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Die Wahrheit · 1928-06-08 · Heft 23 (8.6.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 23 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 lüMuiuinuuuniiuiui lunnuuuiuuiHMiM^ Dlf WAtffttlEII dem Bewußtsein der Abhängigkeit des Menschen vor der Gottheit entsteht und deren edelste Frucht, wie dies schon die Bibel hervorhebt, die „Jiroh" ist. Der Verklärte wirkte nach einer kurzen Tätigkeit in Mähr.- Kromau mehr als zwanzig Jahre in der durch ihre Gelehrten einst berühmten Gemeinde Boskowitz. In zwei Dezenien vemochte er, wie die fleißige Biene ihren Honig in den Waben, so in seinen Werken viel Gelehrsamkeit aufzuhäufen, um erst später nach Wien zu ziehen und hier nach dreizehnjähriger schwerer segensreicher Arbeit im Pazmanitentempel und am Beth-Din vielbeklagt die Augen zu schließen In-Boskowitz lebte und wirkte bekanntlich einst der berühmte Samuel Haie vi Kellin, nach seinem Werke genannt „M a c h z i s H a s c h e k e 1". Vor etwa zwanzig Jahren (1906) sind dessen aufgefundene Deraschot veröffentlicht worden. In einer derselben deutet er den Satz in Kohelet I, 13 „Was hat der Mensch von all seiner Arbeit, womit er sich müht unter der Sonne?" Er meint gleich wie „unter der Sonne" eine zweifache Drehung stattfinde, eine kurze in vierundzwanzig Stunden und eine lang andauernde in dreihundertfünfundsechzig Tagen, also habe auch der Fromme eine doppelte Arbeit zu leisten: eine minder wichtige, kurz andauernde für diese, und eine vollwertige, kaum zu erschöpfende für die andere Welt. Dr. Funk hatte beides vollbracht. Er war rastlos tätig in der aufreibenden Kleinarbeit des Berufes, aber noch weit mehr auf dem großen Gebiete der Talmudforschung. — Der Lohn für diese zwiefache Mühewaltung wird diesem idealen Menschen, Gelehrten und Rabbiner in jener himmislchen Welt „über der Sonne" nicht vorenthalten bleiben. Alle aber, die ihn näher kannten und schätzten, trauern und weinen um so viei geistige und sittliche Schönheit, die dem Erdenstaub anheimgefallen ist! * * * Beim Leichenbegängnis, welches vom Trauerhause, IL, Nordbahnstraße 32, seinen Ausgang nahm, kam jene überaus große Liebe und Wertschätzung zum Ausdruck, welche sich der Verblichene durch sein vielseitiges selbstloses öffentliches Wirken in den weitesten Kreisen der Judenschaft nicht nur Wiens, sondern über die Grenzen hinaus erworben hat. Zu den Trauerfeierlichkeiten hatten sich unter anderen eingefunden: Das Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Prof. Dr. Alois Pick, Dr. J. 0 r n s t e i n und Doktor J. L ö w e n h e r z, mit einer großen Anzahl von Kultusvorstehern: der Gesamtvorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" mit zahlreichen Mitgliedern und Besuchern dieses Tempels unter Führung des Obmannes Oskar Schramek; eine Delegation der Israelitischen Kultusgemeinde Boskowitz: die Rabbiner: Dr. A. Abeles, Dr. M. I. Bach, Dr. M. B a u e r, Dr. D. F e u c h t w a n g. Dr. A. Frankfurter, Dr. M. Grunwald, Dr. GeIbhaus. Doktor A. K a m i n k a, Dr. A. L. M a n d e 1, M. Mayersohn, Dr. M. G. M e h r e r, Dr. M. Rosenmann, Dr. A. Z. Schwarz, Dr. I. T a g 1 i c h t sowie eine große Anzahl Vereinsrabbiner und Rabbiner aus der Provinz: für ^■M.uaaa..........■■■■•■■■■■■■■■■>■>*■■> ■ S ■ i 1 Herren*- und Damenkleider \ ■ s ■ nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Even-; 2 tuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlungserleichterungen 5 g ■ : Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 ■ S Telephon 2-15; die türkisch-sephardische Gemeinde Vizepräsident de Majo und Rabbiner Dr. Ovadja; für die israelitisch-theologische Lehranstalt Prof. Dr. S. Krauß; für den Bethausvorstand des I. und II. Bezirkes viele Vorsteher unter Führung des Präsidenten Dr. E. Münz; in Vertretung der Chewra Kadischa Börserat I. Glück, Präsident der Organisation der Wiener Tempelvereine, Vorsteher S. Ernst und Amtsleiter Wilhelm Fr ei Stadt; Abordnungen sämtlicher Tempel- und Bethausvereine Wiens; eine Vertretung der Beamtenschaft der Wiener israelitischen Kultusgemeinde mit den Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. E. Adler und Regierungsrat G. Fuchsgelb an der Spitze; Delegierte des österreichichen Kantorenvereines unter Führung des Präsidenten J. L ö w i t. der „Union deutschösterreichischer Juden", der „Agudas Jisroel", der „Zion. Landesorganisation" und der „Misrachi"; zahlreiche Vertreter humanitärer und Frauenvereine u. v. a. m. In der Wohnung nahm Prof. Dr. Samuel Krauß für die israelitisch-theologische Lehranstalt und als Freund des Hauses innigen Abschied von dem Heimgegangenen. Er gedachte des hingebungsvollen Wirkens dieses prominenten Gelehrten, das nebst dem Wohle seiner engeren Gemeinde der Judenschaft überhaupt gewidmet war. Mannigfache Pflichten hatte der Verstorbene auf sich genommen und alle hat er treulich erfüllt. Unter Trauergesängen wurde nun der einfache Holzsarg von den Vorstandsmitgliedern und Bethausbesuchern vom Sterbehause bis zum Pazmanitentempel durch die Straßen getragen, die der Verblichene 13 Jahre Tag für Tag in Ausübung seiner heiligen Pflicht passierte. Unübersehbar war der Trauerzug, und obwohl die Trauerfeier im Tempel erst für halb 3 Uhr nachmittags angesetzt war, staute sich bereits in den ersten Nachmittagsstunden in den an den Tempel grenzenden Straßen eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, die in dem großen Gotteshause wegen Ueberfüllung keinen Einlaß finden konnte. Vor der Kanzel, auf welcher der Verewigte so oft und erbauend gesprochen, stand nun sein Sarg. Nachdem Oberkantor I. M ü 11 e r, begleitet von dem Tempelchor, den Trauerpsalm „Schewisi" ergreifend zum Vortrage gebracht, betrat unter tiefer Stille Rabbiner Dr. Max Grunwald die Kanzel, um dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf zu halten, der auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte. Er schilderte in markanten Zügen die Größe der Persönlichkeit Rabbiner Dr. S. Funks, sein ersprießliches Wirken, und hob hervor, daß der Verstorbene auf allen Gebieten des jüdischen Lebens Großes geleistet und reiche Saaten ausgestreut hat, deren Früchte noch spätere Geschlechter genießen werden. Pflichtbewußtsein, Güte. Wohlwollen, aufopfernde Menschenliebe, all das verkörperte sich in dem Dahingeschiedenen in einer Weise, wie sie nur selten zu finden ist! Er gedachte insbesondere der schönen Liebe und grenzenlosen Verehrung, die der. Dahingegangene angesichts seines friedliebenden Wesens beim Vorstande, den Mitgliedern und Besuchern des Pazmanitentempels genossen, und des großen Verlustes, den seine Familie erlitten, der sich die Teilnahme Tausender zuwendet. Für» den Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" nahm Obmann Oskar Schrämek. schmerzerfüllt Abschied von dem teuren Verblichenen, dessen große Verdienste um den Tempelverein er besonders hervorhob. Wir liebten und verehrten ihn, sagte der Redner, und sahen zu ihm als zu unserem Führer empor. Wir geloben, in seinem Geiste zu wirken, und dieser wird uns stets bei unseren Beratungen umschweben. Namens der Gaboim-Sektion und der Tempelbesucher sprach der Freund des Verstorbenen. Vorstandsmitglied S. Leenmann, der das tiefe religiöse Empfinden, die Herzensgüte, Friedfertigkeit und das große Pflichtbewußtsein des Dahingeschiedenen rühmte. Unter Trauergesängen wurde nun der Sarg von Vorstandsmitgliedern gehoben und zum vierspännigen Leichenwagen gebracht, der sich im Schritt bis zum Praterstern bewegte. Hinter dem Leichenwagen folgten die Familienangehörigen, das Präsidium der Kultusgemeinde, die Vorstandsmitglieder des Pazmanitentempels und die Delegationen der verschiedenen Körperschaften und Vereine. Wie auf dem Wege UMiiiiiiiiuiiiiuiiiiuiiiiiiiiniUk Bollinger-Eiskasten •lad Mit 1870 dl« beste» Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 60-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 ^MiraiUUBMBMIMMMMI

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