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Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT iiatiHüiuiummnnnffifl dhuiiiuuuh«ud Seite 7 Not und Elend zu lindern, keine größere Freude kennen, als anderen Freude zu bereiten, und so wünschen wir aus ganzem Merzen, daß Sie noch ungezählte Jahre in voller Gesundheit, vereint mit Ihrer Ihnen gleichgesinnten Gattin, stets reiche Möglichkeit linden mögen, so wie bisher Ihren Nebenmenschen Freude zu bereiten und andere und damit auch sich zu beglücken." In tiefer Ergriffenheit stattete nun Präsident Professor Dr. Alois Pick der Festversammlung und besonders dem Kultusvorstande seinen Dank ab für die vielen Ehrungen, die ihm zuteil geworden sind. Dieser Tag sei für ihn nächst seinem Hochzeitstage der glücklichste seines Lebens. Wenn er am heutigen Tage Rückschau halte über sein verflossenes Leben, müsse er sagen, daß er stets vom Glück begleitet gewesen sei, denn seit seiner frühesten Jugend habe er so viel Güte und Freundschaft entgegengebracht erhalten, habe er in jenen Personen, die mit ihm arbeiteten und wirkten, solche treffliche Menschen zur Seite gehabt, daß er stets von dem Gefühle der Glückseligkeit erfüllt sein mußte. Ganz besonders habe er aber, seit er als Präsident der Kultusgemeinde wirke, in den jeweiligen Vizepräsidenten, so auch in den derzeitigen Vizepräsidenten, den Herren Dr. Ornsteiu und Dr. Löwenherz, so eifrige tatkräftige Mitarbeiter gefunden, die einen Großteil der Arbeitslast auf sich genommen, daß es ihm dadurch leicht wurde, sein Amt zu bekleiden. Aber auch alle anderen Mitglieder des Kultusvorstandes hätten ihm stets durch ihr hingebungsvolles Wirken und die persönliche Freundschaft und Sympathie, die sie ihm entgegengebracht haben, seine Amtsführung nach Möglichkeit erleichtert. Ihnen allen gelte sein tiefer, inniger Dank. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. O r n s t e i n, überreichte nun dein Jubilar die von den Mitgliedern des Kultusvorstandes gewidmete, kunstvoll ausgeführte Adresse, deren Wortlaut bereits in unserer letzten Nummer veröffentlicht wurde. Die Lage in Palästina. Die in unserer letzten Nummer wiedergegebene Mitteilung des Oesterreichischen Konsulates in Jerusalem an das Oesterreichische Handelsmuseum bildet die Grundlage des folgenden Berichtes der Wiener Ha ndelskammer über die Wirtschaftskrise in Palästina. Das Geschäftsleben in Palästina ist seit dem Ausbruch der Unruhen am 23. August d. J. nahezu lahmgelegt. Mit Ausnahme der Lebensmittelbranchen sind fast alle Geschäftszweige zu einem Stillstand verurteilt, der sich bereits verhängnisvoll auswirkt und der, soweit er nicht manchenorts auf Einschränkung des Warenverkehres infolge der noch nicht ganz hergestellten Sicherheit beruht, auf zwei Ursachen zurückzuführen ist: Den sehr scharf durchgeführten gegenseitigen Boykott und die abwartende Haltung der Konsumenten. Bis ungefähr 15. September waren sämtliche Läden teils infolge akuter Gefahr von Plünderungen und Zusammenstößen, teils infolge Ausbleibens des kaufenden Publikums, geschlossen. Dieser an und für sich schon empfindliche Ausfall von drei Wochen wurde in seinen Auswirkungen durch ein von der Regierung verfügtes Moratorium etwas erträglicher gestaltet und hätte schließlich eine Episode bedeutet, die zu überwinden gewesen wäre, wenn nicht bald darauf der einsetzende Boykott eine sehr ernste Situation gezeitigt hätte, die bei längerem Anhalten unvermeidlich zu einer schweren Krise führen muß. Dieser Boykott, der beiderseits planmäßig und energisch organisiert worden ist, dauert trotz Einigungsbestrebungen der maßgebenden Kreise unvermindert fort und hat bereits schwere Schäden im Gefolge. In Jerusalem, Haifa und Jaffa ist die arabische Jugend wirkungsvoll in Tätigkeit, die Durchführung des Boykotts zu sichern. Vor den meisten Läden sind Posten aufgestellt, die die Käufer warnen, abhalten, ja oit mit Gewalt zurückdrängen. Die arabische Parole lautet: „Kaufet nichts von Juden, außer Land. — Verkaufet den Juden alles, außer Land! Sie sind nach dem Koran eure größten Feinde!" Das Eingreifen der zu Hilfe gerufenen Behörden ist bisher ergebnislos, und zwar eingestandenermaßen in F rmangelung von ausreichender Polizei. Ein Versuch nach der bisher geübten Methode, auch hier die führenden Leute verantwortlich zu machen, die mangelnde Autorität der Behörden bei den Massen durch Zuhilfenahme von Privat- UFA-TON-KINO Wien II., TaborstraBe 8 — T«l. R 42-3-41 Das?ifmtf}eater der guten QeseRscSaft zeigt Drei Freunde Spannendes Tonfilmdrama Der Tonfilm in seiner letzten Vollendung Tonwiedergabe nicht auf Platten, sondern auf Filmband! Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn- und feiertags: ab 4 Uhr auiorität zu ersetzen oder zu verstärken, ist mißlungen. Bei den bezüglichen \ e;handlunge:: weigerten sich die Kailfleute unter energischem Protest, ei:ie Erklärung zu unterfertigen, aus der ihre Verantwortung für die Boykottbeweguug abgeleitet werden sollte. Sehr schwerwiegend ist der Umstand, daß die von den Arabern eingeleitete Boykoitpropaganda im mohammedanischen benachbarten Ausland auf fruchtbaren Boden geiailen ist. Zeitungsnachrichten zufolge, die in kaufmännischen Kreisen bestätigt wurden, sind von dorther Stornierungen im größten Ausmaße erfolgt. Syrien aHeia soll Aufträge im Werte von L. P. 20.000 zurückgezogen haben. Die arabische Kaufmannschaft beschränkt sich jedoch nicht auf die negative Seite des Boykottes. Die wohlbekannte Abhängigkeit vom jüdischen Importeur und Kaufmann soll umgangen werden. Gründlingen großer arabischer Importgesellschaften sind im Zuge. Französisches Kapital ist mit Rat und Hilfe zur Stelle und ergreift gerne die Gelegenheit, Neuland zu gewinnen, zumal seit dem syrisch-palästinensischen Zollvertrag jüngsten Datums die Zollschranken fast ganz gefallen sind. Die Auskünfte der beiden Handelskammern — in Haifa und Jaffa gibt es je eine jüdische und arabische Handelskammer, während Jerusalem eine gemeinsame hat — ermangeln derzeit der nötigen Objektivität. Soweit kaufmännische Kreise befragt wurden, wird die Situation für die jüdische Kaufmannschaft als sehr ernst bezeichnet. Besonders schwer soll bereits die Manufakturwarenbranche gelitten haben. Das Mißtrauen für die nächste Zukunit veranlaßt viele alteingesessene Kaufleute zur Auswanderung, nahezu sämtliche aber zur Verlegung ihrer Geschäfte in rein jüdische Stadtteile. Da daraus der Verlust des arabischen Kundenkreises folgt, ohne daß der ohnehin übersättigte Markt im jüdischen Viertel Ersatz bietet, liegt in dem Verhalten kein geringer Erfolg des arabischen Boykotts. Sämtliche Kaufleute klagen über die starke Zurückhaltung und mangelnde Kauflust des Publikums, selbst wo es sich um die wichtigsten Bedarfsartikel handelt, über die mangelnden Eingänge, die daraus resultierende Unmöglichkeit der Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten usw. Es ist bezeichnend für die wohldurchdachte Führung des arabischen Boykotts, daß sie ihre Leute auffordert, mit der Kundschaft höflich umzugehen, lieber den Gewinn zu reduzieren, als die Käufer den Juden in die Arme zu treiben, daß sie darauf hinweist, daß eben dieses Verhalten der jüdischen Kaufmannschaft dieser den Vorrang vor der arabischen sichert. Verständigung — eine Notwendigkeit. Auf dem nächsten zionistischen Deiegiertentag in Deutschland dürfte es zu schweren Auseinandersetzungen mit der jetzigen Leitung und ihrem Organ „Jüdische R u n ds c Ii a u*' kommen. Die Opposition macht der Leitung des Parteiorgans zum Vorwurf, daß sie in Fragen des Üeberfalles der Araber auf die Juden die zionistische Sache in schwerster Weise schädigt. Worin besteht nun diese „schwere Schädigung"? Zur Illustration seien zwei Abschnitte eines ungezeichneten Leitartikels der „Jüdischen Rundschau*' wiedergegeben, die deutlich zeigen, wie man im Lager der besonnenen zionistischen Mitte die Prcbierne sieht und wie man ihrer Herr zu

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