Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT niiiiiiuiuiSiiiiihDuiiiwIfliiniEIIUiiyinfflll Seite lt ist. Auch in der oberschlesischen Volkspoesie. insbesondere den Volksliedern, finden sich nirgends Aeußerungen, die auf Judenfeindschaft schließen lassen... Am schönsten zeigte sich das Zusammenhalten während der Abstimmungszeit. In Dankbarkeit und selbstverständlicher Treue standen die oberschlesischen Juden da für ihre Heimat ein im S e 1 b s tschutz und in der Propaganda in Stadt und Land, in den Organisationen in der Heimat und im Reich und in wichtigen Missionen im Ausland. Doch von ihrer deutschen Gesinnung, ihren Taten und ihren Leiden allein zu sprechen, hieße ungerecht sein gegenüber den anderen Heimattreuen. Zu frisch ist zudem die Erinnerung an diese Tage und zu fest und unvergänglich in aller Herzen eingegraben... Ein Sprachenstreit in Polen. Die Verwaltungskörperschaften der Jüdischen Gemeinde Warschau haben beschlossen, die polnische Sprache als Unterrichtssprache in den von ihr unterhaltenen Schulen einzuführen. Diese ganz selbstverständliche Maßnahme — schon in ihrem eigenen Interesse müssen die Juden der polnischen Metropole endlich einmal die Landessprache beherrschen lernen — hat in der jüdischen Presse Polens erbitterte Proteste ausgelöst. Dabei sind, wie die Straßburger „Tribüne Juive" richtig meint, alle gegen diese Neuerung angeführten Argumente absolut nicht stichhaltig. Die Fanatiker, die die Anwehdung des Hebräischen fordern, sind durch ihre romantische Phantasie verblendet. Haben doch selbst die strengsten Orthodoxen längst das Prinzip verwirklicht, Thorawissen mit europäischer Kultur (derech erez) zu vereinigen! Diejenigen aber, die das jiddische in der Schule weiter erhalten wollen, wissen nicht, was sie tun. Denn es ist, wie das Straßburger Organ hervorhebt, das beste Mittel, die Juden Polens untereinander und die Ostjuden von den Westjuden zu trennen. Wenn die Jiddischisten das Jiddische als Muttersprache konservieren wollen, so handeln sie gegen die Forderungen der Zeit und pflegen ein reaktionäres Ideal, das die heranwachsende Jugend, der Macht der Verhältnisse gehorchend, binnen kurzem aufgeben wird. Für die Umgestaltung der Jerusalemer Universität. Am 12. Mai fand in Prag eine auf Initiative der Revisionistischen Union von der Studentenorganisation „Hechawer" einberufene Studentenversammlung statt, auf der Referate über das Problem der Umwandlung der Hebräischen Universität in Jerusalem in ein Lehrinstitut erstattet wurden. Die Versammlung nahm einen sehr erregten Verlauf, besonders als es zur Abstimmung der Resolutionen kam, die eine Umwandlung der Universität forderten. Einige anwesende mehrheitszionistische Studenten forderten die Streichung des Wortes „protestieren" aus dem Resolutionstexte. Die Entschließung wurde jedoch in ihrer ursprünglichen Form mit überwiegender Mehrheit akzeptiert und an das Kuratorium der Universität abgesandt. Das Kuratorium wird sich wohl in kürzester Zeit entscheiden müssen. Erfreuliches aus Polen. Bekanntlich hat die von Grabow ski geführte frühere polnische Regierung einen Sejmbeschluß herbeigeführt, wonach die Konzessionen für den Handel mit Tabak und Spirituosen den bisherigen Inhabern entzogen und Kriegsinvaliden verliehen werden. Durch dieses Gesetz wurden etwa 30.000 jüdische Familien, die auch sonst wirtschaftlich schlecht gestellt waren, von der Gefahr bedroht, ihre wirtschaftliche Existenz ganz zu verlieren und auf die Straße geworfen zu werden. Eine größere Zahl Konzessionen ist bereits aus den Händen der bisherigen jüdischen Inhaber in die der polnischen Invaliden übergegangen. Die Praxis hat aber bewiesen, daß die Invaliden als Unternehmer nicht die notwendigen Oualitäten aufweisen, und daß deswegen dem Staatsfiskus ein immer größerer Schaden erwächst. Die jetzige Regierung Pilsudski hat nun beschlossen, die Verwirklichung des Konzessionsgesetzes zu unterbrechen und sogar die den\ jüdischen Konzessionären entzogenen Lizenzen den früheren Inhabern zurückzugeben. — Unter dem Protektorat des Ministerpräsidenten Marschall Pilsudski wurde am 6. Mai in Wilna dem Andenken des vor 120 Jahren in der Schlacht bei Kozk i m polnischen Freiheitskampfe gegen die Russen nach heldenmutiger Wehr gefallenen jüdischen Regimentsobersten Berek Josselewicz gehuldigt. Am Abend bewegten sich Demonstrationszüge der Schomrim und des Sportvereins Makkabi mit Fackeln durch die Straßen der Stadt. An den öffentlichen Plätzen Utting i m WIEN k» w■ «aww «wa■■ w S*Itanst«tt«ftgMM3 Tal. 68-1-28 XI., Zantralfrlodhof, neben dem l. Tor, Tal. 88-4 spielten Militärmusikkapellen. In der Großen Synagoge wurde im Beisein des Wilnaer Wojwoden Raczkiewicz, hoher Offiziere, der Mitglieder des Stadtpräsidiums sowie zahlreicher Persönlichkeiten der polnischen und der jüdischen Gesellschaft ein Gedächtnisgottesdienst abgehalten. Am 7. Mai fand in Anwesenheit der Behörden eine Festveranstaltung statt, in der ein vom Maler Laskow geschaffenes Gemälde, das Berek Josselewicz zu Pferd darstellt, enthüllt wurde. Zum Schluß spielte das Militärorchester den Marsch „Berek Josselewicz". — Die beiden Vorkommnisse zeigen, daß sich die Lage der Juden in Polen bessert. Beginnende Einsicht Die rumänische Regierung verfügte in einer offiziellen Verlautbarung die Auflösung der Union der christlichen Studenten-Ligen. Als Grund wird das dem Frieden des Landes abträgliche Treiben der Ligen ■ angeführt. In eingeweihten Kreisen will man wissen, daß Staatsinteressen für die Auflösung maßgebend waren; man bringt damit die unlängst erfolgte inoffizielle, aber um so eindringlichere Intervention des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg in Zusammenhang. Die getroffene Maßnahme erwies sich bereits als sehr notwendig. Am Sitz des Völkerbundes! Am l. Mai waren im. den Straßen von Genf Aufrute gegen die Juden an die Wände und Zäune geklebt. Sie waren aui rotem Papier gedruckt, wandten sich an die Arbeiter und enthielten schmutzige Beschimpfungen gegen die Juden, von denen es hieß, daß sie die Welt beherrschen, die Frermaiurerschaft dirigieren, den Kapitalismus und die bolschewistische Revolution geschaffen haben, mit ihrem Gelde die Wahlen zu allen Parlamenten der Welt beeinflussen und auch die Arbeiterbewegung vor ihre egoistischen Interessen spannen wollen. In einem zweiten Aufruf, der aus 50 Fragen bestand, wurden die Juden allerlei Laster bezichtigt Man nimmt es als sicher an» daß dibse schmutzigen Pamphlete von der reaktionären Jugendorganisation „Res Helvetia". die auch vor einiger Zeit antisemitische Skandale an der Genfer Universität arrangiert hat, stammen. Die Kirche und das Alte Testament. Im Verlage Franz Borgmeyer (Hildesheim) ist soeben eine Broschüre des katholischen Professors Dr. Joseph Machens „Die katholische Kirche und das Alte Testament" erschienen. Die Schrift, die mi t k i r chl i c h e r Druckgenehmigung veröffentlicht ist, schließt mit der wichtigen Feststellung: „Die Kirche weiß, daß sie auf dem Alten Testament aufbaut; sie wird nie die Wurzel verleugnen, aus deT sie wuchs, das Fundament, auf dem sie errichtet ist. Es würde der Baum welken, das Haus stürzen, wollte man Wurzel oder Fundament antasten. Nächst den neutestamentlichen Schriften kennt die Kirche keine heiligeren Schriften als die des Alten Bundes. Aßen Angriffen zum Trotz ist sie darum eine warme Verfechterin des Alten Testaments und wird nicht ablassen, es in Zukunft zu sein. Wenn uns Christen auch das Neue Testament außerordentlich viel höher steht, das Alte Testament ist doch in unseren Augen das große Licht der Wahrheit, das Gott der alten Welt leuchten ließ, und das auch in der neuen Welt noch weiter Licht spenden soll Es ist die große Fackel der Liebe, die Gott in der alten Welt entzündete, damit sie auch in der neuen Welt noch Liebe zünde." „Ein organischer Schaden der Nation." Professor Wölbe teilt ein Schreiben Theodor M o m ms e n s mit, das vor wenigen Tagen in Berlin unter den Hammer gekommen ist. Dieser Brief, datiert Charlottenburg, den i 9. Mai 1892, ist politischen Inhalts. Damals spielte der Judenfresser A h l w a r d t die Rolle, in der sich heute Adolf Hitler gefällt: Burschenschafter hatten den „Rektor aller Deutschend feierlichst durchs Brandenburger Tor geleitet. Gegen eine derartige Verblendung, die den Universitätslehrer mit schwerer Sorge erfüllt, wendet sich Mommsen. Er schreibt: „Ich bin speziell in der Judenfrage der Ansicht, daß die Kalamität des Antisemitismus ein organischer Schaden unserer Nation ist,, der