Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 18 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064317--15375-3088156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 fiillllfflfflii™^ DIE WAHRHEIT Bekanntgabe Ich beehre mich, das p. t. Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß ich in dem von mir übernommenen Restaurationsbetrieb, II., Zirkusgasse 3, kein Geschirr oder Service meiner unmittelbaren Vorgänger in Verwendung habe. Ich lege Wert auf die Feststellung, daß ich in dem teilweise neu adaptierten Lokale ganz neues Geschirr und Service benütze und den Betrieb wieder als jüdisches Restaurant — wie die früheren Besitzer Herr S o h r und Herr H e r 1 i n g e r — führen werde. Die Tatsache, daß mein Mutter, Frau Kohn, die durch ihre 30jährige Tätigkeit in der Brigittenau allen jüdischen Gästen wohl bekannt sein dürfte, der Küche vorsteht, bietet genügend Gewähr dafür, daß in meiner Restauration aus Küche und Keller nur das Allerbeste geboten wird. Um zahlreichen Zuspruch bittet Restaurateur Otto Kohn-Toldi, IL, Zirkusgasse 3, und XX., Heinzelmanngasse 1. Bethausvorstandes, Dr. Elias Münz, im Namen des Vorstandes mit einer herzlichen Ansprache an den Spender das neue Sefer in den Besitzstand des Tempels. Mit einem Psalm schloß die eindrucksvolle Feier. Herr Ernst wurde dann bei Keriat Hatora als Schelischi aufgerufen und ihm durch einen feierlichen Segensspruch des Oberkantors Fischer nochmals der Dank der Gemeinde abgestattet. Die Feier übte auf das überaus zahlreiche Publikum einen ergreifenden Eindruck aus. Allgemein wurden die Verdienste des Tempelverwalters Max Schwager um das Gelingen des seltenen und schönen Festes anerkannt. Neunzigster Geburtstag Albert Löws. Albert Low, der am großen Sabbat 5687 sednen neunzigsten Geburtstag feierte, war aus diesem Anlasse Gegenstand mannigfacher Ehrungen seitens seiner zahlreichen Freunde und Verehrer. Unter den vielen Ehrungen, welche dem greisen Jubilar entgegengebracht wurden, nimmt die Feier, welche am 1. Tage des Pessachfestes im Rahmen des Morgengottesdienstes im großen Leopoldstädter Tempel stattfand, einen besonderen Platz ein; stellte sie doch sozusagen die offizielle Huldigung dar, welche die jüdische Oeffentlichkeit ihrem hochgeschätzten Nestor entgegenbrachte. Albert Low, der zur Thora feierlichst aufgerufen worden war, wurde zunächst vom Oberkantor Fischer durch einen meisterhaft rezitierten hebräischen Segensspruch begrüßt, worauf Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d die Persönlichkeit und das vorbildliche Wirken des Jubilars in treffenden Worten würdigte. Er schilderte den iohen Idealismus, von dem Albert Low sich in allen seinen Handlungen habe leiten lassen, seine Anhänglichkeit und Treue zu der Religion und Ueberlieferung unserer Vorfahren und seine unermüdliche Arbeit für das Wohl der Judenschaft. Kultusvorsteher David D o h a n überbrachte dem Jubilar die Glückwünsche der Kultusgemeinde und überreichte ihm eine kunstvoll ausgeführte Glückwunschadresse der Kultusgemeinde. Gerührt dankte Herr Low für alle Ehrungen und versprach, auch weiterhin, so lange ihm Gott die Kraft dazu gebe, für das Judentum wirken zu wollen. Der Familienverein Nußbaum, dessen Ehrenpräsident der Jubilar ist, veranstaltete aus Anlaß des neunzigsten Geburtstages Albert Low ein Festbankett, zu welchem sich die zahlreiche Familie, die sich in bewundernswerter Liebe um das Familienoberhaupt schart, sowie auch viele Holleschauer eingefunden hatten, . um ihren ausgezeichneten Landsmann und den Ehrenbürger ihrer Vaterstadt zu feiern. Graz. Der Verein „Matnoth Anijim", der im Jahre 1881 gegründet wurde und an dessen Spitze der Landesrabbiner Univ.-Prof. Dr. David Herzog steht, versendet an seine Mitglieder und Freunde einen Tätigkeitsbericht über das 38. bis 45. Vereinsjahr, in welchem dargelegt wird, wie groß die Anforderungen sind, die an den in der Grazer Gemeinde so segensreich wirkenden Verein gestellt werden. Leider aber verschlimmert sich der Stand des Vereinsvermögens zusehends. Das hat seinen Grund namentlich in der fast trostlosen wirtschaftlichen Lage, welche die Zahl der Spenden verringert, die der Hilfesuchenden hingegen vergrößert. Zudem kommt noch, daß weder Bund noch Land für jüdische Arme etwas leisten und mit Ausnahme einer seit mehreren Jahren zu Weihnachten uns regelmäßig zufließenden Spende von Seiten des Herrn Bürgermeisters Vinzenz Muchitsch, aus einer ihm für Zwecke der Wohltätigkeit bereitstehenden Summe, für welche wir auch an dieser Stelle herzlichst danken, keinerlei Hilfe zur Linderung der Not jüdischer Armer behördlicherseits zu erhalten ist. Es scheint noch immer in gewissen Gehirnen nicht bekannt zu sein, daß es auch jüdische Arme gibt und daß auch jüdische Not gelindert werden müsse! Hier endlich Wandel zu schaffen, wird auch Aufgabe des Vereines sein müssen. Er ist dies auch dem Andenken der Männer schuldig, die als Gründer oder treue Mitarbeiter des Vereines gewirkt haben und deren Seelen in den letzten Jahren zu Gott zurückberufen worden sind. Es sind dies die Herren: Hermann Oehler, Bernhard Grünhut, Ignaz B r ö ß 1 e r, Alexander Koppel, Adolf Weiß, Moriz Heinrich, Oberkantor Paul Horn, Heinrich H e r z 1, Michael Spiegel, Armin Birman, Ignatz Po Hak, Isidor Welisch, Jakob Deutsch, Max Neumann. Sie alle — tüchtige und brave Menschen — werden in dem Vereine nicht so bald vergessen werden. Dem Tätigkeitsbericht ist ein Kassabericht über das Jahr 1926 angeschlossen, der vom Kassier Direktor Anton Ungar, dem Kontrollor Samuel Stern jun. und den Revisoren Filipp Preis und Martin Richard unterzeichnet ist. Diesem Berichte entnehmen wir, daß 1267 Schilling an Unterstützungen im Berichtsjahre ausbezahlt wurden und der gegenwärtige Stand des Vereinsvermögens sich auf 1399 Schilling beläuft. 75. Geburtstag. Am 2. Tag Pessach fand aus Anlaß des 75. Geburtstages des Herrn Wilhelm Stern im großen Leopoldstädter Tempel, zu dessen ältesten Besuchern der Jubilar zählt, im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes eine schöne Feier statt, in deren Verlaufe Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald den feierlich zur Thora aufgerufenen Jubilar die herzlichsten Glückwünsche der Gemeinde verdolmetschte. Er würdigte bei dieser Gelegenheit die Verdienste des Gefeierten und sein edles, gottgefälliges Wirken für seine Familie und seine notleidenden Glaubensbrüder. Oberkantor Heinrich Fischer rezitierte einen feierlichen Segensspruch. Herr Stern hat bei dieser Gelegenheit namhafte Spenden für wohltätige Zwecke gewidmet. Sederfeier. Sonntag, den 17. d. M. wurde von der BibeJschulsektion des Tempelvereines „Aesche 1 Avrohom" (Pazmanitentempel) für die Schüler der Bibelschule, Knaben und Mädchen im Alter von 6—12 Jahren, eine schöne Sederfeier veranstaltet. Es kamen aber nicht allein die Kinder, sondern auch deren Eltern, welche mit Freude und berechtigtem Elternstolz zusehen konnten, wie ihre Kleinen das alte jüdische Fest feierten und welches Verständnis sie den altehrwürdigen Gebräuchen entgegenbrachten. Dies ist vor allem ein Verdienst der Lehrer Dr. Baumgarten und Oesterreicher, die sich um das Gelingen der schönen Veranstaltung das größte Verdienst erworben haben. Nachdem der Obmann der Schulsektion Herr Franz Engel die Festgäste sowie die anwesenden Eltern und Kinder, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. S. Funk, den Obmann der Schulkommission der israelitischen Kultusgemeinde Herren Dr. Josef T i c h o und den Obmann des Tempelvereines Herrn Oskar Schramek begrüßte, würdigte Herr Rabbiner Dr. Funk die Bedeutung der Sederfeier für die Erziehung der Jugend in wahrem jüdischen Geiste und wies darauf hin, daß gerade die Pessach- Haggada ein Buch der Jugend ist. Am Schlüsse "tter Feier dankte Herr Dr. J. T i c h o im Namen der israelitischen Kultusgemeinde allen, welche zum Gelingen des schönen Festes beigetragen haben, und betonte in seiner mit großen Beifall aufgenommenen Rede, daß der Wert der jüdischen Feste für unsere Jugend nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Denn nichts prägt sich tiefer in das menschliche Gemüt ein und kein Eindruck haftet länger in unserem Herzen als der, welchen wir in unserer Jugend empfangen. Während die Ereignisse späterer Jahre meist nur vorübergehende Spuren in unserer Seele zurückließen, kann das, was wir in unserer Jugend erlebt haben, nicht verwischt werden. He%t BtonimttBB fDr die „Wahrheit" t