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Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 I .......in.»., mim. werden gedenkt Nachdem von den innerpalästinischen Schwierigkeiten ausführlich die Rede ist, heißt es weiter: „Auf diesem Boden ist auch der Aufbau des jüdischen Nationalheims ohne Bedrohung anderer Volksteile durchführbar, wie es in klarer Form ausgesprochen ist in der einzig authentischen Interpretation der Balfour-Deklaration, die wir besitzen, nämlich im Weißbuch von 1922, in welchem gesagt wird, daß das jüdische Nationalheim zwar keine zwangsweise Unterwerfung der Araber unter jüdische Vorherrschaft bedeutet, aber eine internationale Garantie des jüdischen Rechtes auf Errichtung und ständige Vergrößerung des Nationalheims. Wir sind überzeugt, daß dies auch in Zukunft die Richtlinien der Palästina-Politik des Völkerbundes und der Mandatarmacht sein werden, und die Aufgabe der zionistischen Politik ist es, ideologisch und praktisch mitzuarbeiten an der Entwicklung der inneren Gestaltung Palästinas auf Grund dieses fruchtbaren Gedankens . . . Durch unsinnige Hetzereien und Boykottparolen wird dem künftigen Zusammenleben der beiden Völker nicht gedient Und dieses Zusammenleben, man mag es bedauern oder nicht ist nun einmal eine anabweisliehe Notwendigkeit Je früher die Vernunft und Besonnenheit auf beiden Seiten wieder eintreten, um so besser für das Land und für alle, denen dieses Land teuer ist. Wer zu dieser Beruhigung beiträgt, wer dazu die Initiative ergreift wer dann — immer in klarem Bewußtsein der bestehenden Gefahr, über die man sich jahrelang nur allzu leichtsinnig hinwegtäuschte — die Wege für die künftige Entwicklung Palästinas zu ebnen beginnt, der wird sich das größte Verdienst erwerben, auch um die Idee der jüdischen Wiedergeburt." Gegen diesen einzig vernünftigen Standpunkt wendet sich radikal wie immer die deutsche zionistische Opposition. Hier will man nichts von Verständigung, nichts von Ausgleich hören. Die Herren werden schon sehen, wohin sie mit dieser irrsinnigen Politik kommen, die schon so oft Schiffbruch erlitten hat. * * * Drei Todesurteile gegen Araber. Wegen Ermordung eines jüdischen Einwohners in Safed, des ersten Juden, der bei den Kämpfen in Safed von Arabern getötet wurde, sind vom englischen Gerichtshof drei Araber zum Tode verurteilt worden. Es ist dies der erste Fall, daß Angeklagte wegen Teilnahme an den jüngsten Unruhen in Palästina zum Tode verurteilt wurden. Erklärung deutscher Juden. In der deutschen Tagespresse wird eine „E rklärung deutscher Juden" veröffentlicht, die von etwa 200 prominenten Persönlichkeiten aus Berlin und dem Reiche unterzeichnet ist. Sie lautet: „In einer Zeit, in der die Befriedung der Welt als das vornehmste Ziel der gesamten Menschheit erkannt wird, kommen aus Palästina Nachrichten über blutige Kämpfe zwischen Arabern und Juden. In tiefem Schmerz betrauern wir mit allen Teilen der Kulturwelt die Opfer dieser Vorgänge. Auf das Entschiedenste aber legen wir dagegen Verwahrung ein, daß die tiefbetrüblichen Vorkommnisse in Palästina in schärfstem Gegensatz zu der deutlichen Sprache der Tatsachen zu einer verstärkten Agitation für das zionistische, d. h. jüdischnationale Parteiwerk, ausgenutzt werden. Die öffentliche Meinung Deutschlands wird irregeführt durch Kundgebungen der Zionisten und der Jewish Agency. Die nichtzionistischen Mitglieder dieser Körperschaft haben keine Vollmacht und kein Recht, sich als Vertreter der nichtzionistischen Juden Deutschlands zu bezeichnen. % Die unterzeichneten, den verschiedensten politiiwiiiminiiiriiiittte Dj£ vVAHftlt^^f sehen und religiösen Parteien und Richtungen angehörenden deutschen Juden und Jüdinnen erklären: Wir bekennen uns zum Judentum, lehnen aber jeden jüdischen Nationalismus ab. Wir betrachten uns mit der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden als Glieder des deutschen, nicht eines jüdischen Volkes. In der Errichtung einer jüdischnationalen Heimstätte sehen wir einen Irrweg, der das Emanzipationswerk der Vorkämpfer des deutschen Judentums und die religiös-sittliche Aufgabe des Judentums in der Menschheit gefährden muß." * Es ist selbstverständlich, daß die zionistischen Zeitungen gegen diese Erklärung Sturm laufen. Auch unsere „Stirn m e" schrieb darüber: „Es ist in der ganzen Reihe auch nicht ein einziger Jude Deutschlands von größerem Format enthalten . . ." Daß für sie nur Juden „von größerem Format" sind, die unter ihren Aufrufen stehen, kann nicht überraschen. Es ist dem gegenüber festzustellen, daß sich unter der „Erklärung deutscher Juden" zahlreiche Unterschriften prominenter liberaler Führer ebenso wie die Namen von über 30HauptvorstandsmitgliederdesCentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens befinden. Aus dem Paulus ward ein Saulus. Vor einigen Wochen war in einer Austrittsliste der Wiener Kultusgemeinde der Name des Dichters Franz W e r f e 1 zu lesen. So hat auch dieser Intellektuelle das Judentum in Zeiten schwerster Bedrängnis verlassen. Die Gründe für seinen Entschluß interessieren uns hier nicht, wir halten nur fest, daß wieder in Oesterreich ein Mann dem Glauben seiner Väter abtrünnig geworden ist, der auch das Judentum zum Produkt seines künstlerischen Schaffens gewählt hat. Und von diesem Standpunkt entsteht für uns die Frage, ob angesichts dieses „jüdischen" Schaffens des Renegaten seine Abkehr vom Judentum einen Verlust für dasselbe bedeutet. Wir glauben, diese Frage ruhig verneinen zu können und brauchen als Beweis nur das zu wiederholen, was Dr. Max Grunwald zu Werf eis „dramatischer Legende" Paulus unter den Jude n", die auch auf dem Wiener Burgtheater zur Aufführung gelangte, in diesen Blättern gesagt hat. Diese entschiedene Ablehnung beinhaltete u. a.: Welch eine Sippschaft, diese Werfel-Juden! Mancher augenscheinlich aus persönlicher Erfahrung, nicht gerade wohlwollend, erfaßt und über Jahrtausende hinweg in die Vergangenheit projiziert. „So ist es! So war es!" „Ein kleiner rundlicher Jude, dessen Schultern von schlechtem Gewissen gekrümmt sind". Ist das nicht ein Ausschnitt aus dem „Kikeriki"? Dieser Hohepriester, dem sein eigen Fleisch und Blut vorhält, daß er in allem nur „Rom und die Welt" in Rechnung zieht! Vielleicht eine unliebsame Erinnerung an qualvolle Religionsstunden? Oder dachte Werfel an lebende Priester in leitender Stellung in anderem Lande mit Rom im Blickpunkt? Und nun gar seine Söhne! Der eine ein Otto Weininger redivivus. Der andere mit den Feinden im Komplott. Ein „Rabbiner" ist als „Beschwörer" frei erfunden. An die Wunderheilungen und Beschwörungen im Neuen Testament bei dieser Figur zu denken, dürfte Werfel als Blasphemie fern gelegen haben. Um so treuer folgt er dieser Quelle in der Charakteristik dieses „Rabbiners" genau nach der Schablone der neutestamentlichen „Pharisäer". Der einzige

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