des Jubilars. Dr. Jakob Ornstein richtete an den Jubilar herzliche Worte der Begrüßung, in denen er seines ersprießlichen Wirkens als Gewerbetreibender, der durch seine Recht- Alle, die midi auslAnlaß der fünfundzwanzigsten Wiederkehr des Tages beglückwünschten, an welchem ich die Stelle als Rabbiner in Wien 'angetreten habe, sage ich herzlichen Dank. Ich bemerke jedoch, daß ich kein Amtsjubiläumgefeiert habe, noch feiern werde. Rabbiner Dr. David Feuchtwang