Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 18 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE WAHRHEIT Seite 11 respondenten, im vierten Jahre waren es bereits 4 Büros mit 29 Korrespondenten, heute besitzt die Agentur 6 Büros in den folgenden Zentren: Paris, Warschau, Berlin, Jerusalem, London und New York. 146 Korrespondenten stehen im Augenblicke im Dienste der Agentur. Die Agentur wird heute von 38 täglichen Zeitungen und von 91 jüdischen Wochenblättern abonniert. Außerdem veröffentlicht die Agentur Bulletins in den Sprachen der verschiedenen Länder, in welchen die Agentur ihre Büros besitzt. Die Zahl der Leser, welche durch die Agentur erreicht wird, beträgt heute mehr als 2 Millionen. Wenn man annimmt, daß eine Zeitung, welche eine Familie erreicht, durchschnittlich von 4 bis 5 Personen gelesen wird, dann darf man behaupten, daß ungefähr 10 Millionen Juden oder zwei Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung der Welt die Nachrichten der Agentur liest. Je mehr die Agentur ihren Apparat vergrößerte, desto mehr Kontakte wurden hergestellt mit den wirklichen Verhältnissen des jüdischen Lebens in den verschiedenen Ländern. Die Agentur machte sich zur Aufgabe, ein getreues Bild des jüdischen Lebens zu .geben, aller jüdischen Betätigungen, Wohlfahrtsaktionen, Immigrationen, Schutz der jüdischen Rechte. Alle diese Probleme erhielten die Aufmerksamkeit der Agentur. Sie enthält sich der Stellungnahme zu den verschiedenen Richtungen, die im jüdischen Leben vorhanden sind. Dadurch hat sich die Agentur die Anerkennung als eines unparteiischen Nachrichtendienstes von allen jüdischen Parteien, Zionisten sowohl wie Nichtzionisten, Orthodoxen und Reformjuden erworben. Die Agentur berichtet nicht nur Ereignisse, die direkt mit dem jüdischen Leben zusammenhängen, sondern auch Geschehnisse, die direkt oder indirekt die ökonomischen, politischen, kulturellen und religiösen Interessen der jüdischen Bevölkerung tangieren. In Palästina wurde von den Herren Großmann und Landau die Palastine Telegraphie Agency vor 3 Jahren ins Leben gerufen. Die Aufgabe dieser Agentur ist, alle Geschehnisse in Palästina der Diaspora mitzuteilen und umgekehrt, während die Jüdische Telegraphenagentur bloß jüdische Berichte verbreitet, ist der Nachrichtendienst der P. T. A. allgemeiner Natur. Von den Inhabern der Jüdischen Telegraphenagentur wurde auch die einzige englische Tageszeitung, die ausschließlich jüdische Berichte bringt, gegründet. Jewish daily bulletins erfreut sich eines großen Einflusses und hohen Ansehens, weil durch ihren weiten Nachrichtendienst, den sie ihren Lesern zur Verfügung stellt, es ihr möglich ist, allen Ereignissen tagtäglich zu folgen. Das Bulletin druckt keine Leitartikel, ist ausschließlich ein unparteiisches Nachrichtenorgan und hat sich darum in allen jüdischen Parteien Amerikas einen bedeutenden Leserkreis gewonnen. .....itllHIMIIIIIItlllllMMIIMWMHIHIIIMtlllHIMIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIMUWWmMHWIlWMMi r" fSücfirereinfoii/ Hermann Kutter: Das Bilderbuch Gottes für Groß und Klein, Verlag Kober C. F. Spittlers Nachfolger, Basel 1, geb. 7.20 Mark. — Arthur Schnitzler: Der Geist im Wort und der Geist in der Tat, Verlag F. F i s c h e r, B e r 1 i n. — Professor Dr. J. Lamm: Ein Purimabend, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn, Adlergasse 9, 2 Schilling. — Furtmüller: Auf dem Wege zur Schulgemeinde, Deutscher Verlag für Jugend und Volk, G. m. b. H., Wien I.. Burgring 9. — Kurt Hiller: Ist Genf der Friede? Verlag Hensel & Co., geh. 75 Pfennig. — Fritz Linde: Ich, der König, der Untergang Ludwigs des Zweiten, Georg Kummers Verlag, Leipzig, Blumengasse 18, elegant geb. 5 Mark, brosch. 3 Mark. — S. Altmann: Die Geschichte der Wanderungen, R. L e c h n e r, Kommissionsverlag, Wien 1927. — Methode Mertner: Französisch für Deutsche, Verlag für zeitgemäße Sprachmethodik, München. Die hier besprochenen Bücher sind durch die Buchhandlung Otto Hugo Weinberg, II., Taborstraße 17 (Hirschenhaus) zu beziehen. |fC Von Wodke *u Wadke^)^ Thora-Weihe im Großen Leopoldstädter Tempel. Der furchtbare Weltkrieg und der Zusammenbruch der Monarchie haben die Wiener Judenschaft und ihre Institutionen auf das schwerste getroffen. Die einst blühende jüdische Gemeinde war nach dem Kriege fast aller Hilfsmittel beraubt und nur durch Einsatz ihrer letzten Kräfte imstande, das jüdische Massenelend, das der Krieg und die Nachkriegszeit hervorgebracht hatte, zu lindern. Die Judenschaft der Leopoldstadt traf noch überdies eine besonders schwerer Schlag: Der Brand des großen Leopoldstädter Tempels. Das herrliche Gotteshaus wurde durch ihn in einen Trümmerhaufen verwandelt. Doch es ist eine merkwürdige und tröstliche Erscheinung in der jahrtausendelangen Leidensgeschichte unseres Volkes, daß immer dann, wenn die Not am größten war, durch Gottes Fügung Männer in unserer Mitte aufgestanden sind, die mit allen ihren Kräften das von den Vätern Ererbte zu erhalten bestrebt waren. So fanden sich auch in der schweren Zeit nach dem Kriege einige aufopfernde Juden, die in unermüdlicher Arbeit den Wiederaufbau des Gotteshauses und die Erhaltung der dem Zusammenbruch nahen jüdischen Institutionen ermöglichten. Zu diesen edlen Männern zählt auch ein Mann, der in bescheidener und stiller, aber unermüdlicher und aufopferndster Wirksamkeit Hervorragendes geleistet hat, Bethausvorsteher Siegmund Ernst. Der feierliche Akt der Einweihung eines Sefer-Thora, das von diesem Manne dem großen Leopoldstädter Tempel gespendet worden ist, bot nun der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit eine willkommene Gelegenheit, Herrn S. E r n s t, zu danken, nicht nur für seine Leistungen für den Leopoldstädter Tempel, sondern auch seiner übrigen charitativen Leistungen. Ist schon der Akt der Einweihung einer neuen Thorarolle an und für sich ein bedeutungsvolles Ereignis für jede Gemeinde, ein Ereignis, das die ewige Wiedererneuerung des Judentums symbolisiert, so bildete die Einführung dieses Sefer-Thora an die Stätte, die vor gerade zehn Jahren ein Raub der Flammen wurde, ein doppeltes Symbol der Wiedererneuerung. Dieser Umstand sowohl wie die Persönlichkeit des Spenders der Thorarolle, hat nicht nur die zahlreiche Gemeinde des großen Leopoldstädter Tempels, sondern auch die Vertreter der gesamten Wiener Judenschaft zu der Einweihungsfeier, die im Rahmen des Pessachgottesdienstes am 18. d. M. stattfand, vereinigt. Die Wiener Kultusgemeinde war durch ihren Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick, die Vizepräsidenten Dr. Jakob O r nstein und Dr. Josef Löwenherz sowie durch Mitglieder des Vertreterkollegiums und des Kultusvorstandes vertreten: der Bethausvorstand der israelitischen Kultusgemeinde war unter Führung seines Vizepräsident Dr. E. Münz fast vollzählig versammelt. Der Vorstand der Chewra Kadischa erschien mit seinem Obmann Dr. Wilhelm Pappenheim. Ferner bemerkte man unter den zahlreichen Festgästen viele Vertreter der Vereinstempel, an der Spitze den Präsidenten des Verbandes der Tempelvereine Börserat I. Glück, die Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. Adler und Regierungsrat G. F u c h s g e 1 b, zahlreiche Beamte der Kultusgemeinde und viele jüdische Gelehrte. Nach dem Schachrith-Gebete wurden alle vorhandenen Thorarollen ausgehoben und vom Rabbiner sowie anderen Honorationen feierlich in das Vestibül des Tempels getragen. Dort wurde von dem Spender der neuen Thorarolle, die prachtvolle, kostbar geschmückte Gabe, empfangen. Unter den rituellen Gesängen, die vom Oberkantor Heinrich Fischer und Chor vorgetragen wurden, bewegte sich der Zug durch den Mittelgang des Tempels der geöffneten Bundeslade zu, in die nun bis auf die neue Thorarolle die Sitre Thora eingestellt wurden. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald an den Spender, der das Sefer im Arme hielt, im Kreise der gesamten Kultus- und Bethausvorstandes und der Amtsdirektoren eine Ansprache, in der er unter anderem die Verdienste des Spenders um die Wiederherstellung des vor 10 Jahren durch Brand zerstörten Tempels würdigte, die Bedeutung der Thora im alicemeinen kurz betonte und zum Schlüsse den Segen Gottes über die ganze Gemeinde herabflehte. Hierauf übernahm der Vizepräsident des 1 AT AÄ AI/CD Kleideru. 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