Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 * ttHBEflSfiDDIRffl DIE WAHRHEIT rieht Dr. S r b i k für die Begrüßung anläßlich seiner Wahl. Dankschreiben sind ferner eingelangt: Von Prof. Dr. Oskar Strnad für die Gratulation anläßlich seines 50. Geburtstages; von Herrn A. H. Herr mann in New York, der in der schweren Nachkriegszeit wiederholt dem Spitale der israelitischen Kultusgemeinde namhafte Spenden zukommen ließ und vom Kultusvorstande anläßlich der Verleihung des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Oesterreich beglückwünscht wurde. In einem warmen Schreiben bringt Fräulein Nora Grünhut dem Präsidium für die Beteiligung am Begräbnisse und für die besonders vornehme und würdige Gestaltung der Leichenfeier ihres dahingeschiedenen Vaters Hofrat Prof. Dr. Samuel Grünhut innigen Dank, auch namens der Angehörigen zum Ausdruck. Die Familie H o f b a u e r dankt dem Kultusvorstande für die Teilnahme anläßlich des Ablebens ihres Familienoberhauptes, des Herrn Bernhard Hofbauer. Die Verwaltung der Israelitischen Versorgungsanstalt berichtet, daß zufolge einer Intervention des Herrn Obmannes der Kommission für die Versorgungsanstalt, Kommerzialrat Markus, Herr Bethausvorsteher Rudolf Kohn, als Chef der Firma Bernhard Kohn, einen Wohltäter veranlaßt hat, für die Versorgungsanstalt ein neues Pianino zu widmen. Dem unbekannten Spender, sowie Herrn Rudolf Kohn wurde der Dank votiert. Von der „Jewish Agency" in London ist anläßlich der Ueberweisung von Sammlungsergebnissen des „Z e n t r a 1 h i 1 f skomitees für die Opfer der Ereignisse in Palästina" ein Dankschreiben eingelangt für die Bemühung um die Organisierung der Sammlungen. In bezug auf die Sammlung selbst ist zu berichten, daß bis zum heutigen Tage das Ergebnis S 136.000— beträgt und daß bisher über Beschluß des „Zentralhilfskomitees" 3500 Pfund an die „Jewish Agency" übermittelt wurden. Von Herrn M. Stein in Sanok ist ein Dankschreiben für eine über Veranlassung des Präsidiums erfolgte Intervention in einer schwierigen, vom Seelsorger Prof. Dr. Kupfer erfolgreich durchgeführten Angelegenheit eingelaufen. Nach einem Berichte der Rechnungsdirektion sind während der Feiertagsperiode (Monat Oktober 1929) in den Gemeindetempeln und den von der Kultusgemeinde veranstalteten temporären Gottesdiensten an Spenden für verschiedene wohltätige Zwecke insgesamt S 104.918.— gewidmet worden. Ueberdies sind seit der letzten Plenarsitzung an größeren Spenden für verschiedene Wohltätigkeitsanstalten eingegangen: Von Herrn lng. Eugen Stern in Laibach S 3000, von den Gesellschaftern der Firma Gebrüder Gutmann statt einer Tempelspende S 4000, von den Erben nach Herrn Dr. Eugen Brettauer S 5000. Wie in früheren Perioden so wurden auch in den letzten Wochen vom Präsidium unangesagte Visitationen in der israelitischen Versorgungsanstalt und im Spitale der Kultusgemeinde vorgenommen. Die Ergebnisse waren durchaus befriedigend und die bei diesem Anlasse vorgenommenen Skontrierungen und Rechnungsrevisionen lassen die Korrektheit der Gebarung erkennen. Der statistische Ausweis des Matrikelamtes über die Monate September und Oktober d. J. weist folgende Daten auf: Gesamtzahl der vorgenommenen Trauungen..... 234 „ vorgenommenen Ehetrennungen .... 63 „ Sterbefälle............ 390 „ Geburten: 117 männliche 93 weibliche, zusammen..... 210 „ Austritte............. 147 „ Eintritte und Rücktritte....... 44 Vom Steueramte der israelitischen Kultusgemeinde liegen Konsignationen vor über die in der Zeit vom 18. August bis 2. November d. J. aus dem Judentum ausgetretenen Kultussteuerträger. Dieselben verzeichnen den Abfall von 73 Kultussteuerträgern, von welchen 42 eine Kultussteuer zwischen S 1.— und S 10.—, 22 eine solche zwischen S 10.— und S 50.—, 5 zwischen S 50.— und S 60.—, 2 S 100.— bis S 150.—, einer S 300 — und einer S 600.— entrichteten. Aus dem Präsidialbericht entnehmen wir: Am 3. Oktober d. J. hat mit einer stillen Feier der neuerbaute Tempel im 13. Bezirke die Eröffnung gefunden. Das Präsidium der Kultusgemeinde, welche durch ihren ansehnlichen Subventionsbeitrag das Zustandekommen des Tempelbaues wesentlich förderte, hat an dieser Feier teilgenommen. Am 13. Oktober d. J., am Vortage des Versöhnungsfestes, hat in besonders feierlicher Weise die Weihe der Kriegerdenkmäler auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes stattgefunden. Das Präsidium kann mit Freude verzeichnen, daß dieser Pietätsakt des Kultusvorstandes im Kreise der Gemeindemitglieder lebhafte Würdigung und Anerkennung gefunden hat. Am 3. November d. J. hat das Präsidium beim Herrn Bundeskanzler Schober in Angelegenheit des Ansuchens der Kultusgemeinden um einen Staatsbeitrag vorgesprochen und derf Anlaß wahrgenommen, um den Hernn Bundeskanzler eingehend über die einschlägige Materie und die Berechtigung des gestellten Begehrens zu informieren. Die stattgehabte Aussprache läßt erwarten, daß nunmehr die schon so lange anhängige Angelegenheit in Bälde in das entscheidende Stadium gebracht werden wird. Die Landesregierung von Wien hat zum Zwecke der Berichterstattung an das Bundesministerium für Unterricht eine eingehende Prüfung der Rechnungsbeschlüsse und Voranschläge der Kultusgemeinde unter vergleichsweiser Heranziehung der Vorkriegsergebnisse vorgenommen und es wurde den Vertretern der Landesregierung Gelegenheit geboten, auch in den Dienstbetrieb der einzelnen Aemter der Kultusgemeinde Einsicht zu nehmen. Obmann der Schulsektion, Kultusvorsteher Dr. Josef T i c h o, teilt mit, daß das Schulamt mit der Errichtung und Führung von eigenen Bibelschulen der Kultusgemeinde begonnen hat. So wurden im zweiten Bezirk in der Tempelgasse und in der Seb. Kneippgasse und im 15. Bezirk in der Turnergasse Bibelschulen errichtet, die bereits sehr gut frequentiert werden. Auch in Hietzing wurde durch den dortigen Tempelverein eine Bibelschule errichtet. Was den Jugendgottesdienst anbelangt, teilt Referent mit, daß derselbe sich auch heuer eines ausgezeichneten Besuches erfreut und daß nicht nur die Jugend, sondern auch die Eltern und Verwandten der Schüler bei dem Jugendgottesdienst erscheinen. Kultusvorsteher Dr. Glanz bringt die Konstituierung des Verbandes sozialistischer Juden zur Kenntnis. Es folgt ein interessanter Bericht des Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein über die Seelsorge und Fürsorge in der Strafanstalt Stein und in den Irrenanstalten Y b b s, Mauer-Oehling. Im Jahre 1928 hat das Justizministerium der Kultusgemeinde die Geneigtheit bekanntgegeben, einen Betrag votieren zu wollen, wenn seitens der Kultusgemeinde eine geeignete Persönlichkeit bestellt wird, um einmal im Monate in der Strafanstalt Stein Pastorierungen, so lautet der hierfür gebrauchte Ausdruck, vorzunehmen. Das Präsidium war sich darüber im klaren, daß es nicht genügen kann, wenn ein rabbinischer Funktionär etwa einmal im Monat eine Predigt vor den jüdischen Häftlingen dieser Strafanstalt hält, daß vielmehr nebst den Seelsorger-Agenden auch fürsorgerische versehen werden müssen. In der Person des Professors Dr. Kupfer wurde eine solche geeignete Kraft erkannt. Es wurden ihm unter Zustimmung des Justizministeriums diese Agenden übertragen und es wurde das Tätigkeitsgebiet des Herrn Professors Dr. Kupfer noch dadurch erweitert, daß er seitens der Kultusgemeinde auch in die außerhalb Wiens gelegenen Fürsorgeanstalten der Stadt Wien, wie Ybbs, Mauer-Oehling usw., periodisch entsendet wird. Aus dem Referate des Herrn Vizepräsidenten Dr. O r nstein geht hervor, daß Professor Dr. Kupfer sich diesen Agenden in höchst anerkennenswerter Weise widmet. Es gelingt ihm dabei, die Unterstützung von Personen außerhalb der Kultusgemeinde zu finden und auch das Entgegenkommen der in Betracht kommenden Behörden und Aemter mit Erfolg in Anspruch zu nehmen. Seitens des Präsidiums der Kultusgemeinde wird die ersprießliche Tätigkeit des Herrn Professors Dr. Kupfer tatkräftigst unterstützt, indem ihm fallweise die für Unterstützungszwecke und Hilfswerke erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ueberaus interessant sind, betont Vizepräsident Doktor J. Ornstein, die Detailberichte, die von Prof. Dr. Kupfer dem Präsidium nach jeder Inspektion erstattet werden. Professor Dr. Kupfer betätigt sich mit Hingabe aller seiner Kräfte nicht nur als Seelsorger, sondern als wahrer Fürsorger und insbesondere seine Wirksamkeit für die Familien der Sräflinge ist lobend zu erwähnen. Die Finanzkommission hat sich bestimmt gefunden, einen besonderen Kredit von S 2500.— für diese Hilfszweige, soweit sie nicht schon im Fürsorgebudget Bedeckung finden, zu votieren und Dr. Ornstein erbat hierfür die Zustimmung des Plenums, die einstimmig erfolgte. Dr. Desider Friedmann stellte die Anfrage, ob auch beim Wiener Landesgericht I und II die Tätigkeit für die dort in der Mehrzahl befindlichen Untersuchungshäftlinge ebenfalls über den engen Rahmen der Seelsorge hinausgehe. Dr. Ornstein antwortete, daß dies zur Zeit noch nicht der Fall sei,