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Die Wahrheit · 1928-06-01 · Heft 22 (1.6.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 iHiMiHMiiiniiiiiiraiiiii f>|£ WAHRHEIT nicht eigentlich geheilt, sondern nur verwachsen werden kann durch die steigende Humanisierung der Deutschen. Wenn unser Osten auf der gleichen Höhe der Kultur stehen wird wie unser Westen, so wird der Antisemitismus nicht schlechthin beseitigt, aber so weit zurückgedrückt sein, wie dies bei organischen Leiden möglich ist. Bis dahin ist es wohl zweckmäßig, den groben Fälschungen und Verdrehungen der Antisemiten im einzelnen zu antworten und auf den groben Klotz einen groben Keil zu setzen, aber eine generelle Behandlung der. ganzen Angelegenheit — verzeihen Sie — kann leicht eben so viel schaden wie nützen . . Der Grabschänder ist ein gemeiner Lump. In „Kunst und Kirche", Zeitschrift des Vereins für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche, viertes Heft, lesen wir: Wer einmal über alte jüdische Friedhöfe gewandert ist, etwa in Prag oder in Worms, wird die wundervolle Stimmung dieser Ruhe- 'siätten einer noch kultischen Friedhofskunst nicht vergessen. Nach jüdischem Ritus darf die Ruhe des Toten nie gestört werden; darum wird niemals ein Fleckchen Erde zu mehrmaliger Bestattung verwendet. Die Ruhe deV Toten — .es scheint eine Epidemie zu sein — ist in letzter Zeit von Fanatikern gestört worden; eben kommt wieder aus Elberfeld die Nachricht, daß in Velbert Friedhofsschändungen vorgekommen sind. In der „Christlichen Welt" fragt Rade gegenüber den vierzig Schändungen, wo von christkirchlicher Seite ein öffentliches Wort der Entrüstung sei. Gerade weil wir es mit wenn auch einer anderen Religionsgemeinschaft angehörigen kultischkünstlerischem Gut zu tun haben, müssen wir Christen die Stimme gegenüber solcher rohen Gemeinheit erheben. Man wird sich gewiß mit dem Judentum mit seiner intellektualistischen Einstellung auseinandersetzen müssen. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt, das mag eine Seite des Geisteskampfes der Gegenwart sein. Um des christlichen Gewissens und der christlichen Ethik willen müssen wir von solchen Schändlichkeiten klar abrücken; zu allen Zeiten hat es gegolten: Der Grabschänder ist ein gemeiner Lump. Die „verjudete" evangelische Kirche. General Ludendorff, dessen Extravaganzen immer neuen Stoff zu Heiterkeit bieten, ist vor kurzem aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Sein Freund Wuüe gibt als Grund dafür an, daß sich (nach Ansicht Ludendorffs) auch in der evangelischen Kirche jüdische Einflüsse bemerkbar machen, die dem Geist des wahren Christentums widersprechen. In kirchlichen Kreisen macht man sich darüber doch besondere Gedanken. So schrieb das protestantische „Bremer Kirchenblatt" hierzu: „General Ludendorff ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Manches, was man von ihm hört, legt die Vermutung nahe, daß die ungeheure geistige üeberanstrengung in vier schweren Kriegsjahren und dann die furchtbare Enttäuschung über den schließlichen Mißerfolg der Arbeit krankhafte Störungen verursacht haben. Sein Kampf gegen manche andere Führer unseres Volkes, sein eigenartiges politisches Auftreten, das überall den klaren weitschauenden Blick vermissen läßt, sein blinder Haß gegen die Juden, seine ungerechtfertigten, maßlosen Angriffe gegen die Logen, und sein Bruch mit der Kirche, für alles das kann man nur eine Erkrankung als Ursache dieser Veränderung seines Wesens annehmen.4* Das „Bremer Kirchenblatt' wird schon recht haben. Ein Aprilscherz. „Die neue Welt" hat in einer ihrer letzten Nummern einen Briefwechsel zwischen dem deutschen Reichswehrminister General Groener und dem bekannten nationalsozialistischen Abgeordneten Grafen von Reventlow gebracht, den auch Berliner Blätter veröffentlichten. Dieser Briefwechsel, der an sich sehr charakteristisch war und insbesondere die Fronttätigkeit, richtiger Frontuntätigkeit des Grafen Reventlow beleuchtete, war, wie sich jetzt herausstellt, ein Aprilscherz des Hamburger Israelitischen Familienblattes. kund und Literatur Ehrung für Dr. Josef S. Bloch s. A. Wie wir deutschen Berichten entnehmen, hat die Redaktion des „Deutschen Biographischen Jahrbuche s", herausgegeben vom Verbände der deutschen Akademien, für den 5. Band des Jahrbuches einen Nachruf Dr. Josef Blochs vorgesehen und an den Mitarbeiter der „Geschichte der Stadt Wien", Rabbiner Dr. Max Qrunwald das Ersuchen gerichtet, diese Biographie zu liefern. Mährische Juden in Wien. Im Rahmen des großen reichillustrierten Sammelwerkes über die Juden Mährens, das der unterzeichnete Verlas herausgibt, schreibt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald Ober die aus 'Mähren stammenden, in Wien ansässigen jüdischen Familien älterer und neuester Zeit, sowie über einzelne Juden, soweit diese ihm-biographisches und familiengeschichtliches Material, wie Stammbäume. Familienurkunden und ähnliche Dokumente, liefern. Um dieser-Zusammenstellung möglichste Vollständigkeit zu geben, wenden wir uns wiederholt an alle Beteiligten mit der Bitte, unser Unternehmen durch Einsendung von Autobiographien und entsprechenden Belesen an Herrn Dr. Max Grunwald. Wien II., Ferdinandstraße 23. zu unterstützen. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Brunn, Adlergasse 9. +~ , L Kracauer, Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. (1150—1824), 2. Band, Frankfurt 1927, I. Kaufmann. 12.50 Mark. Von den Zeiten des 30jährigen Krieges führt uns dieser Band bis in die langwierigen schweren Kämpfe der Frankfurter Juden um ihre bürgerliche Gleichstellung. Bei einer Gemeinde, die als eine der größten und reichsten, so oft im Vordergrunde der jüdischen Geschichte stand, und die. wie kaum eine zweite, über ein reichhaltiges archivalisches Material verfügt, darf man von vornherein erwarten, in einer Darstellung ihrer äußeren Geschicke wie ihrer inneren Entwicklung auf eine Menge von Einzelheiten zu stoßen, die über das lokalpatriotische Interesse hinausgreifen. Eine besonders reiche Ernte fällt der Kulturgeschichte zu. Daß für ablehnende Haltung gegenüber Zuflucht suchenden Glaubensbrüdern, die anderwärts mit offenen Armen aufgenommen wurden, aus den örtlichen Verhältnissen eine Erklärung gesucht wird, ist ganz begreiflich. Von allgemeiner Bedeutung für die Geschichte menschlicher Bosheit und auf der anderen Seite unermüdlichen und nie verzagenden Kampfes ums Recht ist die ausführliche und eindrucksvolle Darstellung der Emanzipazionsbestrebungen der Frankfurter Juden. Die Frankfurter Gemeinde hat sich mit der Herausgabe dieses Werkes ein Ehr endenkm a 1 gesetzt. G. < A. Wendel: Das Opfer in der altisraelitischen Religion, Leipzig, 1927, E. P f e i f f e r, 12 Mark. Mit umfangreichem wissenschaftlichen Apparat wird hier die archäologisch wichtige Frage nach Ursprung und Sinn des altisraelitischen Opferwesens in Angriff genommen. Erörterungen, die für die Vorgeschichte des Mosaismus manche reizvolle Spur aufdecken, aber doch zugleich auf den ursprünglichen Volkscharakter Israels Streiflichter werfen, die der Aktualität auch für die Gegenwart nicht entraten. Der Verfasser sagt Seite 201: „Der Protestant bezeugt seine Frömmigkeit in seinem frommen Lebenswandel, der Katholik in gehorsamer Treue llOSTERREICHS GRGSSTE PHOTOFIRMAi| PHOTO WEITZMANN IL, PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 UND ZAHLREICHE FILIALEN IDamenfrteidew ~ Metier Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Walsenmädchen im Dr. Krüger Helm Wien IL, Malzgasse 7, Tel. R 43-5-40 Übernahme alter Arbeiten, von Reparaturen bis zur aUerfelnsten Maßarbelt. Billige Preise!

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