Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT ^ifflffliflifflinnfflifflmnmi Seite 7 Hebron eines der ersten Ziele des Angriffes. Ich fragte mich: Erwartet unser Laboratorium ein gleiches Schicksal? Bis auf den heutigen Tag wartet die Universität, wartet die ganze jüdische Gemeinschaft vergeblich auf eine Antwort auf diese elementare Frage. Bis jetzt ist weder von der Regierung eine angemessene noch von den arabischen Führern überhaupt eine Antwort gegeben worden. Dr. Magnes schloß: Wir fragen nicht nur die Regierung und unsere Nachbarn, die Araber, sondern die ganze zivilisierte Welt: Kann diese Arbeit fortgeführt werden? Die erste Bedingung ist: Wiederherstellung der Ordnung! Es ist eine Ironie des Schicksals, daß die britische Kommission die Gewalttaten von gestern untersucht, wobei kein Tag ohne Gewalt und Terror vorübergeht. Man muß Wege finden, um miteinander zu leben und zu arbeiten. Aber wie schwer ist es, darüber zu sprechen, wo man auf allen Seiten> so wenig Verständnis für den heiligen Charakter dieses Heiligen Landes findet. Viele, die gestern noch bereit waren, nach Wegen für Beziehungen zwischen Arabern und Juden zu suchen, schrecken heute davor zurück. Konzessionen zu machen, die als eine Prämie für die in Hebron. Safed, Moza und Talpioth verübten Taten aufgefaßt werden könnten. Das ist natürlich und menschlich. Und doch sage ich, daß nicht einmal Massakers uns davor zurückhalten sollen, solche Wege zu wandeln. Wir müssen dem Problem ins Auge blicken, nicht wegen der Pogrome, sondern trotz ihrer, nicht wegen des physischen Druckes von außen, sondern wegen des geistigen Druckes von innen. Bevor wir nicht den Mut aufbringen, an die Lösung dieses Problems heranzutreten, nicht die Einsicht und Klugheit haben, es zu bewältigen, ist unser Unternehmen nicht auf jene Grundlagen gestellt, die es zu seiner Entwicklung braucht. Trotz des Unmutes, den diese vernünftige und friedliche Rede bei Herrn Ussischkin und bei anderen zionistischen Heißspornen ausgelöst hat, wird die jüdische Welt diese Worte aufmerksam lesen und die weise Einsicht, die aus ihnen spricht, zur Richtschnur ihrer neuen Politik machen. („Jüdische Presse'*, Wien.) Juden hinaus! „Der Montag" erhielt von Herrn Nationalrat Dr. Julius Deutsch nachstehendes berichtigendes Schreiben: Zu meinem Erstaunen las ich in Ihrem geschätzten Blatte zwei Artikel, die sich mit den angeblichen Judenverfolgungen im Vafö beschäftigen. Demgegenüber erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß die sieben Mitglieder des Vorstandes, die in der letzten Generalversammlung nicht wieder gewählt wurden, gar nicht lauter Juden sind. Es sind unter ihnen vielmehr vier Juden und drei Nichtjuden. Kein Mensch hat bei der Wahl daran gedacht, daß da ein Unterschied zwischen Juden und Nichtiuden gemacht wird. Erst hinterher haben die Delegierten durch Ihre Mitteilungen erfahren, daß im Vafö eine „Judenverfolgung" stattgefunden hat. Im Interesse der Wahrheit, fühle ich mich verpflichtet, Ihnen diese Mitteilungen zu machen, damit nicht aus dieser Angelegenheit eine Legende entsteht. Demgegenüber bemerkt „Der Montag": Wir konstatieren, daß sich unter den heutigen Delegierten des Vafö nicht ein einziger Sozialdemokrat israelitischer oder israelitischer Abstammung (konfessionslos) befindet, obwohl die ganze Vaföbewegung ihr Aufblühen zum großen Teil jüdischen Sozialdemokraten zu danken hat. Es ist ferner Tatsache, daß der Vafö keine jüdischen Angestellten duldet, obwohl ein Großteil der Mitglieder Israeliten sind. Es existiert noch ein einziger Jude unter den Angestellten, wie lange er es bleibt, wissen die neuen Götter. Auf eine Aufrage des Wiener Ita-Vertreters zu dieser Angelegenheit an Herr« Staatskanzler a. D. Dr. K. Renner, antwortete dieser mit folgendem Schreiben: „Die Behauptung, daß in der Sozialdemokratie Oesterreichs irgendwelche antisemitische Tendenzen wirksam seien, ist völlig unbegründet, und ich ermächtige Sie, diese meine Bekennung in jeder Ihnen wirksam erscheinenden Form der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen." Ein jugoslawisches Konsulat in Palästina. Von Dr. Lavoslav S i k, Zagreb. In Tel-Aviv wurde dieser Tage ein jugoslawisches Konsulat errichtet und Dr. Kurt Grunwald zum ersten Konsul ernannt. Diese wichtige Tatsache ist gewiß einer kleinen Würdigung wert. Ich habe — aus Palästina zurückkehrend — in einem Zagreber Blatte ausführlich dargelegt, wie dringend notwendig es ist. daß in Palästina ein jugoslawisches Konsulat errichtet werde. Nicht nur, daß unter den Einwanderern. Kolonisten und Städtebewohnern die Zahl der jugoslawischen Staatsbürger ständig zunimmt, sondern es genügt auch eine bloße Handelsvertretung nicht, um die erwünschte Hebung des Ex- und Importes im Verkehre mit Jugoslawien anzubahnen und erfolgreich durchzurühren. Im Orient und speziell in Palästina bedeutet das Konsulat — neben seiner Berufung in wirtschaftlicher Hinsicht — vornehmlich die Affirmation des betreffenden Staates. Die Fahne gilt dort viel, ja vielleicht alles. Dieser Gedanke wurde von der in- und ausländischen Presse zustimmend aufgenommen und auch bei den maßgebenden Stellen traf sie auf volles Verständnis, so daß eigentlich nur die Frage der Person des Konsuls besonders zu erwägen war. Dr. (der Staatswissenschaften) Kurt Grunwald, der mehrere Jahre hindurch in Tel-Aviv als Sekretär. <kr Palestine Economic Society und seit einiger Zeit als Kontrollor der Loan Bank wirkt, Land und Leute gründlich kennt und in Fachkreisen durch seine wissenschaftlichen Arbeiten über die Minoritätenrechte (Doktordissertation). Beiträge im „Weltwirtschaftlichen Archiv" (Universität Kiel), den „Europäischen Gesprächen" (Universität Hamburg), dem „Oesterreichischen Volkswirt" und anderen wirtschaftlich-statistischen Organen bestens bekannt ist, hat sich schon früiier um die Stelle eines jugoslawischen Konsuls in Palästina beworben. Aus seinen an mich gerichteten Briefen ersehe ich, mit welchem großen Interesse und mit welcher Tatkraft er an diese neue Arbeit, an die Ausübung der durch dieses Amt übernommenen weitgesteckten Pflichten geht. Dr. Kurt Grunwald ist der Sohn des durch seine umfangreiche literarische Tätigkeit — insbesonders auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde — in der Gelehrtenwelt allgemein geschätzte« Wiener Rabbiners Dr. Max Grunwald. Aber auch mit Zagreb verbinden Dr. Max Grunwald persönliche Beziehungen. Sein Name hat hier durch wiederholt abgehaltene Vorträge einen guten Klang. Der Großvater des neuernannten Konsuls mütterlicherseits ist der gewesene österreichische Reichstagsabgeordnete und Floridsdorfer Rabbiner Dr. Josef Bloch, sowohl in seiner parlamentarischen Tätigkeit als auch durch seine von ihm selbst ausgegebene Wochenschrift ein unermüdlicher Vorkämpfer für die Interessen des Judentums, denein er insbesondere im Kampf gegen die Antisemiten seiner Zeit diente. Als Ende August dieses Jahres in Palästina die bekannten Unruhen ausbrachen, da schien es. als ob in der Frage des jugoslawischen Konsulates in Palästina eine Stockung eintreten wollte. Daß nun das Königreich Jugoslawien trotzdem ein Konsulat, und zwar gerade in der jüdischen Stadt Palästinas, in Tel-Aviv errichtet und diesen Posten mit einem aufrechten Juden, wie es Dr. Kurt Grunwald ist, besetzt, darin liegt eben die Bedeutung des Ereignisses. Aus der Wiener Kultusgemeinde. Dienstag, den 26. v. M., fand unter dem Vorsitze des Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick eine öffentliche Plenar Versammlung statt. Nachdem der Vorsitzende die ordnungsmäßige Einberufung und Beschlußfähigkeit der Versammlung festgestellt hatte, würdigte er die Verdienste der kürzlich verstorbenen Herren Rabbiner Prof. Dr. A. L. Mandel und Bernhard H o fb a u c r in tiefempfundenen Nachrufen. Sodann brachte Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb den Einlauf zur Verlesung, in dem sich befand: Ein Dankschreiben des Herrn Bundeskanzlers Schober für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines Amtsantrittes. Der Herr Bundeskanzler versichert, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreise den vom Kultusvorstande vertretenen Interessen seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden will. Ein Dankschreiben des Herrn Bundesministers für Unter-